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Leben & Glauben

Frieden gebracht

Eine grosse Trauergemeinde hat am 9. Januar in der evangelischen Kirche in Weinfelden Abschied genommen von Pfarrer Johannes Bodmer. Er war am Neujahrstag im Alter von 64 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben, nur ein halbes Jahr nach seiner vorzeitigen Pensionierung.

Johannes Bodmer geht als der Pfarrer in die Geschichte ein, der dem Dorf den Frieden gebracht hat. 1990, bei seinem Amtsantritt, fand er eine Kirchgemeinde vor, deren Kirchbürger sich wegen eines Streits zwischen den ehemaligen Pfarrern entzweit hatten. Johannes Bodmer, dem grossen, hageren Mann, der freundlich zu allen war und in sich selbst zu ruhen schien, gelang es, Ruhe und Kontinuität in die Kirchgemeinde zu bringen. Ein Friede, der bis heute anhält.

Johannes Bodmer wurde am 18. Juni 1953 als Sohn eines Musiker-Ehepaares geboren und wuchs in Uster auf. Zunächst erwarb er das Primarlehrerpatent, begann aber 1978 mit dem Studium der Theologie in Zürich. Im gleichen Jahr verheiratete er sich mit Margrit Frei aus Zofingen. Drei Töchter wurden dem Ehepaar geschenkt. Von 1985 bis 1990 war Johannes Bodmer Pfarrer der evangelischen Schweizerkirche in Argentinien. Am 25. November 1990 wurde er in sein Amt in Weinfelden eingesetzt.

Nach fast 27 Jahren – im Sommer 2017 – trat Johannes Bodmer in den vorzeitigen Ruhestand. Obschon er seine Person nie in den Vordergrund gestellt hat, freute er sich insgeheim doch, dass die Gemeinde bei seiner letzten Predigt am 25. Juni die Kirche füllte und ihm für sein Wirken dankte. Sie liess ihn gar nicht gerne ziehen. Pfarrer Bodmer war für viele ein Vorbild: gradlinig und klug, mit feinem Humor, wo er angebracht war, kein Mann der grossen, aber ein Mann der klaren und starken Worte. Er war ein guter Prediger. Weil er mit offenen Augen und Ohren durch die Welt ging, hat er viele Alltagssituationen notiert und sie dann später in einer Predigt aufgegriffen. Vielen Weinfeldern gab er damit eine wertvolle Lebenshilfe.

Pfarrer Bodmer war von 1993 bis 2008 auch Dekan des Kapitels Weinfelden. Darüber hinaus engagierte er sich als Verwaltungsrat im Alterszentrum, in der Jugendarbeit und der Schulbehörde. Johannes Bodmer hat seine Familie, das Dorf und seine Menschen geliebt. Sie werden ihn vermissen.


(Esther Simon, 23. Januar 2018)


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