News aus dem Thurgau

Nächstenliebe verschenken

von Kim Ariffin
min
30.10.2026
Seit rund 30 Jahren sammeln Engagierte in Stettfurt und Matzingen Weihnachtspäckli für armutsbetroffene Menschen in Osteuropa. Margarete Stettler sowie Erika und Hansruedi Schweingruber erzählen, was sie antreibt und wie in ihren Gemeinden etablierte Sammelaktionen entstanden sind.

«Mich motiviert meine Liebe für Kinder. Ich habe lange in der Kinderkirche – vormals Sonntagsschule – gearbeitet und habe gemerkt, wie wertvolle Menschen Kinder sind.» So beschreibt Margarete Stettler ihre Motivation für ihr rund 30-jähriges Engagement für die Aktion Weihnachtspäckli in Stettfurt.

Dieses hat eine spezielle Hintergrundgeschichte: Bis in die 1990er-Jahre gab die Evangelische Kirchgemeinde Stettfurt jährlich jedem Kind in der Sonntagsschule ein Weihnachtsgeschenk. Margarete Stettler habe jedoch gemeinsam mit einer Kollegin gemerkt, dass die Kinder im Dorf bereits alles besitzen. 

Schenken statt Beschenktwerden

Damals habe sie erfahren, dass die Christliche Ostmission mit anderen Hilfswerken Geschenke an armutsbetroffene Menschen in Osteuropa verteilt. Fortan schenkte sie die Päckli Kindern in Armut statt jenen der Sonntagsschule. «Die Kirchgemeinde hat sich dazu bereit erklärt, das Material und die Gegenstände für die Geschenke zu bezahlen. Die Kinder der Sonntagsschule waren ebenfalls damit einverstanden, und ich habe anfangs mit jedem von ihnen ein Päckli gemacht», fügt Margarete Stettler hinzu.

Das gemeinsame Packen sei sehr lebhaft gewesen. Mit zunehmendem Alter habe sie die Geschenke lieber in Ruhe zuhause gepackt und die Sammlung für das ganze Dorf geöffnet. Seither finanziert die Kirchgemeinde jährlich 20 Päckli, deren Inhalt Margarete Stettler selbst einkauft. Gemeinsam mit den Spenden der Dorfbevölkerung kommen meist rund 90 Päckli pro Jahr zusammen. Die Stettfurterin vermutet, dass es seit dem Ukrainekrieg noch mehr armutsbetroffene Menschen gibt, obwohl Armut in Osteuropa schon immer ein Thema war. 

Einblicke in Notlage vor Ort

Im Nachbardorf Matzingen engagieren sich Erika und Hansruedi Schweingruber ebenfalls seit über 30 Jahren für die Aktion Weihnachtspäckli. Hansruedi Schweingruber hat seit 1991 Verbindungen zum Hilfswerk Licht im Osten und transportierte als Lastwagenchauffeur selbst Weihnachtsgeschenke nach Rumänien. Vor Ort habe er Einblicke in die Notlage erhalten und unter anderem Familien in abgelegenen Bergdörfern besucht. «Die Situation ist schwierig und manchmal bleiben die Kinder allein zurück», sagt er. Ein halbes Jahr vor dem Beginn des Krieges besuchte er die Ukraine. Aktuell verteilt die Aktion Weihnachtspäckli auch Geschenke an Binnenflüchtlinge innerhalb des Landes.

Sich um Arme kümmern

Bereits Anfang der 1990er-Jahre sammelte das Ehepaar Schweingruber Geschenke für armutsbetroffene Menschen. Erika Schweingruber erklärt: «Wir haben von der Bibel die Botschaft erhalten, dass wir uns um Arme kümmern sollen. Jesus sagte: ‹Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.›» Als das Ehepaar wenig später nach Matzingen zog, führten sie die Sammelaktion in der Gemeinde ein.

Nun sammeln sie jedes Jahr an zwei Orten Weihnachtsgeschenke: Am Stand vor dem Coop können Interessierte spontan Produkte kaufen und für die Päckli spenden. Im evangelischen Kirchgemeindehaus liegen Lebensmittel und weitere Artikel auf Tischen bereit, aus denen die Teilnehmenden gemeinsam mit dem Teensclub die Geschenke zusammenstellen. 2025 kamen in Matzingen so insgesamt rund 500 Päckli zusammen. 

In vielen Thurgauer Kirchgemeinden wird für die Aktion Weihnachtspäckli gesammelt. Sammelschluss ist am Samstag, 21. November 2026.

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