Logo
Evangelisation – was ist so schwierig daran?

«Wenn Mission und Evangelisation nicht Sache der ganzen Kirche ist oder wird, dann ist etwas mit dem Herzschlag der Kirche nicht in Ordnung», sagte der Tübinger Theologe Eberhard Jüngel 1999. Warum tut sich die Kirche mit der Evangelisation manchmal trotzdem schwer?

→ Diskutieren Sie am Ende dieses Artikels mit!

Theo Lehmann nennt sich Evangelist. Der promovierte Theologe und Pfarrer war
von 1964 bis 1976 Pfarrer in Chemnitz, damals Karl-Marx-Stadt. Danach war er
22 Jahre lang Evangelist der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Seine
monatlichen Sonntagabendgottesdienste in der Schlosskirche in der damaligen
Karl-Marx-Stadt waren von bis zu 5000 Jugendlichen besucht. Er wurde von der
DDR bei der Verkündigung des Evangeliums überwacht, bespitzelt, und drangsaliert,
liess sich aber nicht von seinem Predigtdienst und von seiner Kritik am kommunistischen
Regime abhalten. Die Kirchgemeinden des Bezirks Diessenhofen haben Theo
Lehmann für den 28. bis 30. September zu mehreren Veranstaltungen eingeladen.


Evangelisation als Aufgabe
Evangelisation ist ein Begriff und eine Veranstaltungsform, mit der sich evangelischreformierte
Landeskirchen in der Schweiz eher schwertun. In der sächsischen Landeskirche
ist die Aufgabe der Evangelisation auch nach der Wende von 1989 präsent.
Als Evangelist der sächsischen Landeskirche hat Theo Lehmann in der Zwischenzeit
einen Nachfolger, und in aktuellen Stellenausschreibungen in der sächsischen
Landeskirche wird – vor allem bei kirchlichen Jugendarbeitern – bei den Aufgaben
auch die Evangelisation genannt.


«Christsein als bewusste Option anbieten»
So fremd müsste der Begriff Evangelisation für die Landeskirchen in der Schweiz
aber nicht sein. Unter dem Titel «Evangelisch evangelisieren – Perspektiven für Kirchen
in Europa» hat die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (Geke) im
Jahr 2006 ein Dokument herausgegeben, in dem sich die Kirchen dazu bekennen,
dass es angesichts der zunehmenden Säkularisierung und Entkirchlichung in Europa
zu ihren Aufgaben gehört, das Evangelium in Wort und Tat zu verkündigen:
«Weil das Wählen müssen zum Normalfall geworden ist, brauchen auch die evangelischen
Kirchen keine Scheu zu haben, Christsein als bewusste Option anzubieten.»
Die Redaktion des Kirchenboten hat ein Pfarrerinnenteam und einen Pfarrer gefragt,
wie sie zum Begriff Evangelisation stehen.



Von Gottfried Spieth erfasst am 19.10 2018 00:24

Evangelisation

Evangelisation bedeutet, dass wir aus dem träge dahinfliessenden Strom unseres gewöhnlichen Daseins herausgefischt werden - und einen innerlich lebendigen Glauben finden. Ich halte Evangelisation für notwendig, weil dadurch ein Gegenakzent gesetzt wird: weg von einer allzu engen Verflechtung mit Jedermann. Wir werden herausgerissen aus dem normalen bürgerlichen und gesellschaftlichen Leben. Wir machen nicht mehr so übertrieben viele Kompromisse mit dem Zeitgeist. Wir nehmen nicht mehr allzu viel Rücksicht auf das, was "man" tut und denkt. Evangelisation ist eine Neubesinnung auf das Wesentliche. Sie stellt uns in den Horizont der Ewigkeit. Sie verdeutlicht, dass unser jetziges Leben erst der Anfang zu etwas viel Größeren ist. Durch Evangelisation werden wir neugierig gemacht auf die Zukunft, die sich dann einst auf einer viel höheren Ebene abspielt. DAS ist das spannende, ja abenteuerliche Element, das Evangelisation mit sich bringt. Haben wir Mut dazu in unseren Thurgauer Gemeinden!

