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Kirche

Neuer Pfarrer – neue Gemeinde

Ein Pfarrstellenwechsel bringt immer Veränderungen für die Kirchgemeinde mit sich. Nicht nur die Kirchbürger müssen sich an ein neues Gesicht und einen andern Stil gewöhnen, auch für die neue Pfarrerin, den neuen Pfarrer ist vieles fremd: kirchliche Beziehungen und das private Umfeld. Wie erleben sie ihren Neuanfang?

Seit Januar 2017 ist Lukas Butscher Pfarrer in der Kirchgemeinde Amriswil-Sommeri. «Ich wünsche allen jungen Berufskollegen, beim Neustart so viel Unterstützung zu erfahren wie ich.» Butscher schätzt die Vorteile im Teampfarramt. Ohne den erfahrenen Pfarrkollegen, der ihn gut eingeführt hat und bei Fragen zur Seite steht, und ohne die Unterstützung von Präsidentin und Vizepräsident wäre der Einstieg schwieriger gefallen. Zudem hat der Vorgänger im Schwerpunkt Kind und Familie «viel Pionierarbeit geleistet», wie er sich ausdrückt. «Im ersten Jahr war ich selber genug Veränderung. Jetzt im zweiten Jahr kann ich Impulse geben und mich auch stärker an Strukturveränderungen beteiligen.» Butscher baut auf das Engagement von Gemeindegliedern als Multiplikatoren. «Als Letztverantwortlicher traue ich den Freiwilligen etwas zu, aber ich fordere auch von ihnen.» Dass diese Form der Selbstverantwortung von der Behörde mitgetragen wird, zeugt vom intakten Vertrauensverhältnis zwischen Pfarrer und Behörde. «Ohne das könnte ich nicht arbeiten!»

Herausfordernde Selbständigkeit

Nicht allen gelingt der Start so gut. Selbst wenn die Profile im Bewerbungsverfahren sorgfältig abgeglichen wurden, ob die Chemie stimmt, kristallisiert sich erst im Lauf der Zeit heraus. Absolut unverzichtbar ist eine gute Einführung ins Amt durch die Behörde und eine Bezugsperson. Wenn dafür nicht genügend Zeit reserviert wird, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. «Ich fühlte mich allein gelassen», klagte eine Pfarrperson. «Die hohe Selbstständigkeit, die ich im Bewerbungsgespräch als Vorteil wertete, wurde zum Nachteil.» In der Anfangsphase halfen Pfarrkollegen mit ihrem offenen Ohr. Regelmässige persönliche Standortgespräche in der Startphase wurden vermisst, sie hätten geholfen, sicheren Boden unter den Füssen zu gewinnen. Dekanin Esther Walch Schindler weiss, wie wichtig so ein Austausch ist, besonders im Einzelpfarramt: «Ich weise alle Neuen auf unsere Intervisionsgruppe hin. Sie ermuntert besser einmal zu viel als gar nicht zu fragen. Und möglichst frühzeitig. Die sechs Pfarrerinnen und Pfarrer der Intervisionsgruppe bringen oft nützliche Aussensicht ein. Auf beidseitigen Wunsch vermittelt die Dekanin auch bei Schwierigkeiten. Sinnvoll findet Walch das Recht auf Mentoring, das seit kurzem – unabhängig von der Wahlfähigkeit – allen neuen Pfarrpersonen zusteht. Sie können sich auf Wunsch von erfahrenen Pfarrerinnen oder Pfarrern in der Anfangsphase begleiten lassen.

Über den Gartenzaun

Philipp und Simone Widler wirken seit eineinhalb Jahren im Pfarramt Tägerwilen. Sie sind mit ihren beiden kleinen Kindern auch privat am neuen Wirkungsort angekommen: «Als eher urban geprägtem Pfarrehepaar kommt es meiner Frau und mir sehr entgegen, dass wir nicht in einem Pfarrhaus abseits wohnen, sondern mittendrin im Wohnquartier mit vielen jungen Familien», sagt Philipp Widler. Aber auch Pfarrhausbewohner Lukas Butscher und Gattin sind als Privatpersonen in Amriswil angekommen. Der Pfarrer hat die Sichtschutzhecke beim Pfarrhaus radikal gestutzt: «Das gibt meiner Frau und mir zwar gerade weniger Privatsphäre, dafür ganz viele Gespräche über den Gartenzaun.»

 

(23. März 2018, Text & Bild: Brunhilde Bergmann)


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