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Religionen

Ins Beziehungsnetz der Kirche eintreten

22.03.2019
Christina Hegelbach ist heute Geschäftsführerin der Kirchgemeinde Tablat-St. Gallen. Von ihrem 24. Lebensjahr bis Anfang 30 war sie kein Mitglied der Kirche mehr. Wie es dazu kam, warum sie wieder eintrat und was sie heute an der Kirche schätzt …

Sich zur Kirche und zum Glauben zu bekennen, war keine Selbstverständlichkeit, als Christina Hegelbach ein Kind war. Denn sie wuchs in der DDR auf, in der kleinen Stadt Burg in Sachsen-Anhalt. Im sozialistischen Staat wurden die Kirchen unterdrückt (siehe Kasten). Trotzdem waren Christina und ihre Familie aktive Mitglieder der lutherischen Kirchgemeinde vor Ort.

Die Kirche gab Halt
Trotz der Schwierigkeiten, die eine Kirchenmitgliedschaft bedeutete, war diese damals ein wichtiger Teil in Christinas Lebens. Weder sie noch die Eltern haben die Mitgliedschaft in Frage gestellt. «Ich war stolz darauf, dabei zu sein», sagt sie heute, «denn die Kirche war ein Halt. Sie hat davor geschützt, im ungerechten Staat unterzugehen.» Mitgliedschaft in der Kirche bedeutete ein Nein zu den herrschenden Umständen in der DDR. 

«Unter reformiert konnte ich mir nichts vorstellen.»

Nach dem Studium siedelte Christina 1998 mit zwei Koffern in die Schweiz über. Doch als sie sich bei der politischen Gemeinde in Schwellbrunn anmeldete, war sie verwirrt. Unter Konfession gab es folgende Auswahlmöglichkeiten: römisch-katholisch, evangelisch-reformiert oder keine. Christina verstand sich als Lutheranerin. Unter reformiert konnte sie sich nichts vorstellen. Eine lutherische Gemeinde, so erfuhr Christina, gab es in Zürich. Aber wie sollte da die Teilnahme am Gemeindeleben funktionieren, wenn sie in Schwellbrunn wohnte? Auch das kam für Christina nicht in Frage. «Dann kreuzen Sie doch einfach keine an», riet ihr der Mitarbeiter auf der Gemeinde. Das tat Christina und war damit offiziell kein Kirchenmitglied mehr. Da war sie 23 Jahre alt. 

«Hochzeit. Sicherlich kirchlich! Aber wie?»

In den folgenden Jahren fand sie keinen Anschluss an eine Kirchgemeinde. Erst als sie ihren heutigen Ehemann kennenlernte, änderte sich das – als das Thema «Hochzeit» im Raum stand. Sicherlich kirchlich! Aber wie? Ihr Mann ist katholisch. Sollte sie auch katholisch werden? Oder doch reformiert? Christina begann sich zu informieren. Sie nahm Kontakt zu einem reformierten Pfarrer auf, der sie später auch traute. Der spannte sie gleich für Lesungen im Teamgottesdienst ein. Das gefiel Christina. Sie fühlte sich wohl. Sie schätzte es, sich einbringen zu können – so wie sie es früher aus der Familie gewohnt war. 

Bewusste Wahl
Christina hat sich ganz bewusst für den Eintritt in die reformierte Kirche entschieden. Mit dem Eintritt sei sie angekommen und habe Heimat gefunden. Gerade auch wegen des grossen Beziehungsnetzes, das eine Kirchgemeinde bietet. Das schätzt sie heute ganz besonders.

 

Text: Esther Marchlewitz, Pfarrerin, Rorschach | Foto: Ueli Bächtold  – Kirchenbote SG, April 2019

 

Kirchenmitgliedschaft in der DDR

In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war zwischen 1945 und 1989 eine einzige Partei (die SED) an der Macht. Sie strebte nach der Kontrolle über alle Lebensbereiche der Bürger. Die Kirchen waren dabei im Weg. Kirchenmitglieder wurden daher unter Druck gesetzt: An der Tagesordnung waren Kontrolle durch den Geheimdienst Stasi oder Benachteiligung bei der Vergabe von Schul- und Studienplätzen. Die Kirchen ihrerseits lehnten die Propaganda des Staates ab. Die kirchlich organisierten Montagsdemonstrationen läuteten das Ende der DDR ein. (em)

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

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