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Kirche

Letzte Hilfe beim Sterben

Kaum ausgeschrieben – schon ausgebucht. Die Letzte Hilfe-Kurse der reformierten Zürcher Landeskirche sind ein Grosserfolg. Und sie werden in immer mehr Regionen der Schweiz exportiert.

«Als wir im Juni 2017 den ersten Kurs anboten, ahnten wir noch nicht, wie gross die Nachfrage sein würde», sagt Matthias Fischer, Beauftragter für Palliative Care bei der Zürcher Landeskirche. Zusammen mit seiner Kollegin Eva Niedermann, Pflegefachfrau mit einer Masterausbildung in Palliative Care und bei der Kirche für den Bereich Alter und Generationen zuständig, hat er das Angebot lanciert. 36 Kurse wurden seither im Kanton Zürich durchgeführt. Und die Idee fand rasch Anklang bei anderen Kantonalkirchen. Inzwischen haben schweizweit 840 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Letzte-Hilfe-Kurs besucht. Bald schon gab es das Angebot im Graubünden, es folgten der Aargau, die beiden Basel und Bern.

Wichtiger Austausch
Entwickelt wurde das Format vom deutschen Palliativmediziner Georg Bollig in Zusammenarbeit mit Andreas Heller, dem Lehrstuhlinhaber für Palliative Care in Wien. Die reformierte Zürcher Kirche hat die Lizenz für die Kurse in der Schweiz erworben. Der Letzte-Hilfe-Kurs will analog zum Erste-Hilfe-Kurs eine Art Einmaleins der Sterbebegleitung vermitteln. In den vier bis sechs Stunden geht es aber nicht nur um Wissensvermittlung. Auch der Austausch unter den Teilnehmern mit ihren Erfahrungen und Erwartungen nimmt einen wichtigen Platz ein.

Breit getragen
Angesichts der grossen Nachfrage bilden Eva Niedermann und Matthias Fischer immer neue Kursleiter und Kursleiterinnen aus. So wie kürzlich 30 Personen in Bern. Nach einem erfolgreichen Pilotkurs im letzten Dezember soll die Letzte Hilfe-nun im ganzen Kanton Bern angeboten werden. «Wir brauchen für jede der sechs Spitalregionen genug Leiterinnen und Leiter», sagt Pascal Mösli, Beauftragter für Palliative Care der reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn. Er ist überzeugt, dass die Nachfrage gross sein wird: «Mit den drei Landeskirchen, der Spitex und dem Palliativzentrum des Inselspitals verfügen wir über eine starke Trägerschaft», so Mösli.

Von den Entwicklern des Formats ist vorgegeben, dass die Kurse stets von zwei Personen gemeinsam geleitet werden. Diese Tandems setzen sich in Bern aus einer Fachperson der Spitex mit Palliative-Care-Wissen und jemandem aus der Seelsorge oder Diakonie mit Erfahrung in der Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen zusammen. «Wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit mit der Spitex, denn sie ist für unser Engagement im Bereich Palliativpflege zentral», so Mösli.

Breiter Austausch
Inzwischen hat das Angebot auch die Westschweiz erreicht. Die Waadtländer Sektion der schweizerischen Gesellschaft für Palliative Care hat die Kursunterlagen ins Französische übersetzt. Auch in der Region Basel werden die Letzte-Hilfe-Kurse von einer Sektion der Gesellschaft organisiert. «Wir arbeiten dabei eng mit den Beauftragten für Palliative Care der Kirchen zusammen», sagt Ruth Madörin von «palliativ bs + bl». Vier Kurse wurden bisher durchgeführt, ein fünfter steht bevor. Die Pflegefachfrau ist vom Konzept überzeugt: «Im Kurs geht es auch darum, zu erfahren, wo man sich Hilfe holen kann und wie man die eigenen Grenzen erkennt», so Madörin.

Neu auch für Kinder
Die Erfolgsgeschichte soll weitergeschrieben werden. Vor kurzem haben sich Niedermann und Fischer in Hamburg für ein neues Kursformat ausbilden lassen. «Letzte Hilfe für Kids» richtet sich an Kinder und Jugendliche und will weiter dazu beitragen, das Sterben und den Tod aus der Tabuzone zurück in die Mitte der Gesellschaft zu holen. «Für Schulen und vor allem für den Konfirmationsunterricht ist das sehr spannend», ist Fischer überzeugt. Wann der erste Kurs stattfindet, ist noch unklar. Denn im Moment sind die beiden Verantwortlichen in der Zürcher Landeskirche mit weiteren organisatorischen Fragen befasst. Fischer erklärt: «Inzwischen sind so viele Partner am Kursangebot beteiligt, dass wir eine gemeinsame Organisationsform finden müssen.»

Christa Amstutz, reformiert.info, 29. Mai 2019


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