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Geschlechtergerechte Sprache

Geschlechtergerechte Sprache ist anspruchsvoll, aber auch kreativ und vielfältig. Der SEK hat kürzlich eine Broschüre zur geschlechtergerechten Sprache herausgegeben. Ist das sinnvoll?

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Mit dem Titel «Gleichgestellt in Wort und Bild» hat der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK anfangs Mai eine Broschüre zur geschlechtergerechten Sprache für die Kirchen herausgegeben. Der Leitfaden des SEK soll den Mitarbeitenden der Kirche eine Hilfestellung bei der täglichen Arbeit sein. In seinem Geleitwort fordert SEK-Ratspräsident Gottfried Locher alle kirchlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dazu auf, den Leitfaden für eine gendergerechte Sprache in ihrer täglichen Arbeit zu «beherzigen» und damit für die Gleichstellung von Frau und Mann auch in der Sprache einzustehen.

Beispiele aus dem kirchlichen Umfeld
Die Broschüre gibt anhand von Beispielen aus dem kirchlichen Umfeld Empfehlungen für einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch. Angesprochen werden unter anderem Regeln wie die ausdrückliche Erwähnung von Männern und Frauen, das Vermeiden von geschlechtsspezifischen Pronomen oder die korrekte Verwendung des Plurals. Ziel sei es gewesen, Sprachvarianten zu finden, die Frau und Mann gleichstellten und dennoch nicht schwerfällig wirkten. Am weitesten geht dabei die Empfehlung mit den Schreibweisen «Student_in» oder «Student*in», die darauf hinweisen, dass es «mehr als zwei Geschlechter» gebe. Dazu wird die Anmerkung gemacht, die neuen Schreibweisen seien «je nach Zielpublikum» zu benutzen.

Stereotype Rollenbilder vermeiden
Weiter weist die Broschüre auch auf den geschlechtergerechten Gebrauch von Bildern hin. Denn auch Bilder – zum Beispiel auf Flyern, Plakaten oder bei Präsentationen – könnten stereotype Rollenvorstellungen zementieren. So würden Frauen häufig beim Kirchenkaffee gezeigt, während Männer in einer Sitzung abgebildet würden. Alternativ könne man einmal einen Vater mit Kindern oder einen Mann an einem Krankenbett abbilden, rät der Kirchenbund. Die Redaktion des Kirchenboten hat eine Frau und einen Mann, die durch ihren Beruf im Umgang mit Sprache vertraut und in unserer Thurgauer Kirche engagiert sind, gefragt, wie sie den geschlechtergerechten Umgang mit der Sprache in der Kirche erleben und was sie von der Broschüre des SEK halten. Die Broschüre «Gleichgestellt in Wort und Bild» kann auf der Webseite des Kirchenbundes heruntergeladen werden (www.kirchenbund.ch).


(20. Juli, Text: Ernst Ritzi, Bild: fotolia.com)



