News aus dem Thurgau

Bach bleibt beliebt

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21.04.2020
Heuer jähren sich der 335. Geburtstag und der 270. Todestag von Johann Sebastian Bach. Welche Bedeutung hat die Musik des Fünften Evangelisten, wie ihn der Urwalddoktor Albert Schweitzer nannte, heute?

Für den Organisten Joseph Bannwart aus Amriswil ist klar: «Bis auf den heutigen Tag ist Bach für mich Grundlage und Mass jeglichen musikalischen Tuns.» Das gelte nicht nur für Bachs Orgelwerk, von dem er 90 Prozent eingespielt hat. Aber Bach sei nicht sein Lieblingskomponist, sagt Bannwart, der zurzeit den Orgeldienst in einem Zwei-Drittel-Pensum in der evangelischen Kirchgemeinde Scherzingen- Bottighofen versieht. «Innerhalb meiner Jahrzehnte langen Tätigkeit als Kirchenmusiker und Konzertorganist hatte ich viele Möglichkeiten, auf grossen und vielseitigen Orgeln zu spielen. In diesem Zusammenhang ist die Romantik je länger je mehr in mein Zentrum gerückt mit auch monumentalen Werken von Franck, Reger, Widor, Vierne».

Eher neuzeitlich unterwegs
Im Gottesdienst spielt Bannwart sehr selten Bach, nicht zuletzt auch darum, weil der Komponist wenig geeignet sei, die «landläufig starren Liturgien etwas aufzuweichen». Zum Gottesdienst passten besser neuzeitliche Werke des 20. Jahrhunderts, wie etwa von Gordon Young, Craig Sellar Lang, Enrico Pasini, Jan Nieland, aber auch Improvisationen über die Gemeinde-Lieder. An Abdankungsfeiern hingegen spielt Joseph Bannwart auf Wunsch selbstverständlich und gerne Kompositionen von Bach, so die Schübler- und Leipziger-Choräle, Präludien und Fugen, aber auch Bearbeitungen von Kantaten-Sätzen.

Etwas Glanz geht verloren
Der 22-jährige Levin Ulmann aus Weinfelden ist einer der Organisten in Affeltrangen. In der heutigen Zeit hätten Bachs Orgelwerke für ihn persönlich eine geringe Bedeutung, antwortet er auf die Umfrage des Kirchenboten. «Ich sehe Bach durchaus als Vorbild, dennoch bin ich der Meinung, dass seine Werke in der heutigen Zeit oftmals zu schwer zum Anhören sind und so nicht mehr in die heutige Liturgie passen. Werke von Bach erklingen in den grossen Kirchen wunderschön und anregend. Bei unseren meist eher kleinen Kirchenorgeln im Thurgau können diese Werke halt nicht immer den vollen Glanz ausstrahlen ». Bach gehöre ganz klar zu den ganz Grossen. Aber er sei nicht sein Lieblingskomponist. «Mich muss die Musik beziehungsweise das jeweilige Werk packen. Da ist das Werk, nicht der Komponist, ausschlaggebend».

Freude bereiten
Gleichwohl kommt Bach bei Levin Ulmann hie und da zum Zug. Aber er versucht die Gottesdienste, in denen er spielt, mit modernen, nicht ganz gewöhnlichen Stücken zu gestalten. Er ist überzeugt, dass er damit auch junge Menschen ansprechen kann. «Natürlich spiele ich auch Werke von Krebs, Knecht, Händel, Mendelssohn, Franck. Mir ist es wichtig, dass die Musik zur jeweiligen Liturgie des Gottesdienstes passt und den Menschen eine Freude bereitet».

Vielfältig und professionell
Sándor Losoncz aus Kreuzlingen ist Organist in der evangelischen Kirche Felben. Er kennt Bach, seit er sieben Jahre alt ist. «Bach hat mich in meiner musikalischen Laufbahn immer begleitet. Die Vielfalt der Werke und die Professionalität der Komposition mit den Klangläufen beeindrucken mich noch immer.» Deshalb gehört Bach auch zu seinen Lieblingskomponisten, «allerdings habe ich seit einiger Zeit auch andere Komponisten wie zum Beispiel Händel, Reger und Krebs öfters im Repertoire». Sándor Losoncz spielt Bachwerke immer wieder nach der Predigt und zum Ausgang: freudig, melancholisch, nachdenklich, immer passend zum Predigttext.


Bach gegen Corona – das grosse Duell auf der Orgel: www.eliejolliet.ch


(Esther Simon, 21. April 2020)

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