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Leben & Glauben

Alles andere als laienhaft!

Weil sich der Laienpredigtdienst bewährt hat, bietet die Thurgauer Landeskirche zum dritten Mal einen entsprechenden Ausbildungsgang an. Pfarrer Peter Keller leitet den Kurs und erklärt, warum es diesen Dienst braucht. Zwei Laienpredigerinnen und ein Laienprediger berichten aus der Innenperspektive.

Wer den Lehrgang für den Laienpredigtdienst gemacht hat, erhält die Erlaubnis, in der Evangelischen Landeskirche im Thurgau Gottesdienststellvertretungen zu übernehmen. Für Gernot Klein, Sozialarbeiter und Heimleiter aus Neukirch an der Thur gehört dieser Kurs zu den für ihn bedeutsamen Weiterbildungen. Und Laienpredigerin Barbara Fuhrer hat sich über das Kompliment einer jüngeren Gottesdienst-Besucherin gefreut: «Warum machen Sie das nicht jeden Sonntag? Ich würde jedes Mal in die Kirche kommen.» Beiden geht es wie Lisbeth Leibundgut aus Fruthwilen, die sagt: «Für mich ist es nach wie vor eine Herausforderung Gottesdienste vorzubereiten, aber immer auch eine sehr grosse Freude, die Gottesdienste in verschiedenen Gemeinden zu gestalten.»

Von A bis Z
Der Laienpredigtdienst erstreckt sich über die gesamte Gestaltung des Gottesdienstes von der Liturgie über die Predigt bis zur Liedauswahl. Nicht dazu gehören Kasualien wie Taufe oder Abdankungen. Kursleiter Pfarrer Peter Keller ist überzeugt vom Laienpredigtdienst: «Laien haben einen anderen Zugang zur Bibel als Theologen. Sie sind den Leuten in der Kirchenbank nahe, weil sie ihre Alltagserfahrungen teilen. Darauf wollen wir aufbauen und die Kursteilnehmenden mit dem nötigen Handwerkzeug ausrüsten.» So zum Beispiel Stimmschulung, Sprechtechnik oder Gottesdienstaufbau. Ein neues Ausbildungsmodul ist die Einführung ins Abendmahl. Keineswegs laienhaft «Kursinteressenten sollen solide Bibelkenntnisse und eine persönliche Beziehung zu Kirche und Glauben mitbringen. Wir erwarten, dass sie landeskirchlich beheimatet sind. Deshalb wünschen wir ein Empfehlungsschreiben von der örtlichen Kirchenvorsteherschaft oder der Pfarrperson», erklärt Peter Keller. Barbara Fuhrer hat die Ausbildung gemacht, um den Besucherinnen und Besuchern im Gottesdienst eine Botschaft zu vermitteln, an die sie sich auch nach dem Gottesdienst noch erinnern können. «Ich mache dies auf meine individuelle Art und Weise. Aber das Rüstzeug für den Ablauf und die einzelnen Elemente im Gottesdienst habe ich in der Ausbildung erhalten.» Lisbeth Leibundgut findet, der Name des Dienstes solle geändert werden: «Stellvertretungen werden keineswegs laienhaft ausgeführt. Wir werfen ein weniger theologisches Bild auf Aussagen der Bibel. Dafür ein für die Zuhörer verständliches.»

Gaben sind verteilt
Die Laienpredigerinnen würden die Ausbildung wieder machen und weiterempfehlen. Gernot Klein geht noch einen Schritt weiter: «Weiterempfehlen? Ich würde nicht nur, ich werde es sogar tun. Ich kenne einige Menschen mit tiefer Beziehung zu Jesus Christus, denen ich ein solches Amt zutraue und von denen ich glaube, dass sie uns Vieles von ihrem Reichtum an Wissen und ihrem Erfahrungsschatz, von ihrem Glaubensweg mitteilen können, nicht nur könnten. Gott ist ja regelrecht verschwenderisch und hat reichlich Gaben in seine Gemeinden hinein verteilt!»

 

(Brunhilde Bergmann, 22.12.2017)

 


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