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«Gegen graues Einerlei»

Thurgauer Parlamentsmitglieder wollen mit einer Motion den Schutz von speziellen Ruhetagen im Gesetz aufheben. Das nimmt der Kirchenrat der Evangelischen Landeskirche Thurgau vor Ostern zum Anlass, den besonderen Charakter der christlichen Feiertage als wohltuende Abwechslung hervorzuheben.

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    Roman Salzmann

    Die christlichen Feiertage Karfreitag, Ostersonntag, Pfingstsonntag, Bettag und Weihnachtstag geniessen im Thurgauer Gesetz eine besondere Rolle, weil dann zum Beispiel Theater, Tanzanlässe oder Sportveranstaltungen nicht erlaubt sind. Dieses Verbot sei «ein Übrigbleibsel aus alter Zeit», schreiben die Motionäre.

    Gesetz sorgt für Abwechslung

    Der evangelische Kirchenratspräsident Wilfried Bührer und Kirchenratsaktuar Ernst Ritzi sehen das im Namen des gesamten Kirchenrats freilich anders und schreiben in einem Memorandum: «Die Karwoche steht bevor, eine Woche mit extremen Wechseln, vom Palmsonntag über Karfreitag bis Ostern. Nicht selten macht auch das Wetter in dieser Jahreszeit starke Ausschläge nach unten und nach oben. Und selbst die Gesetzgebung hilft ein bisschen nach, dass nicht jeder Tag des Jahres zum grauen Einerlei wird. Jedenfalls noch. Würde sich eine Motion im Kantonsrat und anschliessend in einer Volksabstimmung durchsetzen, würde der besondere gesetzliche Schutz von Ostern und Karfreitag fallen und es würden an diesen Tagen dieselben Regeln gelten wie für jeden gewöhnlichen Sonntag.»

    Wohltuende Ruhe

    «Wer gegen eine Aufhebung des besonderen Schutzes der (fünf) hohen Feiertage ist, wird schnell einmal als Spassbremse bezeichnet », schreibt der Kirchenrat und fragt: «Bedeutet es wirklich mehr Spass, an restlos jedem Tag im Jahr alles haben oder machen zu können? Macht nicht gerade der Wechsel einen gewissen Reiz aus? Natürlich hat das Sommerhalbjahr zu wenige Wochenenden, und mancher Eventplaner würde mit seinem Anlass gern auf Karfreitag, Pfingstsonntag oder Bettag ausweichen. Es ginge damit aber auch etwas verloren: Tage, die einen spürbar anderen Charakter haben als andere; Tage, an denen Familienanlässe leichter durchzuführen sind, weil nicht alles mit Terminen vollgestopft ist; Tage, an denen auch öffentlich eine gewisse Ruhe spürbar ist.»

    Schutz von Oasen der Stille

    Der Kirchenrat sieht in der bestehenden Regelung einen willkommenen Entschleunigungsfaktor im immer rasanter werdenden Alltag: «Ohne einen gezielten Schutz durch die Tradition und durch die Gesetzgebung ist das kostbare Gut von Oasen der Stille und Besinnlichkeit nicht zu haben. Für Christen haben Karfreitag und Ostern eine grosse Bedeutung. Aber auch viele andere Bewohner unseres immer dichter besiedelten Landes wissen es durchaus zu schätzen, dass wenigstens an fünf Tagen im Jahr öffentlich deutlich wird, dass Lebensqualität nicht mit chronischer  Betriebsamkeit gleichzusetzen ist. Der EvangelischeKirchenrat des Kantons Thurgau hofft, dass dies noch lange so bleibt.»

     

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