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Voll Geld oder voll Geist?

Hat die Vollgeld-Initiative, die am 10. Juni zur Abstimmung gelangt, etwas mit christlichen Werten zu tun? Experten sind geteilter Meinung. Auf jeden Fall zeigt sie aber exemplarisch auf, dass das Thema «Geld und Geist» derzeit omnipräsent ist. 

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Vereinfacht gesagt, will die Vollgeld-Initiative bezwecken, dass nur noch die Schweizerische Nationalbank (SNB) Geld schöpfen kann. Diese stellt aber nur das Bargeld her. Daneben gibt es Buchgeld, das Geschäftsbanken bei der Vergabe von Krediten schaffen. Die Vollgeld-Initiative sieht vor, dass solches elektronisches Geld nur durch die SNB geschaffen und von ihr vollumfänglich gedeckt sein muss – daher der Begriff Vollgeld.

In Bern findet unter der Schirmherrschaft der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn am 7. Juni in der Eventserie «Geld und Geist» ein Streitgespräch rund um die Vollgeld-Initiative statt. Der Anlass zeigt, dass die Vollgeld-Initiative herausfordert, die christliche Verantwortung zu bedenken – selbst wenn hüben und drüben biblische Begründungen kaum herangezogen werden können.

Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, sagt als Argument gegen die Vollgeld-Initiative: «Das Vollgeldsystem kann Finanzblasen nicht verhindern, denn diese beruhen in erster Linie auf Fehleinschätzungen von Investoren.» Damit schliesst er ein, dass ein gewisses Mass an Gier für die Entwicklung von gefährlichen Spekulationen im Spiel ist – egal ob mit oder ohne Vollgeld. Die Befürworter auf der anderen Seite argumentieren aus christlicher Sicht mit dem Theologen Eugen Drewermann und zitieren aus dem zweiten Band seiner Publikation «Finanzkapitalismus – Kapital und Christentum»: «Keine höhere Aufgabe existiert im Schuldgeldsystem, als das Schuldgeld durch Kreditzahlung zu vernichten, eine unendliche Sklaverei.» Mit der Vollgeld-Initiative werde es «wieder so, wie ehrliche Leute es sich vorstellen.» Der Kirchenbote hat einen reformierten Thurgauer Unternehmer und den Medienbeauftragten der Vollgeld-Initiative befragt, ob dieser Vorlage auch christliche Argumente abgerungen werden können. 

(24. Mai 2018, Text: Roman Salzmann, Bild: fotolia.com)



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