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Gesellschaft

«Basel wird jetzt noch weniger wahrgenommen»

Nach 103 Jahren schliesst die muba ihre Pforten für immer. Den feierlichen Schlussakt am 17. Februar begeht die Messe gemeinsam mit den Kirchen. Martin Dürr, Co-Leiter des Pfarramts für Industrie und Wirtschaft, über den Abschied von einer schweizerischen Institution und muba-Nostalgie.

Herr Dürr, Sie beteiligen sich als Industriepfarrer am offiziellen Schlussakt der letzten muba. Dankt die Kirche die Messe ab?
Nein. Wir möchten einen kleinen, aber würdigen Abschluss einer langen Geschichte gestalten. Da hat ein wenig wehmütige Nostalgie Platz, mit einem Augenzwinkern und dem Hinweis, dass das Leben auch nach dem Ende der muba weitergeht.

Die Kirche verliert Mitglieder, die Muba verliert Besucher, so dass sie nun für immer schliessen muss. Sehen Sie Gemeinsamkeiten?
Ja, die Leute wandern ab, bleiben weg und finden ihre Produkte im Web und anderswo –  im Fall der Kirche basteln sie sich ihre Religion zusammen. Was die Kirche betrifft, gibt es mehr und mehr Menschen, die merken, dass sie gewisse Dinge nicht zu Ende gedacht haben. Sie erkennen plötzlich, dass es in der Kirche für spezielle Übergänge im Leben wie Geburt, Erwachsenwerden, eine Beziehung festmachen, Krankheit, Alter und Tod hilfreiche Rituale und einen riesigen Erfahrungsschatz gibt.

Im Gegensatz zur muba lebt die Kirche weiter.
Ja, weil wir viel zu sagen haben über ethische Gesinnung, über die «basics» des menschlichen Zusammenlebens – nicht als absolute Wahrheit, sondern als ernstnehmender und ernstzunehmenden Beitrag im gesellschaftlichen Diskurs. Die Kirche hat als Volkskirche in dem schmalen Korridor von Zentral- bis Nordeuropa an Bedeutung verloren. Das bestimmt unsere Wahrnehmung in der Schweiz sehr stark. Weltweit nimmt die Bedeutung von Religionen, besonders auch die des Christentums zu.

Was bedeutet es für Basel, dass es die muba nicht mehr gibt?
Es ist ein Verlust. In den guten Zeiten – und die dauerten lange – war Basel für Tage die Hauptstadt der Schweiz. So viele Gäste aus der ganzen Schweiz kamen wohl bei keiner anderen Gelegenheit. Jenseits des Juras nimmt man Basel jetzt noch weniger wahr. Das hat konkrete Auswirkungen auf die Investitionen in die Infrastruktur und das Verständnis für die Bedürfnisse des Wirtschaftsstandorts Basel. Die Restschweiz, die jetzt noch überproportional von Basel profitiert, wird diese Entwicklung auch zu spüren bekommen. Aber dann wird es zu spät sein.

Was verbindet Sie als Basler persönlich mit der muba?
Als junger Mensch war ich oft an der Messe, genoss diese Welt, wie sie sonst nie so kompakt zu sehen und erleben war: Neue Produkte, fremde Länder ganz nah und nicht zu vergessen: gratis Kugelschreiber und Abziehbildchen ... Es ist das Ende einer generationenübergreifenden Geschichte. Dass da auch Wehmut aufkommt, ist normal. Wenn Dinge verschwinden, die so tief in der Stadt verankert waren, dann braucht es Mut zu neuen Ideen für Basel. Darauf hoffe ich!

Karin Müller, kirchenbote-online, 7. Februar 2019

«Kirche ist mehr, als Sie glauben»: Ab 8. Februar Stand der Kirchen auf dem Platz der Begegnung, Halle 2.0. Der besinnliche Muba-Schlussakt findet am Sonntag, 17. Februar um 16.30 Uhr ebenfalls auf dem Platz der Begegnung statt.

Die Mustermesse Basel
Die muba ist die grösste und älteste Publikumsmesse der Schweiz. Sie wurde im Jahr 1917 zum ersten Mal – damals unter dem Namen «Schweizer Mustermesse» – durchgeführt. Seither findet sie jährlich im Frühjahr statt und hat sich im Lauf der Jahre stets verändert.
Zu Beginn waren in der Mustermesse Aussteller aus allen Bereichen der Schweizer Wirtschaft präsent. Nach und nach entstanden aus der «Mutter aller Messen», wie die muba immer wieder genannt wird, verschiedene Fachmessen wie die «Swissbau», die «Baselworld» und die «Giardina».
Die Messe verdankt ihren heutigen Namen muba dem Volksmund, in dem sich im Laufe der Zeit die Abkürzung aus Mustermesse Basel etablierte. Viele ältere Leute bezeichnen sie jedoch immer noch als die «Mustermesse».


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