Logo
Wirtschaft

Verzichten oder geniessen? – Eine Kontroverse

Fasten in der Passionszeit ist im Trend. Sollen auch Reformierte in dieser Zeit auf etwas verzichten? Nein, findet Stefan Degen, Redaktor des St. Galler Kirchenboten. Denn Verzicht um des Verzichts Willen ist nicht erstrebenswert. Wichtiger ist, Verantwortung für den eigenen Konsum zu übernehmen.

Ein Schluck Wasser war alles, was ich mir wünschte. Ich war am Wandern und hatte dummerweise zu wenig Wasser eingepackt. Der Durst war so intensiv, dass alles andere an Bedeutung verlor. Das Einzige, was zählte, war Wasser.

Kein Leiden um des Leidens Willen
Hatte der unfreiwillige Wasserverzicht auch etwas Gutes? Sollte ich gar öfter darauf verzichten, um den intensiven Durst zu erleben? Ich meine Nein. Denn beim Wandern auf Wasser zu verzichten ist weder gesund noch sinnvoll. Und Leiden um des Leidens Willen möchte ich nicht. Ähnlich verhält es sich mit Konsumgütern: Ein leckeres Stück Torte, ein kühles Bier, das praktische Smartphone – natürlich sind diese Dinge nicht lebensnotwendig, anders als Wasser. Aber sie machen Freude. Daran ist nichts Schlechtes, im Gegenteil: Gemeinsames Geniessen verbindet.

Folgen des Konsums bedenken
Gewiss, es gibt gute Gründe, sich zu mässigen. Es bekommt mir nicht gut, wenn ich täglich Torten verzehre, Bier trinke und ständig ins Smartphone glotze. Und mein Konsum hat Folgen für meine Mitmenschen und die Umwelt, etwa mein Fleischkonsum oder der Kauf von Elektronikartikeln.

Kein religiöses Gesetz
Zwingli hat sich zu Beginn der Reformation für die Abschaffung der Fastengesetze stark gemacht. Es ging ihm darum, aus dem Verzicht kein religiöses Gesetz zu machen. Wohl aber wollte er Verantwortung für die gesellschaftlichen Folgen des Handelns übernehmen, wie sein Engagement gegen das Söldnerwesen zeigt. Was heisst das für heute?

365 Tage im Jahr
Wenn ich zu oft ins Smartphone glotze, lege ich es weg. Wenn ich zu viel trinke, mache ich eine Bierpause. Ich kaufe keine unnötigen Elektronikartikel. An 365 Tagen im Jahr. Doch wenn ich nach der Wanderung einkehre, freue ich mich dankbar über ein kühles Bier und eine knackige Wurst. Auch in der Passionszeit. 

 

Wie Kim Etter über die Frage des Verzichts oder des Geniessens denkt, lesen Sie hier

 

Text: Stefan Degen | Foto: Pixabay  – Kirchenbote SG, Februar 2020

 

«40 tage ohne»

Die Aktion «40 tage ohne» wird getragen vom Netzwerk Junge Erwachsene der Evang.-ref. Kirche des Kantons St. Gallen und von der Fachstelle Kirchliche Jugendarbeit des Bistums St. Gallen. Interessierte können sich online anmelden. 

www.40-tage-ohne.ch


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Kommentar erstellen