Von Gottfried Spieth erfasst am 22.10 2018 19:10

Evangelisation

Als erstes frage ich mich, wo die erste Fassung meines Diskussionbeitrags geblieben ist, den ich am vergangenen Freitag oder Samstag an dieser Stelle online geliefert habe. Ich hatte davon geschrieben, dass Evangelisation nach meiner Überzeugung einen positiven und einen negativen Aspekt beinhaltet. Beide Aspekte sind notwendig. Positiv daran ist, dass wir aufgeweckt werden aus der Durchschnittlichkeit unseres Daseins. Sind wir bisher stromlininen- und gleitförmig dahingeglitten wie in einem Fluss, wird das nun jäh unterbrochen. Wir steigen aus und treten ans andere Ufer. Dort werden wir erst richtig wach. Wir sehen, was wirklich zählt in dieser Zeit, und vor allem: über diese Zeit hinaus. Vorher, als wir noch mit dem Strom geschwommen sind, waren wir noch ganz gut drauf. Meistens war das so. Aber wie war es im Hinblick auf die Zukunft? Da baute sich ein drohendes Szenario auf. Da drohte eine schwerwiegende Verlusterfahrung. Unser künftiges Leben in der anderen Welt - das war in Frage gestellt. Wir mussten befürchten, es zu verlieren. Deshalb haben wir den Rettungsring ergriffen, der uns zugeworfen wurde. Wir traten ans rettende Ufer. Und sind damit auf der sicheren Seite. Und das hat seinen Preis. Damit sind wir beim negativen Aspekt der Evangelisation: Sie versetzt uns in einen Gegensatz zu dem, was "man" tut, also was die Gesellschaft für richtig hält, und was dem angenehmen Geist unserer Zeit entspricht. Evangelisation reisst uns heraus aus den freundlichen Denkschablonen, die von den tonangebenden Gruppen und Kreisen vorgegeben werden. Denn das Evangelium steht quer zu dem, was üblich und gewöhnlich ist, auch quer zu dem, was fortschrittlich und moralisch hochwertig erscheint. Das Evangelium wurde zunächst von Jesus von Nazareth erzählt. Er wollte die Leute auf den Ernst des Lebens hinweisen. Seither wird es von unzähligen Männern und Frauen verbreitet. Sie tun das in der Absicht, uns von unserem bürgerlich angepassten Leben zu befreien. Früher haben wir uns daran orientiert, was unser Umfeld meint und sagt. Und haben uns darin ganz schön wohlgefühlt - wie der Fisch im Wasser. Das ändert sich jetzt. Wer das Evangelium hört und ihm folgt, der wird einsam. Der verliert Freunde und Weggefährten. Der gewinnt neue Kontakte und Verbindungen, aber erst mit der Zeit. Dann aber wird es immer besser. Und das Grösste steht erst noch bevor. Dieser Weg wird kein leichter sein. Dieser Weg ist steinig und schwer. Nicht mit vielen wirst du dir einig sein. Doch dieses Leben bietet so viel mehr (Xavier Naidoo).

Von Hans Philipp Geyl erfasst am 08.11 2018 11:25

Evangelisation

Evangelisation in der Kirche gehört zu ihrem ureigensten Auftrag. Biblisch, erwecklich, seelsorgerlich, - so können wir die drei Hauptkomponenten der Verkündigung beschreiben. Unsere Reformatoren haben die Bibelpredigt wiederentdeckt. Sie proklamierten die frohe Botschaft, die gute Nachricht mit Vollmacht, ganz im Sinn von Jesus. Die Versammlung der Gemeinde am Sonntag hat auch immer die nichtglaubende Welt im Blick. Wie wir dies in der Apostelgeschichte lesen und wie es Paulus ruft: ‘Lasst euch versöhnen mit Gott.’ So gelangen unsere Gemeindeglieder zur Gewissheit des Heils. Dies ist auch, wie vieles andere, ein ganz wertvolles und äusserst wichtiges Erbe der Reformation. Wir haben die erweckliche, zum Glauben rufende und im Glauben stärkende Verkündigung sehr nötig!

Kommentar erstellen
Kinderseite

Der Kirchenbote bietet auch den Kleinen die Gelegenheit, Religion näher kennenzulernen. Auf der Kinderseite erfahren Mädchen und Buben auf spielerische Art mehr über die Bibel und haben die Chance, beim Rätsel-Wettbewerb einen tollen Preis zu gewinnen.

Kiki.ch

Zur Kinderseite