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Kirche

Weite Horizonte

25.05.2016
BERLINGEN TG. Am 30. November 2015 wurde Gerda Schärer von der Synode in den Kirchenrat gewählt, am 1. Juni tritt sie ihr Amt an. Wer ist Frau, die neu das Ressort Erwachsenenbildung und Senioren übernimmt, weite Horizonte liebt und von sich behauptet, sie sei nicht so der Turnhallentyp?

Von Brunhilde Bergmann

Sie hat Französisch und Russisch studiert, spricht aber – wenn sie nicht gerade Nachhilfeunterricht bei Jugendlichen erteilt – Glarner Dialekt mit Thurgauer Färbung. Ihre vier Kinder zwischen 14 und 23 Jahren sind in Berlingen direkt am See aufgewachsen, wo Gerda Schärer mit ihrer Familie seit 1992 wohnt. Und wo sie sich ins Dorfleben eingebracht hat. «Irgendwie habe ich mich schon immer konkret für soziale Anliegen engagiert», blickt die neue Kirchenrätin zurück. In der Schulkommission und als Präsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Berlingen hatte sie ausreichend Gelegenheit dazu. Das Ressort Erwachsenenbildung, dem Gerda Schärer neu vorsteht, ist ihr auch deshalb sehr nahe, weil sie selbst häufig Kurse und Angebote im tecum besucht hat, um ihrer Arbeit und Entfaltung das nötige Fundament zu verleihen. «Ich bin von Natur aus neugierig, vor Herausforderungen schrecke ich nicht zurück. Das breite Feld von Erwachsenenbildung passt gut zu meiner weiten Grundeinstellung.» Die gemeinsame Suche bei Sinnfragen hat Gerda Schärer schon als Jugendlicheveranlasst, sich als Mitbegründerin in der Jungen Kirche JK Glarus zu engagieren. Dass niemand auf diesem Weg alleingelassen wird, ist für sie auch heute noch zentral: «Kirche soll sichtbar und erlebbar sein für alle.»

In der Landeskirche eingebettet
Wenn die See-Anliegerin sagt, der weite Horizont sei ihr wichtig, meint sie nicht nur den Blick über den Untersee. Sie spricht von der Landeskirche mit ihren vielfältigen Möglichkeiten und Formen, welche die Volkskirche bietet, um die persönliche Glaubens- und Gottesbeziehung zu leben. «Das Fundament meines Glaubens ist Jesus Christus, an ihm orientiere ich mich. Ich fühle mich in der Landeskirche eingebettet, denn ich schätze die Freiheit, diese individuelle Glaubensbeziehung auch persönlich leben zu können ohne sie in einer bestimmten Gruppendynamik ausdrücken und bezeugen zu müssen.» Ruhe und die nötige Weite findet sie beim Querflöte spielen und im See vor ihrer Haustür, den sie in allen Facetten geniesst, den körperlichen Ausgleich bei jeder Form von Bewegung im Freien.

Gas geben oder bremsen?
Im Jahr 2009 kam Gerda Schärer in die Synode, wo sie zwei Jahre später in die Geschäftsprüfungskommission gewählt wurde. Debattieren in der Synode und die intensive Arbeit in der GPK empfand sie als sehr spannend -Erfahrungen, die sie auf keinen Fall missen möchte: «Dadurch gewann ich einen vertieften Einblick in die Handlungsmöglichkeiten und Begrenzungen der Kirchenpolitik: Gas geben oder bremsen? Eigene Wertvorstellungen einbringen, andere nachvollziehen können.» Ihre Erkenntnisse möchte Gerda Schärer auch als Kirchenrätin umsetzen. Sie freut sich auf ihr neues Amt: «Ich habe Respekt vor der Verantwortung und den anfallenden Aufgaben, aber auch das nötige Grundvertrauen. Ich bin bereit, meinen Beitrag zu leisten, dass sich Landeskirche gut präsentieren kann.»