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Das Lebensende im Fokus

Das Lebensende wirft Fragen auf. Der Kirchenbote versucht, Antworten zu geben – mithilfe von Statistiken, Expertenmeinungen und dem neuen Buch «Den Weg zu Ende gehen» der Evangelischen Landeskirche Thurgau.

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Bis wann ist das Leben lebenswert? Diese Frage möchten heute viele Menschen selber beantworten. Eindrücklich bringen das die beiden Kinofilme «Das Leuchten der Erinnerung» und «Ein ganzes halbes Jahr» zum Ausdruck. Sie erzählen die Lebensgeschichten von Menschen, die schwer erkrankt beziehungsweise verunfallt sind. In beiden Fällen entscheiden sich die Protagonisten, ihrem Leben vorzeitig ein Ende zu setzen.

Sterbehelferin verurteilt
Dass das Thema real und aktuell ist, lässt sich regelmässig in der Zeitung nachlesen. Vor einigen Wochen wurde die Ärztin und Sterbehelferin Erika Preisig vom Baselbieter Strafgericht wegen Widerhandlung gegen das Heilmittel- und das Gesundheitsgesetz verurteilt. Sie hatte einer Patientin den Sterbewunsch erfüllt, obwohl kein psychiatrisches Gutachten über die von anderen Experten stark angezweifelte Urteilsfähigkeit der Frau vorlag. Tatsächlich ist die Beihilfe zum Suizid unter bestimmten Umständen erlaubt. Doch auch wenn die vorausgesetzte Urteilsfähigkeit des Sterbewilligen ärztlich bestätigt ist, stellen sich Fragen: Ist der Sterbewunsch wirklich auf unerträgliche Schmerzen zurückzuführen? Oder ist er nicht vielmehr aus dem Gedanken heraus entstanden, der Gesellschaft nicht mehr zu genügen? Ist der Mensch also wirklich «selbst-bestimmt»?

Zahlen gehen erstmals zurück
Vonseiten der Ärzte regt sich vermehrt Widerstand. Mit ihren Gutachten und Medikationen entscheiden sie de facto, ob ein Mensch seinen Sterbewunsch umsetzen kann oder nicht. Sie befinden sich damit im Dilemma zwischen dem eigentlichen Auftrag, Leben zu erhalten und den Freitodabsichten. Die Problematik hat sich zusätzlich verschärft, indem die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften 2018 die Sterbehilfe von «unheilbaren Krankheiten » auf «unerträgliche Leiden» ausgedehnt hat. Der Drucksituation, solch heikle Situationen zu beurteilen, möchten sich manche Ärzte und Psychiater nicht aussetzen. So stellt die Basler Memory Clinic schon seit 2016 keine Gutachten zur Urteilsfähigkeit von Menschen mit Sterbewunsch mehr aus. Möglicherweise auch deshalb ist die Anzahl an assistierten Suiziden in der Schweiz nicht weiter angestiegen: Die aktuellsten Zahlen zeigen, dass sich die Anzahl Fälle von 965 im Jahr 2015 auf 928 Fälle im Jahr 2016 reduziert hat – das erste Mal seit Beginn der Statistik im Jahr 2003.

Lebenswert bis zum Schluss
Ein wichtiger Grund für den Rückgang dürfte auch der Ausbau der Palliative Care sein. Sie verfolgt den Ansatz, das Leben bis zum Schluss in möglichst hoher Lebensqualität gestalten zu können. Die Betreuung umfasst dabei sowohl medizinische, pflegerische, psychosoziale als auch spirituelle Aspekte. «Palliative Care hat – obwohl sie häufig mit dem Sterben assoziiert wird – vor allem mit Leben sowie mit Lebensqualität zu tun», betont Birgit Traichel, leitende Ärztin der Palliativstation am Kantonsspital Münsterlingen. Gerade im Thurgau habe sich diesbezüglich seit der Verabschiedung des Palliative Care-Konzepts vor zehn Jahren viel getan. Dabei spielten die Landeskirchen eine wichtige Rolle: einerseits durch die spirituelle Begleitung der Betroffenen und ihrer Angehörigen, andererseits durch Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehört auch das Buch «Den Weg zu Ende gehen». Lesen Sie mehr zum Thema in den nachfolgenden Artikeln. Per Kommentar-Funktion haben Sie zudem die Möglichkeit, mitzudiskutieren.


(23. August 2019, Text: Cyrill Rüegger, Bild: AdobeStock)



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