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Was meinen Landwirte zu kirchlichen Argumenten?

In ihrer «Hilfestellung» für die Entscheidfindung zu den beiden Agrar-Initiativen nimmt die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) kein Blatt vor den Mund: Diese seien «mit zu vielen Problemen behaftet und polarisierend.»

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Am 13. Juni stimmt das Schweizer Stimmvolk über die beiden Volksinitiativen «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» (Pestizid-Initiative) und «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» (Trinkwasser-Initiative) ab. Der Rat der EKS hat zu den beiden Agrar-Initiativen und zum CO2-Gesetz ein Papier unter dem Titel «10 Fragen – 10 Antworten» herausgegeben (nachlesbar unter www.evang-tg.ch/eks13juni). Die EKS versteht das Papier als Hilfestellung für Christinnen und Christen in der Entscheidungsfindung. Wer dem Papier Abstimmungsempfehlungen entnehmen will, muss zum Schluss kommen, dass die EKS das CO2-Gesetz zur Annahme und die beiden Agrar-Initiativen zur Ablehnung empfiehlt.

EKS sieht beide Initiativen kritisch
Den beiden Agrar-Initiativen gesteht die EKS zu, dass sie zwar «in die richtige Richtung» gehen würden, dass sie aber mit Problemen behaftet seien. Beide Initiativen bezeichnet die EKS als «polarisierend», weil sie in einem Bereich, in dem Konsumgewohnheiten und Konsumverhalten eine grosse Rolle spielten, ausschliesslich bei der Produktion ansetzten. Dieses «Ungleichgewicht» werde bei der Trinkwasser-Initiative noch dadurch verstärkt, dass nur die Landwirtschaft behandelt und das heikle Instrument der Direktzahlungen als Hebel benützt werde – statt die Preise. Der Pestizid-Initiative gesteht die EKS zu, dass sie dieselben Massstäbe auch für Importe anwenden wolle und schiebt gleich nach: «Ein Importverbot für Produkte, die mit synthetischen Pestiziden erzeugt wurden, erscheint kaum vereinbar mit den derzeit geltenden Freihandelsbeziehungen der Schweiz (EU, WTO).»

Die Redaktion des Kirchenboten hat zwei praktizierende Landwirte, die zu den beiden Agrar-Initiativen unterschiedlicher Meinung sind, gebeten, zu den Argumenten der EKS Stellung zu nehmen.

 

(Ernst Ritzi, Bild: pixabax.com)



Von Marlène Högger, Dipl. Architektin FH, Baubiologin, Münchwilen TG erfasst am 08.06 2021 14:20

Ergänzung zur Pestizid- und Trinkwasser-Initiative

Bei diesen beiden Initiativen wird leider einseitig über die Landwirtschaft diskutiert, während weitere wichtige Faktoren ausgeblendet werden. Beispielsweise das Fischsterben in einem Bach im Zürcher Unterland, dessen Ursache man bei der angrenzenden Landwirtschaft vermutete. Jedoch anders als angenommen konnte das EAWAG (Amt für Gewässerschutz) nachweisen, dass das Fischsterben von einer naheliegenden Neubausiedlung ausgelöst wurde. Grund ist, dass durch die CO2 Reduktionsforderungen Alt- und Neubauten intensiv Wärme gedämmt werden müssen. Dies wird meist aus Kostengründen mit einem Kunststoff Fassadenaufbau gelöst. Und Kunststoff braucht einen Pestizidschutz, der wiederum durch den heutigen Starkregen schnell ausgewaschen wird und so in die Gewässer, unser Trinkwasser gelangt. Eine Alternative wäre ein mineralischer Fassadenaufbau der diesen Pestizidschutz nicht benötigt. CO2 Massnahmen an Gebäuden werden subventioniert. Auch Einfamilienhäuser sind in der heutigen Zeit eine fragwürdige Sache sowohl für die CO2 Reduktion wie für den Trinkwasserschutz. Grundsätzlich gilt: je weniger Landwirtschaft, desto mehr von diesen Bauten – da ist für die Umwelt gar nichts gewonnen.

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