Von Bruno Naumann erfasst am 14.08 2018 15:08

Sprachreform

Der Satz in der Einleitung, beginnend mit «Es genügt nicht ...» reizt zum Widerspruch. Leider finde ich in den beiden Kommentaren nicht den geringsten Ansatz zur Kritik. Um es vorwegzunehmen: Ich bin seit jeher für die Gleichbehandlung aller Geschlechter. Aber diese Gender-Renovation der deutschen Sprache hat für mich mehr den Anstrich einer Vergewaltigung als den eines Fortschritts. – – Schauen wir zuerst auf die rein sprachlichen Aspekte. Was sind denn die Alternativen zum obigen verpönten Gleichstellungssatz? Neutrale Bezeichnungen sind relativ selten, wirken oft gekünstelt, besonders wenn man dazu das Partizip Präsens bemüht (z.B. Studierende). Aufzählungen sind zwar nicht elegant aber an gewissen Stellen (z.B. bei Anreden) durchaus sinnvoll. Sie stossen aber an ihre Grenzen, wenn Artikel, Possessivpronomen oder Adjektive mitbetroffen sind. – – Alle anderen Schreibformen (*, _, Binnen-I, Schräg- und Bindestriche) widersprechen grundsätzlich den Schriftregeln in Deutsch. Wie lächerlich das für mich aussieht, können Sie vielleicht nachvollziehen, wenn Sie versuchen, einen solchen Text vorzulesen. Ich möchte mal ein Hörbuch eines geschlechterneutralen Romans – nur auszugsweise – mit anhören. Ausserdem stösst der Versuch einer genderneutralen Sprache gerade beim Deutsch schnell mal an seine Grenzen. Und wenn eine Reform wie diese auf halbem Weg stecken bleibt, wirkt sie mehr wie eine fragwürdige Zwängerei als ein Fortschritt. Neben den nicht allzu seltenen Fällen, wo entweder die weibliche oder männliche Form einfach fehlt (Mannschaft, Hebamme) noch ein kleiner Gedankenanstoss: Besonders häufig hat man es mit Berufsbezeichnungen zu tun. Wenn also z.B. eine Druckerin ihren Lehrabschluss besteht, hat sie dann die Druckerprüfung gemacht? Oder eher die Druckerinnenprüfung – und nur die Drucker machen die Druckerprüfung? Von Gleichstellung also keine Spur! – – Noch einige Gedanken weg vom rein Sprachlichen zum Inhaltlichen der Gleichbehandlung. Nach meiner Meinung gehört diese Sprachreform – abgesehen von den hohen Kosten, die sie in allen Verwaltungsebenen und bei vielen Firmen gekostet hat und die wir alle mitbezahlen – in die Kategorie von «Sack und Esel». Hat sich denn durch die Änderung der Sprache irgendetwas an der Stellung der Frau in Gesellschaft und Beruf verbessert? – – Gerade in der Wirtschaft geht es letztlich immer um Geld. In der Politlandschaft sind seit jeher unter der Rubrik «Soziales» Verbesserungsvorschläge eingebracht und oft auch verwirklicht worden. Leider aber haben die Initianten sehr oft in der Praxis das Gegenteil erreicht, weil sie den ersten Satz dieses Absatzes offenbar ignorieren. Beispiele: Wenn sie den Mieterschutz fördern, werden die Vermieter sehr viel vorsichtiger bei der Vermietung und sehr viel fordernder beim Depot. Und zudem gehen die Investitionen in Mietliegenschaften zurück, was nach einiger Zeit wegen Wohnungsmangel zu Mietpreissteigerungen führt. Wenn der Kündigungsschutz ausgebaut wird, werden seltener Leute mit unbefristeten Verträgen angestellt. – – Wenn der Schwangerschaftsschutz ausgebaut wird, verschlechtern sich die Anstellungschancen von Frauen im gebärfähigen Alter. Nicht, dass ich gegen solche Sozialanliegen wäre, aber wenn sie für die Wirtschaft nicht kostenneutral gestaltet werden, kommt unweigerlich der Bumerang. – – Zum Schluss noch eine Bemerkung zu Ihrem eigentlichen Betätigungsfeld. Wenn Sie schon so vehement dafür sind, in der Kirchgemeinde unbedingt geschlechterneutral zu werden, warum schreiben Sie dann nicht die Bibel (oder wenigstens das NT und die Kirchenlieder) entsprechend um. Der Hinweis von Frau Schärer auf die Briefanrede von Paulus als Beweis von geschlechterneutral ist doch recht naiv. Warum heisst es denn «Gott», «Herrgott» und «Herr»? Das ist doch ein alter Zopf einer patriarchalischen Gesellschaft, den es dringend auszumerzen gilt. Und dabei steht noch nicht mal in einer Einleitung, dass die männliche Form auch für die weibliche mitgemeint ist. Also her mit der «Göttin», der «Fraugott» und der «Herrin». Oder als Kompromissvorschlag «Gottheit». – – Könnte es sein, dass Sie dieser Vorschlag ebenso wenig überzeugt, wie mich die ganze feministische Sprachreform?

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