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Kirche

Konzept für Gesprächssynode in Auftrag gegeben

29.06.2016
THURGAU. Die Evangelische Synode lässt ein Konzept für eine Gesprächssynode erarbeiten. Ob zum Reformationsjubiläum im Jahr 2017 eine Gesprächssynode zur Zukunft der Thurgauer Kirche stattfindet, wird im November entschieden. Der Rechnungsgewinn soll nicht für Einlagen in den Mitfinanzierungsfonds und zusätzliche Abschreibungen verwendet werden.

Von Brunhilde Bergmann

Die Rechnung 2015 der Landeskirche schliesst aufgrund überraschend hoher Steuereinnahmen und Minderausgaben durch unerwartete Stellenvakanzen mit einem Überschuss von 450‘000 Franken deutlich besser ab als erwartet. Dies bei einem Aufwand von 5,6 Mio und Ertrag von 6,05 Mio. Zu reden gab einzig die Verwendung des Rechnungsvorschlags. So lehnte die Synode zwei Anträge des Kirchenrats ab. Knapp abgelehnt wurde eine zusätzliche Abschreibung in Höhe von 80 000 Franken für das Berner Haus und deutlich eine Aufstockung des Mitfinanzierungsfonds. Im Sinne der Transparenz sollen solche Einlagen über das ordentliche Budget laufen. Vom Gewinn gehen - wie vom Kirchenrat beantragt - je 20‘000 Franken in die Kompetenzsumme des Kirchenrats und in die Hilfskasse der Evangelischen Landeskirche. Mit 50‘000 Franken werden die Jubiläumsaktivitäten 2017 bis 2020 vorfinanziert. 360‘000 Franken werden dem Eigenkapital zugewiesen.

Standortbestimmung

Der Jahresbericht gibt Rechenschaft über das Geleistete und dient auch zur Standortbestimmung, er wurde eingehend behandelt und genehmigt. Der Bericht sei informativ und lese sich spannend wie ein Roman, lobte Anneliese Klarer aus Amriswil. Pfarrer Andreas Gäumann, Steckborn, Präsident der Geschäftsprüfungskommission GPK, wünschte intensivere Kommunikation seitens des Kirchenrats mit den Kirchenvorsteherschaften, doch auf ansprechende und leichtfüssige Weise. Ein Anliegen, das von Bernhard Rieder, Frauenfeld, nicht geteilt wurde. Pfarrerin Gabrielle Weiss, Scherzingen-Bottighofen, gab zu bedenken, dass sich bei der Fokussierung auf eventartige Gottesdienstformen eine Schere öffnen könnte: «Der Glaube im Alltag dazwischen darf nicht vernachlässigt werden, er kann nicht durch Events ersetzt werden.»

«Ecclesia semper reformanda»

Solche und weitergehende Themen könnten Gegenstand einer Gesprächssynode im Reformationsjahr 2017 sein. Im Sinne einer stets zu reformierenden Kirche, regte das Synode-Büro eine Gesprächssynode an. Die Synode bestimmte eine neunköpfige Arbeitsgruppe und beauftragte sie, ein Konzept für eine Gesprächssynode auszuarbeiten. Über die Zielsetzung, Thematik, Arbeitsweise und Kosten, soll die Novembersynode abstimmen. Die Kantonalkirche soll mit einer Vision unterwegs sein. Dazu soll am Anfang eines längeren Prozesses die Gesprächssynode stehen, als Voraussetzung für eine zukunftsweisende und breit abgestützte synodale Arbeit. Thomas Pfister, Amriswil, und Pfarrer Harald Ratheiser, Arbon, beantragten Rückweisung: Die strategische Federführung liege bei der Exekutive. Susanne Dschulnigg, Kreuzlingen, konterte: «Die Synode trägt Verantwortung für das Leben der Landeskirche, ich will mir das Recht nicht nehmen lassen dafür Visionen zu formulieren und die Anliegen der Kirchgemeinden über die Synodalen einfliessen zu lassen.» Pfarrer Paul Wellauer, Bischofszell, erachtet es als wichtig, im Reformationsjahr auf allen Ebenen zu schauen, was es bedeutet reformierte Kirche zu sein und sich auf allen Ebenen einzubringen. Der neunköpfigen Arbeitsgruppe gehören Susanne Dschulnigg, Kreuzlingen; Pfarrer Paul Wellauer, Bischofszell; Diakon Hanspeter Rissi, Kreuzlingen; Hans Peter Niederhäuser, Weinfelden; Roland Ziegler, Matzingen; Susanna Müller, Leutmerken; Elisabeth Brunner, Langrickenbach; Synodepräsident Jakob Bösch, Eschlikon und Bernadette Oberholzer vom tecum an.

