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Leben & Glauben

Der Vers ist eine Grundlinie

Der 1939 geborene Jakob Lieberherr wuchs in Ganterschwil auf, war als Landwirt und landwirtschaftlicher Betriebshelfer tätig und machte sich als Autor einen Namen. Sein siebtes Buch «Das fünfte Gebot» kreist um die Tagebucheintragungen seiner Mutter und die Lebensgeschichte seines Vaters. Hier erzählt er über seinen Konfirmationsspruch aus Johannes. Jesus Christus spricht: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, ausser durch mich.»

«Ich weiss nicht mehr genau, wie es damals vor 65 Jahren war – ob der Konfirmationsspruch meine Wahl war oder ob der werte Pfarrer Heeb sein Geheimnis einfliessen liess. Jedenfalls begleitet hat mich das tiefsinnige Bibelwort tatsächlich in allen Lebenslagen.

Der Spruch hing immer über dem Bett
Ich nahm den Segensspruch mit in den Wanderjahren und hängte ihn immer, wo immer ich war, über dem Bett auf, denn er gehörte zu mir, ob ich es wahrhaben wollte oder nicht. Als lebensfroher, landwirtschaftlicher Angestellter im In- und Ausland gab mir der Spruch im Denken und Handeln eine nicht zu unterschätzende Grundlinie. Schwieriger wurde es dann mit der sinngemässen Umsetzung des Bibelwortes, als es um die Partnerwahl und die selbständige Lebensexistenz als Landwirt ging. 

Die Wahrheit liegt im Konfirmationsspruch
So drehte sich zum Beispiel der Traktor über meinen Kopf hinweg und stand Sekunden später brummend unterhalb von mir wieder auf den Rädern – und ich stand mit schlotternden Knien am Wiesenabhang mit ein paar blauen Flecken und begriff nicht so recht, dass ich noch lebend dastand. Eine innere Stimme rief: «Begreifst du denn nicht, nicht deine berufliche Tüchtigkeit ist das Ziel. Nein, die Wahrheit liegt in deinem Konfirmationsspruch verborgen.» 

Sehen und staunen
Auch in der Ehe und der Familie dreht sich alles über den Kopf hinweg. Die Orientierung scheint im dichten Nebel zu versinken. Jahre später findet man mich in Russland. Ich sehe die Sonne in der sibirischen Tiefebene aus der Erdumrundung sich hervorheben. Mächtig! Ich sehe und staune. Das Wort – der Schöpfer – Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben … «Begreifst du denn endlich?»

Glockengeläute in Weesen
Und letztlich – die Jahre gehen auf und ab – nehmen meine Frau, Kinder und Kindeskinder meinen Konfirmationsspruch auch für sich in Anspruch und weisen das Alter auf immer neue Bahnen. Und obwohl das Festefeiern nie meine Welt war, musste ich zum 80. Geburtstag doch klein beigeben. So packte der Ortspfarrer von Weesen das Fest zum allgemeinen Gottesdienst, liess die Glocken läuten und nahm zum Predigttext den Konfirmationsspruch: «Jesus spricht: ‹Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, ausser durch mich.›»

 

Text: Jakob Lieberherr, Weesen | Foto: zVg  – Kirchenbote SG, September 2019

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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