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Spiritualität

Tägliche Pflege: drei Thesen

Gott, ich preise dich, dass ich so herrlich, so wunderbar geschaffen bin (Psalm 139,14). – «Selfies sind etwas für die Jungen.» Quatsch! Schon Gott machte einst ein Selfie. Und schon damals war er ziemlich alt. Er machte nämlich ein Bild von sich selber und er nannte es «Mensch».

Der Mensch, der das weiss, empfindet sich selber als schön. Weil der Schöpfer der wunderschönen Schöpfung eben Inbegriff und Quelle jeder Schönheit ist. Im Psalm 139 heisst der Mensch David. Heute nennt er sich Fabio oder Julia, Bertha oder Hans.

Nur, dass der Mensch seither mehrheitlich vergessen hat, wie wunderbar er geschaffen ist. Weil seine Nase ein wenig krumm verläuft oder die Haarfarbe nicht den Wünschen entspricht, weil der Bauch an Umfang zugenommen hat und das Alter immer sichtbarer wird. Zum Glück können wir Abhilfe schaffen: Betonen und überbetonen, kaschieren und fälschen – vom Busen bis zu den Bizepsen,
von den Füssen bis zur Glatze. Was höchst erfreulich ist. 

Drei Thesen zum Nachdenken
Ein passendes Tattoo wirkt ästhetisch. Ein gestylter Bart ebenfalls. Das gekonnte Make-up löst positive Gefühle aus. Und wer die Haare eine Zeitlang nachfärbt, darf gerne jünger wirken. Nur: Erfahre ich – so – wirklich mich selber als wunderbar? Oder ist das an mir herrlich (attraktiv!), was ich unter grossem Zeitaufwand täglich aus mir zu machen versuche? Wo liegt die Grenze zwischen pflegen und auftakeln? Was im Bereich der Schönheitspflege dient dem Menschen, und was macht ihn abhängig? Denn letztlich geht es, wie so oft, auch hier um diese Frage (vgl. 1. Kor 6,12). Vielleicht regen die folgenden drei Thesen dazu eine Diskussion an:

1) Die Schönheitspflege muss kürzer sein als  die Seelenpflege – täglich.

2) Die Schönheitspflege muss kürzer sein als die Kontaktpflege – täglich.

3) Die Schönheitspflege muss kürzer sein als die Gesundheitspflege – täglich.

Sich als «Selfie» Gottes erfahren
Halte dich daran, und du entdeckst bald einmal, was dich herrlich und wunderbar macht. Und schon wenn du am frühen Morgen gähnend vor dem Spiegel stehst, darfst du aus Herzensüberzeugung sagen: «Gott, eigentlich ganz gut, was Du da fabriziert hast.» Weil du dich als geliebtes «Selfie» deines Schöpfers erfährst, so wie dies die Bibel bereits ganz am Anfang erzählt.

Wobei, dies möchte ich auch betonen, gar keine Schönheitspflege genauso falsch ist wie deren Übertreibung! Schliesslich möchte Gott, dass wir das Allerbeste aus uns herausholen, im unsichtbaren wie im sichtbaren Bereich unseres Lebens.

Text: Rolf Kühni, Pfarrer, Sargans | Foto: Ben Kerckx auf Pixabay  – Kirchenbote SG, September 2019

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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