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Spiritualität

So werden Sie Millionär!

Das Gleichnis der Talente – Mehr als nur Geldvermehrung. Gedanken zu den Worten aus Mt. 25 von Pfarrer Klaus Fischer, Gossau SG.

Die Arbeit ist für den Menschen mehr als notwendiger Lebensunterhalt. Sie ist ein wesentlicher Bereich für die Verwirklichung seiner Berufung. Arbeit ist Gottesdienst im Alltag. Das war lange eine protestantische Grundüberzeugung, die sich bereits in
einem Gleichnis Jesu aus dem Matthäusevangelium finden lässt (Mt 25).

 

Dort heisst es: «Es ist wie mit einem, der seine Knechte rief, bevor er ausser Landes ging, und ihnen sein Vermögen anvertraute; und dem einen gab er fünf Talente, dem andern zwei, dem dritten eines, jedem nach seinen Fähigkeiten, und er ging ausser Landes. Sogleich machte sich der, der die fünf Talente erhalten hatte, auf, handelte damit und gewann fünf dazu, ebenso gewann der, der die zwei hatte, zwei dazu. Der aber, der das eine erhalten hatte, ging hin, grub ein Loch und verbarg das Geld seines Herrn.»

Der dritte Knecht tut nichts
Arbeit, so kann man das interpretieren, enthält immer zweierlei: die unterschiedlichen, natürlichen und deshalb gottgegebenen Fähigkeiten und Begabungen, die Talente. Und den möglichst erfolgreichen Einsatz dieser Gaben. Die beiden Knechte, die ihre Talente verdoppelten, werden nach der Rückkehr gelobt. Der dritte Knecht, der das Talent vergrub, wird dagegen beschimpft: «Du böser und fauler Knecht! Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld den Wechslern bringen sollen, und ich hätte bei meiner Rückkehr das Meine mit Zinsen zurückerhalten.»

Im Sinne der Bergpredigt arbeiten
Schon immer hat die ausschliessliche Wertschätzung von Leistung und Erfolg im Gleichnis Unbehagen ausgelöst. Und versteht man das Talent im ursprünglichen Sinn, als eine sehr hohe Geldsumme, dann verteidigt der Text das aktuelle Verhältnis von Kapital und Arbeit. Grosses Kapital lässt sich einfach vermehren, während dort, wo nur die eigene Arbeit dem Lebensunterhalt dient, letztlich kaum etwas übrigbleibt. «Denn jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird haben im Überfluss; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen werden, was er hat.» 

Doch wie wäre es, wenn das Talent nicht das ist, was ein Mensch mitbringt oder besitzt, um es dann für sich zu entfalten? Sondern das, was der abwesende Jesus uns als Möglichkeit und Auftrag hinterlassen hat: füreinander im Sinne der Bergpredigt zu arbeiten. So liesse sich dieses Gleichnis vielleicht noch retten …

 

Text: Klaus Fischer, Pfarrer, Gossau | Foto: Katharina Meier  – Kirchenbote SG, Mai 2019

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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