Einbringen statt konsumieren
Sie ist Mitglied einer Hausgemeinde, engagiert sich in der kirchlichen Jugendarbeit und gestaltet Gottesdienste mit. Dabei hat Stefanie Urscheler lange mit ihrem Glauben gerungen. Aufgewachsen in einem katholischen Haushalt an der Grenze zwischen den Kantonen St. Gallen und Thurgau, fühlte sie sich mit der Zeit von den vielen Regeln eingeschränkt. Als Jugendliche distanzierte sie sich deshalb vom Glauben.
Erst vor drei Jahren kam sie wieder mit ihm in Berührung: «Ich besuchte eine Bekannte, die als Auslandsmissionarin in Guinea tätig war. Mich faszinierte, dass sie ihr privilegiertes Leben in der Schweiz aufgegeben hatte, um in einem Umfeld voller Armut zu dienen.» Für sie sei sofort klar gewesen, dass dahinter ein höherer Sinn im Leben stehen muss. Tatsächlich fand sie so zum Glauben zurück – wenn auch mit Rückschlägen.
Stefanie Urscheler (rechts) engagiert sich auch in der kirchlichen Jugendarbeit. (Bild: zVg)
Ein Teil der Kirche sein
Heute engagiert sich die Waldkircherin Stefanie Urscheler in einer Hausgemeinde in der Region Wil (SG). Bei einem gemeinsamen Abendessen in der Woche werde ausgetauscht, in der Bibel gelesen und gebetet. Zudem gestaltet sie den «Lord’s Meeting»-Gottesdienst in der Evangelischen Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil mit und unterstützt die Jugendarbeit in Thal-Lutzenberg bei Bedarf. Ihr neustes Projekt: die Lancierung einer kleinen Gebetsgruppe.
Was treibt sie an? «Für mich wurde es wichtig, nicht nur in eine Kirche zu gehen und zu konsumieren, sondern wirklich ein Teil davon zu sein und meine Talente einzubringen», erklärt die Sozialpädagogin. Sie sei sowohl persönlich als auch geistlich daran gewachsen. Und sie habe erkannt: «Wir alle sind nicht perfekt, und es gibt keine perfekte Kirche. Doch erst wenn man mithilft, sieht man, was dahintersteckt und entwickelt ein besseres Verständnis füreinander.»
Konfession spielt keine Rolle
Ganz wichtig ist der jungen Ostschweizerin, dass ihr Engagement nicht auf einem Pflichtgefühl fusst, sondern auf Liebe basiert: «Lieben ist ein Tätigkeitswort», fügt Stefanie Urscheler schmunzelnd an. «Es beinhaltet nicht nur Wissen, sondern aktives Handeln.»
Die Konfession innerhalb der christlichen Kirche spielt für sie heute gar keine Rolle mehr. Diesen unkomplizierten Zugang zur Kirche erlebt sie auch im ökumenischen Gebetshaus Augsburg, wo sie derzeit eine begleitende Lebensschule besucht. Aber sie hat noch mehr vor und startet im Oktober eine Kurzzeit-Bibelschule in Madagaskar.
Gemeinschaft motiviert
Ein weibliches Vorbild in der Kirche hat Stefanie Urscheler nicht. Bei der Frage, ob Frauen gar die «besseren» Christen seien, muss sie lachen: «Alle bringen ihre Talente mit und sollen sie dort einsetzen, wo sie gebraucht werden – egal, ob Mann oder Frau.» Sie verweist hingegen auf die Vorreiterrolle von Jesus: Er sei für die Schwächsten der Gesellschaft eingestanden. Darunter habe es auch viele Frauen gegeben. «Sein Engagement für das weibliche Geschlecht war sehr untypisch für die damalige Zeit.»
Und was motiviert ihrer Meinung nach andere junge Frauen – und Männer –, in der Kirche mitzuwirken? «Gemeinschaft, denke ich. Es ist schön, wenn man mit Leuten unterwegs ist, die das gleiche Fundament haben. Nicht, um im Strom einer grossen Kirche mitzuschwimmen, sondern um wirklich Teil von etwas zu sein. Und um gemeinsam austauschen zu können – über Alltägliches, über Sorgen und auch über die Freuden des Lebens.»
Einbringen statt konsumieren