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Was hat der Anstand in der Politik zu suchen?

Der neue amerikanische Präsident Joe Biden ist überzeugt davon, dass Anstand dazu beitragen kann, die Wunden in der amerikanischen Gesellschaft zu heilen. Wie hält es die Schweizer Politik mit dem Anstand?

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Mit Blick auf sein Land und seine Aufgabe spricht der neue amerikanische Präsident Joe Biden oft davon, dass es notwendig sei, dass die Politik wieder zu «Anstand» und «Respekt» finde. Nur so könnten die Wunden geheilt werden, die in den vier Jahren der Präsidentschaft von Donald Trump entstanden seien.

Gemeint sind der Stil und der Umgang mit anderen Meinungen
Wenn der Politiker Joe Biden das Wort «Anstand» verwendet, spricht er nicht in erster Linie die politischen Inhalte und Sachpositionen an, sondern den Stil und den Umgang mit anderen Meinungen und mit Kritik. Auch unabhängige Beobachter sind sich darin einig, dass Donald Trump durch seine verletzenden und Hass schürenden öffentlichen Aussagen die Gräben in der amerikanischen Gesellschaft vertieft hat. Dass er seine Wahlniederlage nie anerkannt hat und dass er seine Anhänger als amtierender Präsident dazu aufgehetzt hat, das Kapitol – den Sitz des Parlaments – zu stürmen, war der traurige und beängstigende Höhepunkt einer Präsidentschaft, welche die Menschen gegeneinander aufgebracht hat. Der neue Präsident Joe Biden spricht davon, dass «Heilung» nötig ist.

Christinnen und Christen sollen sich mit «Anstand» schmücken
Die amerikanische Politik pflegt ein anderes Vokabular. Nur selten nehmen Politikerinnen und Politiker in der Schweiz das Wort «Anstand» in den Mund. Im Zusammenhang der Asylpolitik wurden jene, die sich zusammen mit den «Linken» für eine freizügigere Haltung einsetzten, als die «Netten» beschimpft. «Anstand» kommt auch in der Bibel vor. Paulus schreibt im Brief an Timotheus (1. Tim 2,9), dass Christinnen und Christen sich mit Anstand schmücken sollen. Was sie unter «Anstand» in der politischen Auseinandersetzung verstehen, hat die Redaktion des Kirchenboten die beiden Thurgauer Nationalräte gefragt, die im Herbst 2019 neu ins eidgenössische Parlament gewählt worden sind.

 

(Text: Ernst Ritzi, Bild: pixabay.com)



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