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Kirche

«Frieden spielen» ist schwieriger

Sind Losungen ein alter Zopf? Mitnichten, wenn man das neue Konfirmationsprojekt der Herrnhuter Brüdergemeine betrachtet: Tobias Arni ist gerade mit Blick auf die Jahreslosung überzeugt von der Wirkkraft der Losungen, wenn sie altersgerecht eingesetzt werden.

Tobias Arni ist Pfarrer und Leiter der Fachstelle Religionsunterricht der Evangelischen Landeskirche Thurgau und empfiehlt, im Konfirmationsunterricht mit dem Projektbuch der Losungen für junge Leute zu arbeiten. Das Konfirmationsprojekt mit Jugendlosungen erinnere jedoch auch daran, dass Christinnen und Christen generell aus Losungen Impulse für das eigene Leben erhalten. Nur schon die Jahreslosung 2019 sei herausfordernd: «Suche Frieden und jage ihm nach!», heisst es im Psalm 34.15. Arni: «Um sich mit der anspruchsvollen Jahreslosung, aber auch grundsätzlich mit Losungen auseinanderzusetzen, haben die Herausgeber ein Konfirmandenprojekt geschaffen, das im Internet aufgerufen werden kann. Wer diese Impulse durcharbeitet, hat sich mit der Jahreslosung, aber auch grundsätzlich mit den biblischen Losungen und ihrem Hintergrund auseinandergesetzt.» Man liest etwa im Leitfaden, warum die Losungen 1831 erstmals gedruckt wurden und dass deren Entstehungsgeschichte durchaus etwas mit der diesjährigen Jahreslosung zu tun hat.

Wenn der Friede «stolpert»
Zur Jahreslosung erzählt Tobias Arni eine kurze Weisheitsgeschichte: «Es war einmal ein Mensch, der suchte den inneren Frieden, konnte ihn aber nicht finden. Er suchte immer heftiger, immer verbissener, immer dringlicher und fand ihn doch nirgends. Der Friede seinerseits war inzwischen schon ganz ausser Atem. Es gelang ihm einfach nicht, den Suchenden einzuholen bei dem Tempo, mit dem er hinund herhastete, ohne auch nur einmal zu verschnaufen oder sich umzusehen. Eines Tages brach der Mensch mutlos zusammen und lag kraftlos auf dem Boden. Der Friede, der schon gar nicht mehr daran geglaubt hatte, dass der Suchende einmal anhalten würde, stolperte mit voller Wucht über ihn. Und der Mensch fing auf, was da so plötzlich über ihn gefallen war und entdeckte erstaunt, dass er seinen inneren Frieden gefunden hatte.»

Rosenkrieg und Kleinkrieg
Arni ist überzeugt, dass die Jahreslosung im Unterricht auf fruchtbaren Boden stösst, weil junge Menschen tagtäglich mit Krieg und Frieden konfrontiert werden: «Neben dem inneren Frieden, der Ruhe und Besinnung braucht, um sich entfalten zu können, gibt es auch den äusseren Frieden. Dessen Gegenteil ist der Krieg, und bei Nachbarstreitigkeiten spricht man vom ‹Kleinkrieg›. Neid und Missgunst vergiften das Zusammenleben. ‹Rosenkrieg› ist die Bezeichnung für einen heftigen Scheidungs- oder Trennungskonflikt zwischen Eheleuten. Das wünscht man niemandem. Umso wichtiger ist es, dem Frieden Raum zu geben.»

Es besteht Nachholbedarf
Im Unterricht macht Arni die Erfahrung, dass Kindern viele Ideen in den Sinn kämen, wenn man sie frage, wie «Krieg spielen» geht: Mit Stöcken aufeinander einschlagen, Tannenzapfen werfen, brüllen, Rüstungen basteln, Deckung suchen, Hinterhalte legen, sich selber aber bestmöglich schützen. Indes: «Fragt man danach, wie man Frieden spielen könnte, erntet man häufig Unverständnis. Das muss doch langweilig sein. Im Kreis tanzen? Einander die Hände geben? Etwas für Mädchen? Wie soll das gehen?» Offensichtlich bestehe diesbezüglich noch viel Nachholbedarf, folgert Arni, «damit unsere Kinder im gleichen Masse Ideen und Phantasien für das ‹Frieden spielen› entwickeln können wie für das ‹Krieg spielen›!» (ta/sal, 20. Dezember 2018)


Mehr Infos: www.losungen.de/konfirmandenprojekt

 

Friede – was bedeutet das?

Was für die Konfirmandinnen und Konfirmanden ein Thema sein kann, könnte auch für Sie als Leserin, als Leser des Kirchenboten im neuen Jahr wichtig sein: Was brauchen Sie um ihren inneren Frieden zu finden? Wo und wann nehmen Sie sich Zeit dafür? Was können Sie beitragen zum äusseren Frieden? Wie schätzen Sie die Situation unseres gesellschaftlichen Friedens in der Schweiz ein? Was braucht unsere Gesellschaft, damit wir unseren gesellschaftlichen und damit auch den religiösen, Frieden bewahren können? Teilen Sie uns Ihre Gedanken mit einem kurzen Leserbrief (1200 Zeichen) mit oder schreiben Sie einen Kommentar am Schluss dieses Artikels im Internet auf www.kirchenbote-tg.ch. pd


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