News aus dem Thurgau

Nicht allein unterwegs sein

von Cornelia Brunner-Scherrer
min
25.10.2026
In Deutschland können Interessierte in einem Atelier ihren eigenen Sarg bauen, der zuvor als vielseitiges Möbelstück dient. Dadurch sollen sich die Teilnehmenden mehr mit dem eigenen Tod auseinandersetzen und das Thema aus der Tabuzone herausholen.

Die Idee: Sargbau-Atelier

Was? Innerhalb von zweieinhalb Tagen wird im Sargbau-Atelier ein «Möbelstück für die letzte Reise» oder eine Urne hergestellt. In einem geschützten Rahmen von sechs bis acht Personen entsteht ein Sargmöbel, das sowohl zur Erdbestattung als auch zur Kremierung dient. Der klare Baustil macht es möglich, es zuvor als Regal, Garderobe, Truhe oder Sideboard zu nutzen.

Wer? Hinter dem Projekt stehen der Tischler, Ergotherapeut und Seelsorger Mikel Hogan (Bild) und seine Frau Heike Denzer, ebenfalls Seelsorgerin und Mitbegründerin des Sargbau-Ateliers. Ihre Kooperationspartner sind unter anderem der Evangelische Kirchenkreis Hamm und die Katholische Kirchengemeinde Clemens August Graf von Galen in Hamm in Deutschland.

 

Das Interview

Mikel Hogan, wie ist das Projekt entstanden? 

Das Projekt ist im Sommer 2023 als Einzelkurs entstanden. Es war geplant, der herkömmlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit etwas entgegenzusetzen. Durch den Verlust zweier guter Freunde wurde mir klar: Ich möchte es für mich und meine Zugehörigen anders lösen und hatte im ersten Kurs einen Pfarrer als Seelsorger mit dabei. Dadurch wurde mir klar, dass ich künftig nur noch das machen möchte. Es entstand das Sargbau-Atelier. Später kamen die Urnenbaukurse hinzu.

Was haben Sie mit dem Projekt schon erreicht?

Im Austausch mit Gleichgesinnten erkennen die Menschen, dass sie nicht allein unterwegs sind, und es entstehen Verbindungen. Mittlerweile haben bereits etliche Kurse stattgefunden und das nicht nur in Hamm, sondern auch in Hannover/Niedersachsen, Offenbach und Wiesbaden in Hessen. Es kommen auch Einzelteilnehmer aus Berlin und dem Ruhrgebiet. Jeder Kurs ist barrierefrei und kann auch unter Mithilfe einer weiteren Person durchgeführt werden. Nebst den Kursen in Kleingruppen werden Ateliers für Einzelpersonen angeboten.

Was können andere Kirchgemeinden von Ihrem Projekt lernen?

Mein Ziel ist es, Nachahmer zu finden und die Menschen zu motivieren, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Menschen sollen angeregt werden, das Thema Sterben aus der Tabuzone herauszuholen und wieder selbst zu bestimmen, was am Ende geschehen soll. Vorsorge, Trauerarbeit, Nachhaltigkeit – es gibt viele Gründe. Gerne stehe ich für Fragen zur Verfügung.

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