OeME-Motion nicht erheblich

Die von Hans Peter Niederhäuser und zehn Mitunterzeichnenden eingereichte Motion auf Schaffung einer Fachstelle OeME wurde auf Antrag des Kirchenrats für nicht erheblich erklärt. Die Motionäre wollten den Kirchenrat verpflichten, der Synode Bericht und Antrag auf Schaffung einer landeskirchlichen OeME-Fachstelle vorzulegen. Die OeME-Stelle sollte die Kirchgemeinden in Fragen der Ökumene, Mission, Entwicklungszusammenarbeit, interreligiösem Zusammenleben und Solidarität mit bedrängten Kirchen beraten, motivieren und befähigen. Sonst seien die lokalen Beauftragten kaum in der Lage, von der wertvollen Vernetzung unter den Kantonalkirchen zu profitieren. Die Motion wollte bewirken, dass die Landeskirche das OeME Anliegen aktiv in die Gemeinden hineinträgt und statt der momentanen «Komm-Struktur», die kaum genutzt wird, eine „Geh-Struktur“ aufbaut.

Vor allem auch in Zusammenhang mit der Kostenfrage, erachtet der Kirchenrat das fehlende Bedürfnis der Kirchgemeinden an Beratung und Begleitung als wichtiges Kriterium, auf eine eigene Fachstelle für die Bereiche Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit zu verzichten. Mit Blick auf die Neuausrichtung der Fachstelle Diakonie und Umgestaltung der noch vakanten 50 Stellenprozente der Diakoniestelle erklärte Kirchenratspräsident Pfarrer Wilfried Bührer in der Debatte der Synode: «Wir sind nicht aus der Pflicht, wenn Sie die Motion nicht für erheblich erklären.» Der Kirchenrat will erst abwarten, ob die angelaufenen Hearings in den Kirchgemeinden oder eine Gesprächssynode diesbezüglich neue Erkenntnisse bringen und will sich nicht vorzeitig binden lassen. Es könnten durchaus auch noch einige Anliegen der Motionäre berücksichtigt werden. 

Gestiegene Anforderungen bei Diakonats-Ausbildung

In der überarbeiteten Entschädigungsverordnung legt die Synode fest, dass Kirchgemeinden, die für berufsbegleitend Studierende am TDS Aarau Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, dafür die Hälfte des AHV-pflichtigen Lohns, maximal aber 1‘200 Franken pro Monat (Fr. 15‘600.- pro Jahr; 13 x Fr. 1‘200.-), von der Landeskirche rückerstattet bekommen. Wer sich für das berufsbegleitende Studium zur Ausbildung «Sozialdiakonie mit Gemeindeanimation HF» entscheidet, ist für vier Jahre in fester Teilzeitanstellung bei einer Kirchgemeinde. Diakon Hanspeter Rissi, Kreuzlingen, regte an, dass die Landeskirche im Sinne der Kontinuität die Ausbildungsstellen der Kirchgemeinden koordiniert.

Fanatismus und Homosexualität

Pfarrer Peter Kuster, Lustdorf, zeigte sich von der Antwort des Kirchenrats auf seine Interpellation zum Thema «landeskirchliches Bibelverständnis im Umgang mit Fundamentalismus und Homosexualität» nicht befriedigt. Der Kirchenrat warnte davor, das Thema Homosexualität zu einem Thema zu machen, dass die Kirchen spaltet und bei jenen, die eine andere Position vertreten, theologischen Nachholbedarf zu diagnostizieren. Peter Kuster begründete seinen Verzicht auf Diskussion mit emotional und unsachlich gehaltenen Voten in der Vorsynode: «Nach dieser Erfahrung, bin ich davon überzeugt, dass die Auseinandersetzung über so heiklen Themen besser in einer Arbeitsgruppe aufgehoben ist als in der Synode.» Die Interpellation nimmt Bezug auf Vorkommnisse bei der Wahl eines Pfarrers in den Kirchgemeinden Dussnang und Bichelsee wegen dessen Homosexualität. Mehrere Synodale unterschrieben Kusters Brief an den betreffenden Pfarrer. Sie distanzierten sich von jeder aus ihrer Sicht selbstherrlichen und missbräuchlichen Bibelauslegung: «Es tut uns leid, dass Sie in Zusammenhang mit der Wahl in Bichelsee und Dussnang in einer für uns nicht akzeptablen Weise verletzt worden sind.»

Ersatz- und Erneuerungswahlen

An Stelle der beiden zurückgetretenen GPK-Mitglieder Dr. Johannes von Heyl und Gerda Schärer wurden Michael Raduner aus Horn und Brigitte Hascher aus Hüttlingen in die GPK gewählt.

Drei bei den Erneuerungswahlen vom 30. November 2015 vakant gebliebene Sitze konnten jetzt besetzt werden. Walter Berger aus Sulgen komplettiert die Rekurs- und Beschwerdekommission der Landeskirche, David Ackermann aus Egnach und Markus Kuhn aus Steckborn wurden als Ersatzpersonen in die Ombudsstelle gewählt.

Pfr. Gerrit Saamer aus Neukirch-Egnach ging im Synodegottesdienst in der Stadtkirche in Frauenfeld auf den 1. Korintherbrief ein. Es sei Aufgabe der Christen, die Welt mit der Versöhnungskraft anzustecken.