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Dürfen Jugendlager missionarisch sein?

Kirchliche Kinder- und Jugendlager und die damit verbundenen Erlebnisse und Erfahrungen prägen die persönliche Entwicklung von jungen Menschen. Dürfen und sollen von der Kirche verantwortete Lager missionarisch sein?

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Die gelebten Formen des christlichen Glaubens gehören – in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen – zu den meisten Kinder- und Jugendlagern, die von den Kirchgemeinden der Thurgauer Landeskirche angeboten werden. Da gibt es Angebote, die gezielt den persönlichen Glauben der Kinder und Jugendlichen ansprechen und andere, die mehr oder weniger intensiv alltägliche Formen des kirchlichen Lebens wie gottesdienstliche Feiern oder das Gebet vor dem Essen pflegen. Beliebt sind Kinderbibelwochen. Zum Lagererlebnis gehören immer auch gemeinsame Unternehmungen oder Bewegung und Sport. Die Aktivitäten sollen Kindern und Jugendlichen ein Gemeinschaftserlebnis ermöglichen.

Im Jahr 2017 hatte das Bundesamt für Sport (BASPO) mit der Einstellung der finanziellen Unterstützung der sportlichen Aktivitäten in Jugendlagern von christlichen und kirchlichen Jugendlagern eine Kontroverse ausgelöst. Die Gelder wurden vorübergehend gestrichen, weil der Bund sich auf den Standpunkt stellte, dass die Anbieter der Jugendlager, die mit Jugend+Sport-Geldern (J+S) unterstützt werden, keinen religiösen Einfluss auf die Lagerteilnehmerinnen und -teilnehmer ausüben dürften. Die christlichen Jugendverbände setzten sich gegen den Beitragsentzug zur Wehr. Sie fanden sich in der Charta christlicher Kinder- und Jugendarbeit (CcKJ) zusammen und erklärten im Juni 2017 das Wesen ihrer Arbeit auf der Grundlage des christlichen Glaubens.

In der Vernehmlassung zu den J+S-Geldern meldete sich auch der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK zu Wort und wies die pauschale Auffassung des Bundesamtes für Sport (BASPO) zurück, dass Jugendorganisationen mit starker religiöser Ausprägung eine Gefahr für die Entwicklung der Jugendlichen darstellten. Pfarrer Gottfried Locher, Präsident des Rates SEK, wird im Zusammenhang mit der Vernehmlassung in einer Medienmitteilung des SEK so zitiert: «Der christliche Glaube ist Garant, nicht Gefahr für die Mündigkeit. Jedes Kind, jeder Jugendliche stellt religiöse Fragen. Sie sind unerlässlich für eine aufgeklärte Entfaltung und Entwicklung.»

Die Redaktion hat zwei Leitende von kirchlichen Kinder- und Jugendlagern gefragt, ob und inwiefern sie ihr Ferien- und Freizeitangebot «missionarisch» verstehen. Ihre Antworten finden Sie weiter unten. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, können Sie das gerne über die Kommentar-Funktion tun.


(23. August 2019, Text: Ernst Ritzi, Bild: pd)



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