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Kirche

Luther sang an Weihnachten

Den wenigsten ist wohl bewusst, wie Martin Luther die Dezember-Festtage späterer Jahrhunderte geprägt hat. Weihnachten erhielt durch ihn einen ganz neuen Charakter.

Weihnachten kennen wir. Alle Jahre wieder: der Weihnachtsbaum, die Kerzen, das Ritual, der immer gleiche Ablauf: erst essen, dann singen, dann die Weihnachtsgeschichte, dann Bescherung. Schliesslich der Besuch, den wir machen, den wir empfangen am ersten oder zweiten Feiertag. Jeder von uns kann seine eigene Geschichte vom Weihnachtsfest erzählen: wann der Weihnachtsbaum geschmückt wird, vielleicht eine Strophe aus einem Weihnachtslied gesungen und dann die Geschenke ausgepackt werden. Es ist ein Ritual, das uns wichtig ist. Wir kennen uns schliesslich mit Weihnachten aus. Christkinder sind wir alle. Aber woher kommt eigentlich unsere Art Weihnachten zu feiern? Was hat Weihnachten in der christlichen Kulturgeschichte so gross gemacht?

Christus statt Nikolaus

Bis zur Reformation hatte das Weihnachtsfest keine grosse Bedeutung. Ja selbst bis in das 18. Jahrhundert hinein lag der Höhepunkt des Kirchenjahres auf Karfreitag und Ostern. Aber die Reformation legte gewissermassen den Grund und Boden dafür, dass Weihnachten ein ganz besonderes Fest wurde. Wieder einmal beginnt, soweit wir wissen, die Geschichte bei Martin Luther. Noch zu seiner Kindheit gab es die kleinen Geschenke am Nikolausabend, Tadem 6. Dezember. Dass Weihnachten ein bis dahin eher unbedeutendes Fest war, wollte dem späteren Theologen und Reformator nicht einleuchten. Nicht der Heilige Nikolaus, sondern die Geburt Christi sollte im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stehen. Und weil sich bei der Geburt eines Kindes die ganze Familie und Verwandtschaft freut, sollte auch die Geburt Christi als fröhliches Familienfest gefeiertwerden.

Ein Fest, zu dem Geschenke, Musik und die Krippe gehörten. So schrieb Luther für seine sechs Kinder und seine Frau Katharina wunderschöne Weihnachtslieder, von denen einige bis heute in unseren Kirchen gesungen werden: «Vom Himmel hoch, da kommich her», oder «Gelobet seist du Jesu Christ, dass du Mensch geworden bist». Schauen Sie mal ins Reformierte Gesangbuch. Da gibt es viel zu entdecken. Besonders eindrücklich ist aber, was uns Luther damals zum Fest mit auf den Weg gegeben hat. Aus einer seiner Weihnachtspredigten stammt die folgende Geschichte, die ohne weiteres aus unseren postmodernen Tagen stammen könnte: «Es war einmal ein frommer Mann, der wollte schon in diesem Leben in den Himmel kommen. Darum bemühte er sich ständig in den Werken der Frömmigkeit. So stieg er auf der Stufenleiter der Vollkommenheit immer höher empor, bis er eines Tages mit seinem Haupte in den Himmel ragte. Aber er war sehr enttäuscht: Der Himmel war dunkel, leer und kalt. Denn Gott lag auf Erden in einer Krippe.»

Kommerz statt Christus

So hat sich das evangelische Weihnachten über den Erdball verbreitet. Aber wir wissen auch, wie die Geschichte weiterging. 200 Jahre später kamen die ersten Tannenbäume in die Weihnachtsstuben. Vor hundert Jahren erfand eine amerikanische Getränkefirma den Weihnachtsmann, und damit begann der grosse Kommerz mit dem Fest. So ist das, wenn aus Reformen wieder Traditionen werden. Dann braucht’s eben wieder Reformen, damit das Kind in der Krippe im Mittelpunkt steht.

 

(Sebastian Zebe, 20.11.2017)

 

 


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