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Was ist eine gute Predigt?

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK hat zum zweiten Mal einen Predigtpreis vergeben. Die Redaktion des Kirchenboten hat regelmässige Kirchenbesucher gefragt, wie eine Predigt sein muss, damit sie bei ihnen ankommt.

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Dass die Länge einer Predigt dazu führen kann, dass die Zuhörenden «abhängen», versteht sich von selbst. Das meint auch der Witz, der da heisst, dass eine Predigt «über alles» sein dürfe nur nicht über zehn Minuten (lang). Wer eine Predigt hält, tut gut daran, dieselben Regeln zu beherzigen, die auch Politikerinnen und Politiker beachten sollten, wenn sie eine Rede halten.

Was Rede und Predigt verbindet

In einem Aufsatz auf der Webseite der Deutschschweizerischen Liturgiekommission beschreibt der Zürcher Theologieprofessor Ralph Kunz, was Rede und Predigt verbindet: «Die hörbare Rede macht kurze Sätze. Und auch das Auge hört mit. Das Sprachliche wird unterstützt vom Sprecherischen. Eine Stimme spricht. Die Rede ist Klang. Wer redet, muss intonieren, Lautstärke regulieren, Pausen machen, Akzente setzen, sich und die Hörer atmen lassen. Zur Intonation kommt die Präsentation. Ein Redner oder eine Rednerin verkörpert das Wort und untermalt es mit Bewegungen, Haltungen, Gestik und Mimik.»

«Gegenwartsbezogene Auslegung der Heiligen Schrift»

Und trotzdem ist Ralph Kunz davon überzeugt, dass nicht jede gute Rede auch eine gute Predigt wäre. Dagegen sei eine gute Predigt in der Regel auch eine gute Rede. Die Thurgauer Kirchenordnung umschreibt die Predigt als «gegenwartsbezogene Auslegung der Heiligen Schrift». Ralph Kunz sieht die Predigt als Schriftauslegung aber weder als «Schulstunde» noch als «kultischen Selbstzweck». Die Predigt soll über die Feier des Gottesdienstes hinauswirken. Sie ist in den Augen von Ralph Kunz eine «Zurüstung» für den Gottesdienst im Alltag: «Erwartet wird das Evangelium, ein Wort, das den Glauben der Angefochtenen stärken, die Verzweifelten aufmuntern, die Trauernden trösten und eitle Sünder aufrütteln kann.» Bei der Beurteilung der Beiträge hat sich die Jury des Predigtwettbewerbs unter anderem gefragt, ob die Predigt eine theologische Dimension des Bibeltextes aufnimmt und wie der Bibeltext ins «Hier und Heute» übertragen wird. 

 

(er, 20.11.2017, Bild: fotolia.com)

 



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