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Gesellschaft

«Einfachheit ist angesagt»

Die Weihnachtszeit ist intensiv – nicht zuletzt für Pfarrerinnen und Pfarrer. Neben dem Vorbereiten und Leiten verschiedener Feiern sind sie auch als Seelsorgende gefordert. Bleibt da überhaupt noch Zeit, um mit der eigenen Familie zu feiern?

Janine Haller, Lukas Mettler und das Ehepaar Regine und Johannes Hug sind sich einig: Weihnachten ist die intensivste Zeit des Jahres. Sie alle sind als Pfarrpersonen tätig und bereiten in der Vorweihnachtszeit zahlreiche Feiern, Andachten und Gottesdienste vor. «Die ersten Überlegungen beginnen schon im Oktober », sagt Janine Haller. Wenn die Sonnenstrahlen noch wärmend durchs Fenster einfallen, lasse sie sich im Büro schon von Adventsliedern berieseln. «Das hilft mir, die Gedanken in Richtung Weihnachten zu lenken.»

Weihnachtsfreude wiedergefunden
In ihren Anfangsjahren als Pfarrerin habe sie Mühe gehabt, die Weihnachtszeit dann noch richtig geniessen zu können. «Doch in den letzten Jahren konnte ich die Weihnachtsfreude für mich wieder finden.» Auch die Pfarreheleute Regine und Johannes Hug geniessen die vielen schönen Termine in dieser Zeit. Bewusst nähmen sie sich Zeit für Besuche bei einsamen und kranken Menschen. Denn ihrer Erfahrung nach sei manches Leid schwerer zu ertragen, wenn andere fröhlich feiern. Für das Ehepaar Hug bleibt trotz all der Pfarramtstermine genügend Zeit für die Feierlichkeit mit der eigenen Familie. Sie schmückten jeweils kurz vor Heiligabend zusammen mit den beiden Söhnen (12 und 14 Jahre alt) den Christbaum. An Heiligabend stimmten sie sich im Familiengottesdienst auf Weihnachten ein, um danach im familiären Kreis weiter zu feiern – mit einem einfachen Abendessen, Liedern und Geschichten. Und natürlich mit Geschenken, die auch für ihre Kinder wichtig seien.

«Mir fehlt noch die Hoffnung»
Pfarrer Lukas Mettler feiert mit seiner Familie am 26. Dezember. Er schätzt es, sich dabei mal ganz zurücknehmen zu können. «Während ich bei den Gemeindefeiern fast immer irgendeine tragende Rolle habe, bin ich hier einfach einer unter vielen.» Wortwörtlich, denn zur Familie gehören zahlreiche Mitglieder – darunter eine Schwiegertochter aus Afrika und ein Schwiegersohn aus der Türkei. Durch den multikulturellen Einfluss sei eine amüsante Tradition entstanden: das Weihnachtslotto. Statt mit Zahlen spiele man es mit Begriffen, die mit Weihnachten zu tun haben. «Daraus ergeben sich ganz lustige Situationen, zum Beispiel wenn jemand ruft ‹Mir fehlt noch die Hoffnung› und jemand anderes antwortet ‹Und mir das Vertrauen›».

Nicht alle Erwartungen erfüllen
Dass viele Menschen die Weihnachtszeit als stressig erleben, hänge mit der regelrechten Geschenkeflut zusammen, vermutet Janine Haller. Statt nach Geschenken zu suchen, könne man die Zeit ja beispielsweise für das Guetzlibacken mit der Familie nutzen. Regine und Johannes Hug nehmen sich bewusst «stille Zeiten» im Rahmen der Familie heraus. Lukas Mettlers Kraftquelle ist hingegen das gemeinsame Singen im Gospel- und im Adventschor. Sein Rat für eine stressfreie Weihnachtszeit: «Einfachheit ist angesagt. Man muss nicht immer alle Erwartungen sofort erfüllen.»


(23. November 2018, Cyrill Rüegger)


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