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Gesellschaft

Von heutigen Erlösern und Spielverderbern

Erliegen wir einer kollektiven Trance?

19.11.2018
Der Kontrast zwischen Kirche und Kommerz ist für mich bisweilen so gross, dass ich mich manchmal frage: Hat Weihnachten, wie wir es heute feiern, überhaupt noch etwas mit einem christlichen Fest zu tun?

Auf der einen Seite ist da die Geburt eines unehelichen Kindes in einem ärmlichen Stall. Ein überforderter Vater und eine blutjunge Mutter – obdachlos und bitterarm – kämpfen um den Anfang eines Lebens. Auf der anderen Seite kämpft die heutige Werbemaschinerie um Umsatz, stimmt uns seit Wochen auf Weihnachtskommerz ein und animiert uns zum Verbrauch von Ressourcen. Das göttliche Kind und die uralte Geschichte der schenkenden Könige befeuern einen jährlichen Geschenk- und Konsumrausch im Dienste der Liebe, was einen ausbeuterischen Raubbau beinhaltet.

Die Geschichte ist zu gut
Das göttliche Kind kommt nackt, bedürftig und bloss auf diese Welt – lassen wir es also krachen und spendieren ihm/uns was. Die Weihnachtsgeschichte liefert unserem Hang zum Konsum mitten in der dunkelsten Zeit – perfektes Timing! – die nötige Legitimation. Sogar abgeben an Bedürftige und Einsame liegt drin im Budget, die Kirche ist in diesem Bereich durchaus positiv präsent, ihr Wirken wird geschätzt und unterstützt. Doch nur keine grundsätzliche Infragestellung unseres verschlingenden Lebensstils und Fortschrittswahns. Ich selber erlebe die Advents- und Weihnachtszeit als eine kollektive Trance, in der Fest- und Geschenkfreude (Denken Sie an Ihre Liebsten! Zeigen Sie ihnen Ihre Liebe!) nicht infrage gestellt werden können, ohne dass man als Spielverderber gilt.

«Den Mund aufmachen, Protest einlegen, gegen die Zerstörung schreien, lachen, weinen und leben. »

Die Erlöser von heute
Wie aber denn Weihnachten feiern? Vielleicht ressourcenarm und einfach, auf den Spuren von Maria, Josef und der Hirten? Nicht von allmächtigen Diktatoren oder Präsidenten Erlösung erwarten. Sie bringen Unterdrückung und Auslöschung von eigener Kraft. Auch nicht auf die Allmacht der Wirtschaftsfachleute vertrauen. Sie spielen sich als die Weisen von heute auf, die uns Denken und Verantwortung ersparen, damit wir uns der Orgie des Konsums überlassen. Sie predigen Fortschrittswahn und verraten – fast wie die Weisen damals – das Christkind an Herodes. Selber denken, selber handeln angesichts von Gefahr. Auf die eigenen Träume horchen. Dem Engel in der Nacht, der uns weckt und auch uns vor Gefahr warnt wie damals Josef vor Herodes, Folge leisten. Er raunt uns auch heute seine Botschaft zu. Fachleute – die heutigen Propheten – sagen es uns jährlich immer eindringlicher: «Wenn wir unseren Konsumrausch nicht baldmöglichst in den Griff bekommen, werden wir die Hülle des Lebens definitiv ruinieren.» Nehmen wir das nicht gelassen hin und zucken die Schultern. Das ist nicht Schicksal. 

Mut zur Achtsamkeit
Verlassen wir den Weg der Zerstörung. Weihnachten: Den Kräften der Hoffnung trauen, in uns geweckt in dunkelster Not, angesichts der Hilflosigkeit des göttlichen Kindes. Aufstehen, uns dem Zug Josefs und Marias anschliessen, die das Neugeborene schützen. Den Mund aufmachen, Protest einlegen, gegen die Zerstörung schreien, lachen, weinen und leben. In einer ärmlichen Hütte wird das Heil geboren, nicht in hell erleuchteten Palästen und Tempeln voller Plastik- und Elektronikzeugs, das Neugeborene weder jetzt noch später wirklich brauchen. Was sie brauchen, sind Eltern, Gemeinschaften und ganz konkret Kirchgemeinden, die achtsam mit Erdöl/Erdgas und den weiteren Ressourcen der Erde wie sauberer Luft, sauberem Wasser, intakten Urwäldern, prosperierenden Tierarten und vielfältigen Pflanzenarten umgehen (damit alles auch für sie reicht) und ihnen die Heisszeit und reduzierte Artenvielfalt, auf die wir mit unseren heutigen Ansprüchen zurasen, erspart bleibt. Denn wie uns Papst Franziskus ins Gewissen ruft: Wenn wir die Natur zerstören, wird sie uns und – falls wir noch verschont werden – spätestens dereinst einmal unsere Kinder zerstören.

 

Text: Gina Schibler | Foto: Annie Spratt  – Kirchenbote SG, Dezember 2018

 

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Von Fredy Rechsteiner erfasst am 29.09 2020 20:41

Vorsicht, Rücksicht und Zuversicht

Frank Sachweg unterstellt den Corona-Massnahmenkritikern, sie seien assoziale, unverschämte Egoisten und kennen weder Vorsicht noch Rücksicht. Dabei erkennt er nicht, das diese Personen gerade aus Nächstenliebe die übertriebenen Massnahmen ablehnen. Niemand hat etwas gegen Händewaschen usw. Dies ist der Blitzableiter, der schon immer angewandt wurde. Einfach und wirkungsvoll. Die neuen Massnahmen, die nun aber die physische und psychische Gesundheit angreifen und die Abwehrkräfte schwächen, werden mehr Opfer fordern als die sogenannte Pandemie selbst. Das Coronavirus wird Opfer fordern wie jede schwere Grippewelle bisher, aber es ist keine alles dahinraffende Seuche. Wer das um jeden Preis verhindern will, nimmt auch in Kauf, dass für seine Sicherheit 100tausende Kinder verhungern, hunderte Millionen Menschen ihre existenzielle Lebensgrundlage verlieren oder Tausende in den Suizid getrieben werden. Auch die Folgen von Sauerstoffmangel durch Maskentragen (Förderung von Demenz) oder von gentechnisch hergestellten Impfstoffen werden nicht spurlos an uns vorbeigehen. Wenn nun auch noch das Argument aufgegriffen wird, man dürfe niemanden gefärden, muss grundsätzlich alles verboten werden. Autofahrer gefärden, Alkohol gefärdet, sogar ein Bienenstich kann das Leben bedrohen. Vorsichtig, rücksichtsvoll und zuversichtlich wollen wir alle sein. Die Frage ist, was ist unsere Motivation? Ist es die Liebe oder die Angst? Die Bibel sagt dazu: Wirkliche Liebe ist frei von Angst. Ja, wenn Gottes vollkommene Liebe uns erfüllt, vertreibt sie sogar die Angst. Wer sich also fürchtet und vor der Strafe zittert, bei dem ist Gottes Liebe noch nicht zum Ziel gekommen. 1.Johannes 4:18

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