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Gesellschaft

Forschen und glauben in Australien

Tobias Keller war früher Redaktor beim Thurgauer Kirchenboten und ist jetzt Kommunikationswissenschaftler in Australien. Dort erforscht er die Social Media.

Tobias, Du bist vor fast einem Jahrzehnt mit einem Praktikum bei Roman Salzmann in Dein Studium der Journalistik gestartet. Was ist Dir davon in Erinnerung geblieben?
Die Geduld und Zuversicht von Roman Salzmann, dass ich das schon irgendwie hinbekommen werde. Es war mein erster Job in der Kommunikationsbranche und dementsprechend war vieles neu für mich. Aber das wohlwollende Umfeld gab mir die nötige Sicherheit, damit ich mich entwickeln konnte.

Du hast inzwischen promoviert. Was war Dein Thema?
In meiner Dissertation hat mich beschäftigt, wie politische Akteure auf Social-Media- Plattformen kommunizieren und wie ihre Kommunikation die Demokratie verändert. Abgesehen von ethischen Fragen bezüglich verschiedener Demokratieverständnisse, habe ich mich auch mehrfach mit der Frage beschäftigt, welche personenbezogenen Daten ich überhaupt analysieren darf.

Mitglieder der Redaktionskommission erinnern sich lebhaft an Deine Inputs. Was würdest Du heute sagen, wenn Du noch einmal in der Kommissionssitzung mit am Tisch sässest?
Die Medienbranche steckt in einem grossen Umbruch: Zum einen sinkt die Zahlungsbereitschaft der Leserinnen und Leser. Zum anderen können beliebige Personen sich als «Medienunternehmen» ausgeben und irgendwelche – auch ungeprüfte Falschmeldungen – als Nachrichten publizieren. Umso wichtiger sind deshalb Organe wie der Kirchenbote Thurgau, die journalistisch aufgearbeitete Themen korrekt wiedergeben.

Mit einem Stipendium bist Du nun im Ausland. Welche Erfahrungen möchtest Du mit unsern Lesern teilen?
Wir sind sozusagen ans andere Ende der Welt geflogen, ohne jemals vorher im Land gewesen zu sein oder Leute zu kennen. Dennoch wurden wir herzlich willkommen geheissen und konnten uns schnell wie Zuhause fühlen.

Du bist ein Christ, der das auch offen sagt. Spielt dies in Deinem beruflichen Leben eine besondere Rolle?
Mir geht es wahrscheinlich wie vielen Christen: Der Glaube gibt mir Hoffnung, Kraft und Gelassenheit – und das schwappt manchmal auch auf Kolleginnen und Kollegen über. So hilft mir der Glaube Tag für Tag und hat einen positiven Einfluss auf mein Umfeld. Zudem führt mein Glaube auch immer wieder zu spannenden Gesprächen über die Vereinbarkeit von Glaube und Wissenschaft, sowie über den Sinn von Religionen in der heutigen Wohlstandsgesellschaft.


(Interview: Karin Kapers Elekes, 17. September 2019)


Lesen Sie hier, was Tobias Keller über die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien schreibt.


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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