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Kirche

«Popularmusik lässt sich nicht einfrieren»

THURGAU. Die Sammlung der St. Galler Singtaglieder ist im Nachbarkanton flächendeckend angekommen. Dass die Thurgauer Landeskirche mit der Herausgabe ihres Singbuches einen etwas anderen Weg geht, bezeichnet der Szenenkenner und Experte für kirchliche Popularmusik Andreas Hausammann als gerechtfertigt.

Von Brunhilde Bergmann

Andreas Hausammann kennt sich aus mit Musik. Der Mann aus Wittenbach ist Jazz-Pianist, Gospel-Chorleiter, Berufsmusiker und Beauftragter für populäre Musik der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons St. Gallen. Wie sein Thurgauer Amtskollege Oliver Wendel gehört er der Fachkommission Popularmusik der Liturgie- und Gesangbuchkonferenz der evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz an. Die beiden Kirchenmusiker tauschen sich gegenseitig über ihre Projekte aus und sie kennen sich seit ihrer Kindheit in Weinfelden.

Büchlein kommt an

Die St. Galler Kantonalkirche hat schon 2012 ein Sammelbändchen mit allen 48 Liedern aus dazumal vier Singtagen herausgebracht- und den Kirchgemeinden gratis abgegeben. Ein Folgeband ist in Arbeit. «Das Büchlein ‹Gott sei Dank› ist flächendeckend angekommen und es ist ganz normal, dass die Lieder aus dem Bereich der Popularmusik im Gottesdienst integriert werden», weiss Andreas Hausammann.

Immer nur Momentaufnahme
Im Jahr 2008 begann der Entstehungsprozess, abgeschlossen ist er nicht und er wird es auch nie sein, wie Hausammann erklärt: «Die ganze Szene mit modernen Kirchenliedern ist zu dynamisch, um sie in eine definitive Sammlung einzufrieren.» Er vergleicht den laufenden Prozess mit der Fortführung der wertvollen Tradition von Liedern, die Aufnahme ins Kirchengesangbuch gefunden haben: «Das sind Lieder die den ‹Test of Time› überstanden haben. Die meisten aktuell beliebten Lieder haben vermutlich eine kürzere Lebensdauer. Deswegen erfassen wir sie als ergänzendes Zusatzangebot, im Wissen, dass dieses Liedgut immer nur eine Momentaufnahme darstellt.»

Mehr als Worship
Mit dem Zusatzgesangbuch für populäre Kirchenlieder schlagen die Thurgauer einen etwas anderen Weg als die St. Galler ein. «Ich erlebe die Thurgauer Kirchenszene als homogener und nicht so breit gestreut. Deshalb scheint mir der Thurgauer Ansatz absolut gerechtfertigt», meint Hausammann. In St. Gallen wurde der Wunsch nach einem geeigneten Fundus an poparmusikalischen Liedern als Bottom-up-Bedürfnis, also von den Kirchgemeinden ausgehend, an die Landeskirche herangetragen. Die Landeskirche reagierte darauf, indem sie mit einer Spurgruppe begann, Lieder zusammenzustellen, die auch theologischen Gesichtspunkten entsprechen und über Worship-Lieder hinausgehen. 

Gemeindegesang ist zentral

Hausammann bezeichnet das gemeinsame Singen als absolut zentral im Gemeindeleben: Wenn der Gemeindegesang nicht aussterben soll, brauche es im Sinne der Gemeinde-Entwicklung unbedingt auch ein Repertoire an Liedern, die dem aktuellen Zeitgeschmack entsprechen. «Als Ergänzung», betont er. «Die schönen, alten Choräle können und sollen moderne Lieder nie ersetzen.» Hausammann warnt auch vor der Auffassung, mit der Beschaffung des Liederbüchleins sei es getan: «Damit die Lieder nicht flach und billig wirken, verlangt die kirchliche Popularmusik − wie jede Musik − nach einer adäquaten Aufführungspraxis. Deshalb brauchen wir ausgebildete Kirchenmusikerinnen und -musiker, die es verstehen, vor die Leute hinzustehen und sie in den Gesang hineinzunehmen. Bandbegleitung und Anleiten zum Gemeindegesang erfordert andere Qualitäten als die Chorleitung.»


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