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Wird sich unser Leben nach Corona verändern?

Im Corona-Notstand hat die Gesellschaft gezeigt, dass sie auf Konsum und auf Reisen verzichten kann, wenn eine ansteckende Krankheit unser Leben bedroht. Was ändert sich dauerhaft?

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Seit sechs Wochen hält die Coronavirus-Pandemie die Schweiz und die ganze Welt fest im Griff. Menschen leben im «social distancing», das öffentliche Leben und die Wirtschaft stehen still. Wer über 65 ist, gehört zur Risikogruppe. Auf der ganzen Welt haben staatliche Behörden einen «Lockdown» verordnet, weil sie befürchten, dass das Gesundheitswesen bei einer ungebremsten Verbreitung des Virus zusammenbrechen würde. Die Menschen bleiben konsequent zu Hause, weil sie fürchten, für sie könnte bei einer Erkrankung oder bei einem Notfall kein Platz mehr sein in den Spitälern. Die wirtschaftlichen Folgen des «Lockdown» dürften gravierend sein. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit sind bereits massiv gestiegen. Es ist ungewiss, wann das Leben wieder «normal» sein wird.

Wird Covid-19 unser Denken und Handeln nachhaltig beeinflussen? Ist die Solidarität mit den Menschen, die von der Krankheit besonders bedroht sind, von Dauer? Darf die junge Generation – wenn alles vorüber ist – auf die Solidarität der über 65-Jährigen zählen, wenn es um den Vaterschaftsurlaub ober um die langfristige Finanzierung der Altersvorsorge geht? Die weltweite Klimaerwärmung setzt das Leben der nächsten Generationen aufs Spiel. Sind wir bereit, das Ruder herumzureissen, auch wenn wir persönlich (noch) nicht direkt von den katastrophalen Folgen der Klimaerwärmung betroffen sind? Wir hören in diesen Covid-19-Tagen immer wieder, welche Berufe für unsere menschlichen Grundbedürfnisse systemrelevant sind. Warum finden sich das Gesundheitswesen und der Detailhandel in unserer Lohnhierarchie am unteren Ende?

Die Redaktion des Kirchenboten fragte einen Politiker und eine Journalistin, ob sie aufgrund der Corona-Pandemie Veränderungen im Verhalten der Menschen erwarten. Ihre Antworten finden Sie weiter unten. Zudem haben Sie per Kommentarfunktion die Möglichkeit, Ihre eigene Meinung mitzuteilen.


(Text: Ernst Ritzi, Bild: fotoART by Thommy Weiss / pixelio.de, 21. April 2020)

Corona und Covid-19: Das neue Coronavirus verursacht eine Krankheit, die im Dezember 2019 erstmals ausgebrochen ist und der die Weltgesundheitsorganisation den Namen Covid-19 gegeben hat; die Abkürzung steht für «Corona Virus Disease 2019» (zu Deutsch: Coronavirus-Krankheit 2019). (sal)



Von Peter Kiener erfasst am 06.05 2020 17:51

Wird sich das Leben nach Corona verändern?

Applaus und Forderungen nach besseren Anstellungsbedingungen für die neu definierten systemrelevanten Berufsgruppen genügt nicht und lässt sich mit Vorschlägen wie, Berufstätige und Rentner sollen einen Solidaritätsbeitrag leisten nicht zukunftsgerichtet finanzieren. Es bringt nichts, wenn für die Besserstellungen die Krankenkassenprämien und die Konsumentenpreise angehoben werden müssen. Um die Corona-Krise zu finanzieren muss unser Wirtschafts- und Finanzsystem nicht nur schweizweit, sondern weltweit überdacht werden. Haben wir noch das richtige System, wenn die Schweiz mit 1.5 Mia Franken Steuergelder eine ganze Fluggesellschaft mit mehreren Tausend Arbeitsplätzen retten kann. Auf der andern Seite steht der Amazon-Chef mit einem Vermögen von 100 Mia als Profiteur, der in dieser Zeit dank Wachstum im Onlinehandel und mit x-Tausend neuen, schlecht bezahlten Arbeitsplätzen sein Vermögen um 30 Mia vermehren konnte. Ein Blick auf die Schieflage der Vermögensverteilung reicht. 60% der Weltbevölkerung besitzen 2% am Weltvermögen, während 1% der Superreichen gegen 50% besitzen. In der Schweiz sieht es nicht besser aus. Mehr als 50% der Bevölkerung besitzen weniger als 2% des Gesamtvermögens, während 0.3% der Superreichen 30% besitzen. Manchmal lohnt sich ein Blick zurück in der Wirtschaftsgeschichte. Mit dem „New Deal“ der sich stark an die Wirtschaftstheorien von John Meynard Keynes orientierte, führte der damalige US-Präsident Roosevelt Amerika aus der Wirtschaftskrise, die vom damaligen „Geldadel“ verursacht wurde. Mit dem New Deal schaffte er die Grundlagen, dass es mit der Wirtschaft wieder aufwärts ging und später der zweite Weltkrieg und danach der Wiederaufbau von Europa finanziert werden konnte. Die hohen Einkommen und Vermögen wurden bis zu 90% besteuert. Mit den hohen Steuern wurde nicht nur dem maroden Staat auf die Beine geholfen, sondern der Transfer von „Oben nach Unten“ diente auch dazu, das unverschämte Geldverdienen und Anhäufen von Vermögen auf Kosten der Bevölkerungsmehrheit unattraktiv zu machen. Um die Nach-Corona-Zeit zu finanzieren sind genügend Theorien vorhanden, z.B. Thomas Piketty („Das Kapital“ oder „Kapital und Ideologie“). Leider fehlen nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit Persönlichkeiten in der Politik die dem „Volk“ erklären können, wie wir aus der „Corona-Falle“ herauskommen und danach ohne „wenn und aber“ die Klimadebatte wieder anstossen können. Solange Populisten und Milliardäre bei der Bevölkerungsmehrheit die 2% der Vermögen besitzen punkten können fehlt mir der Glaube, dass sich nach Corona viel ändern wird. Die Wirtschaft mit ihren bürgerlichen Adlaten in der Politik wird das Zepter wieder übernehmen. Es wird weiter gespart und Steuern optimiert werden. Das nächste Mal werden dann nicht die Masken fehlen, sondern Rettungsboote, weil uns infolge des Klimawandels das Wasser durch den steigenden Meeresspiegel bis zum Hals stehen wird.

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