Logo
Religionen

Verzichten oder geniessen? – Eine Kontroverse I

Fasten in der Passionszeit ist im Trend. Sollen auch Reformierte in dieser Zeit auf etwas verzichten? Ja, findet Kim Etter, Mitorganisatorin der Aktion «40 tage ohne» der St. Galler Kirchen. Denn Verzicht verändert unseren Blickwinkel. Dadurch schätzen wir mehr, was wirklich wichtig ist im Leben.

Vielen Menschen in der Schweiz geht es sehr gut. Doch stellen wir uns folgende Frage zu wenig: «Brauche ich, was ich habe? Habe ich, was ich brauche?» Wie kann man darauf eine Antwort finden?

Nein sagen als Herausforderung
In der Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostersonntag kann man auf Verschiedenes verzichten: auf Süssigkeiten, auf soziale Medien, auf Unpünktlichkeit. Man kann den Fleischkonsum reduzieren, Treppen steigen statt den Lift zu nehmen. Es gibt sehr viele Möglichkeiten. Jede hat ihren Vorteil. Denn so steht mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben zur Verfügung. Verzichten ist auch ein willkommener Anlass, um bewusst «Nein» zu sagen und sich einer Herausforderung zu stellen: Schaffe ich es, auf Fernsehen und Serien zu verzichten?

Blick auf Mitmenschen richten
Verzicht lehrt mich, bewusster zu geniessen und dankbar dafür zu sein, was ich habe. Indem ich verzichte, wird mir bewusst, wie gross mein Wohlstand eigentlich ist. Eine wunderbare Erfahrung war, dass mir das Verzichten half, den Blickwinkel zu wechseln: weg von den eigenen Bedürfnissen, hin zu anderen Menschen.

Im Verkehr den Vortritt lassen
Der Verzicht ist der Bruder des Schenkens. Auch das Schenken führt zu einem Perspektivenwechsel, verändert das Miteinander. So können selbst Kleinigkeiten das Zusammenleben positiv verändern: jemandem ein Lächeln schenken, ein Kompliment machen, im Verkehr jemandem den Vortritt lassen. Ob ich verzichte oder schenke, beides sendet ähnliche Signale aus: dass ich meine Mitmenschen wirklich wahrnehme und dabei auch Kleinigkeiten beachte.

Gemeinschaftserlebnis
Sein Verzichtsvorhaben kann man bei «40 tage ohne» online anmelden, am besten zusammen mit Freunden. Dadurch wird es zu einem Gemeinschaftserlebnis und der Verzicht fällt leichter. 

Wie Stefan Degen, Redaktor des St. Galler Kirchenboten, über die Frage des Verzichts oder des Geniessens denkt, lesen Sie hier.  

Text: Kim Etter | Foto: Pixabay  – Kirchenbote SG, Februar 2020

 

«40 tage ohne»

Die Aktion «40 tage ohne» wird getragen vom Netzwerk Junge Erwachsene der Evang.-ref. Kirche des Kantons St. Gallen und von der Fachstelle Kirchliche Jugendarbeit des Bistums St. Gallen. Interessierte können sich online anmelden.

www.40-tage-ohne.ch


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Kommentar erstellen