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Spiritualität

Den Feind zu Tisch bitten

Der gedeckte Tisch ist ein Bild für den Anbruch des Gottesreiches: «Auf, iss dein Brot mit Freude, und trink deinen Wein mit frohem Herzen.» (Kohelet 9,7)

Essen und Trinken verbinden die wenigsten Menschen mit den reformierten Christen, eher mit Katholiken, vielleicht gerade noch mit Lutheranern. Immerhin hat Luther gerne gegessen und getrunken, hat Tischreden geschwungen und so manchen Spruch zum Besten gegeben. Dagegen wirken Reformierte geradezu dröge und langweilig. Dabei startete die Zürcher Reformation mit einem Wurstessen, in dessen Folge Zwingli seine Schrift «Von Erkiesen und Fryheit der Spysen» verfasste. Unsere Schriftbezogenheit macht uns im Kern aus, und die Schrift lehrt, dass wir sinnlich und lustvoll mit dem Thema «Essen und Trinken» umgehen können.

Jesus sorgte für weinNachschub
Immerhin geschieht die erste Zeichenhandlung Jesu bei einer Hochzeit. Ausgerechnet der Nachschub von Wein wird von ihm sichergestellt (Joh 2), obwohl auf dem Fest wahrscheinlich schon genug getrunken wurde. Jesus setzt vor seinem Tod das Abendmahl ein und nach seiner Auferstehung gibt es eine Grillade mit Fisch am See (Joh 21). Und auch sonst ist die Bibel voll von Geschichten rund um das Thema «Essen und Trinken».

Betrunken und nackt im Zelt
Der Wein soll das Herz des Menschen erfreuen (Ps 104) und bei Genuss in kleinen Mengen sogar der Gesundheit förderlich sein (Tim 5). Wobei der Konsum nicht ausufern sollte. Das lehrt uns die Geschichte Noahs, der sich als erster Weinbauer der Menschheit derart betrunken hatte, dass er nackt im Zelt lag und seine Söhne sich für ihn schämten. (Gen 9)

Genuss statt Konsum
Es geht um Genuss – nicht um Konsum. Das können wir mit Blick auf die Bibel lernen. Das zeichnet auch die Gemeinschaft aus, in der man miteinander isst und trinkt. Denn mit einem Feind kann ich nicht gemeinsam geniessen, einem Gegner nicht den Wein reichen oder mit ihm das Brot brechen. Das kann nur in einer Gemeinschaft geschehen, in der Frieden und Gerechtigkeit herrschen.

Anbruch des Gottesreiches
Möglich ist das in einer Gemeinschaft, in der wir alle an einen Tisch geladen sind. Und so ist der gemeinsame Genuss an einer schön gedeckten Tafel ein Bild des anbrechenden Gottesreiches unter uns. Das geschieht vor allem beim Abendmahl, aber auch sonst, wo wir als Schwestern und Brüder zusammenkommen, essen und trinken und uns über das geschenkte Leben freuen.

 

Text: Ute Latuski-Ramm, Pfarrerin, Degersheim | Foto: Martin Böhringer  – Kirchenbote SG, Februar 2020

 

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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