Logo
Spiritualität

«Ich bin nicht klein!»

«Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn: Ein Mann nahm es und pflanzte es auf seinem Acker ein. Das Senfkorn ist das kleinste von allen Samenkörnern. Aber wenn eine Pflanze daraus wächst, ist sie grösser als die anderen Sträucher. Sie wird ein richtiger Baum.» (Mt 13,31-32)

Lauthals schreit die kleine Paula: «Ich bin nicht klein!» Ihr Vater hat ihr etwas verweigert, sie sei dafür noch nicht gross genug. Schrecklich, derart unterschätzt zu werden! Da hat der Vater die Hoffnung auf ein Erfolgserlebnis im Keim erstickt. Schade! Dabei hat er doch schon zur Genüge die Erfahrung gemacht, dass in diesem kleinen Mädchen mehr steckt, als er je erwartet hat.

Kleines, energisches Mädchen

«Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn» – «Das Himmelreich gleicht einem kleinen, energischen Mädchen», hätte man auch schreiben können. Schon bevor es im Mutterleib herangewachsen ist, war alles angelegt. Im Mädchen leben Talente, Träume, Ideen und ganz viel Mut. «Und siehe, es war gut!», sagt die Schöpferin nach den Etappen der Schöpfungsgeschichte. Auch nach dieser. Was aus Paula einmal wird? Wer weiss? Äussere Einflüsse und  Erlebnisse werden eine wichtige Rolle spielen. Hoffentlich hat Paula einen guten Boden, auf dem ihre Träume und Ideen wachsen können. Manches in ihr wird lange schlummern, bis es sich entfaltet. Eins nach dem anderen.

Das Himmelreich ist angebrochen

Ein Same muss nicht (gen)manipuliert werden, um Frucht zu bringen. Nicht der menschliche, und der pflanzliche auch nicht. Im Gegenteil. Er braucht nur gute Erde, Wasser, Sonne und saubere Luft. Alles andere ist schon da. Gott sei Dank! Das Himmelreich ist schon angebrochen. Das gilt auch für all die Bemühungen zur Rettung des Klimas und zur Sicherung der Welternährung. Ja, wir hoffen, dass aus der kleinsten Kampagne einmal ein Mainstream werden wird.

Im Senfkorn lebt ein Baum

Niemand ist zu klein, zu alt oder zu erfahren, um noch Hoffnungen zu haben, Idealen zu folgen. Jede und jeder kann über sich hinauswachsen. Paula hat das instinktiv verstanden. In ihr wohnt das Wissen, dass in einem winzigen Senfkorn ein gewaltiger Baum lebt, ohne den sie keine Luft zum Atmen hätte. An diesem Tag sagt sie es allen, die ihr über den Weg laufen. Ob sie es hören wollen oder nicht. «Ich bin nicht klein!»

Text: Anne Dietrich, Pfarrerin, Flums | Foto: Pixabay


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Kommentar erstellen