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Gesellschaft

Die Maya – Kinder des Maises

«Saatgut ist Leben», sagt Juana Vasquez Arcon aus Guatemala und versucht, das traditionelle Saatgut der Maya zu erhalten. Sie wehrt sich gegen die Diskriminierung der indigenen Bevölkerung und koordiniert die Organisation Komon Ajq’ijab’.

Was bedeutet Komon Ajq’ijab’?
Juana Vasquez Arcon: «Komon Ajq’ijab’» ist ein ganzheitliches Prinzip, das sich auf alle Aspekte des Lebens bezieht. Das Materielle und das Spirituelle werden als integrale Bestandteile des Lebens verstanden. «Komon» heisst, sich zu vereinen, eine Gemeinschaft zu bilden; dies ist die Basis für das gute Leben. Die «Ajq’ijab’» üben die Spiritualität der Maya aus, führen Zeremonien durch und sind die Hüterinnen und Hüter der Maya-Kalender. Ajq’ijab’ sind Frauen und Männer gleichermassen, weil sie in der Kosmovision der Maya gleichgestellt sind.

Was ist die Arbeit der Vereinigung Asociación Maya para el Buen Vivir Komon Ajq’ijab’?
Juana Vasquez Arcon: Die Weltanschauung und Lebensweise der Maya wurde während 500 Jahren Kolonialismus stark in Mitleidenschaft gezogen. Unser Ziel ist es, die Bildung, die Sprachen und die Glaubenssätze wiederzuerlangen, die wir verloren haben. Die Unterdrückung, Diskriminierung und Marginalisierung der indigenen Bevölkerung ist in Guatemala allgegenwärtig. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Rechte als Indigene kennen, um gegen die Diskriminierung vorzugehen.

«Das traditionelle Saatgut ist durch das eingeführte genmodifizierte Saatgut bedroht.»

Die Arbeit von Komon Ajq’ijab’ bezieht sich also nicht nur auf das Spirituelle, sondern auch auf Fragen des Zusammenlebens und der politischen Beteiligung. Ein anderes Beispiel ist die Förderung der traditionellen Medizin. Wir wollen den Zusammenhalt zwischen den indigenen Gemeinschaften fördern, um ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln. 

Welche Bedeutung hat das Saatgut in der Kultur der Maya?
Juana Vasquez Arcon: Saatgut ist Leben. Ohne Saatgut gibt es keine Keimung, weder pflanzliches, tierisches noch menschliches Leben. Deshalb wachen wir über den Erhalt und die Pflege unseres traditionellen Saatguts, wie Mais, Bohnen, Amarant und unsere Heilpflanzen. Dies ist zurzeit eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, weil das traditionelle Saatgut durch die Einführung und Verbreitung von genmodifiziertem Saatgut bedroht wird.

«Wir wurden aus gelbem und weissem Mais erschaffen.»

Die Pflanzensamen haben natürlich auch eine spirituelle Bedeutung – insbesondere das Maiskorn. Laut der Kosmovision der Maya wurden die ersten vier Frauen und die ersten vier Männer aus gelbem und weissem Mais erschaffen. Deshalb sagen wir auch, dass wir Kinder des Maises sind. 

Was wünschen Sie sich für die kommenden Generationen und vor allem für die indigene Bevölkerung von Guatemala?
Juana Vasquez Arcon: Ich wünsche mir, dass die 22 Sprachgruppen der Maya zusammenkommen und sich ein gestärktes Bewusstsein für die Gemeinschaft entwickelt. Doch es braucht neben dem Bewusstsein auch die Umsetzung dieser Werte. Wissen ohne Praxis bringt keine Veränderung mit sich. Zudem wünsche ich mir vertiefte Beziehungen auf internationaler Ebene. Ich habe viel von diesem Austausch gelernt und die internationale Zusammenarbeit ist notwendig, um Probleme wie den Klimawandel anzugehen. Wir brauchen ganzheitliche Veränderungen, um die Erhaltung des Lebens der Menschen, Pflanzen und Tiere zu gewährleisten.

Was erwarten Sie von Ihrer Reise in die Schweiz?
Juana Vasquez Arcon: Ich erhoffe mir, dass wir uns begegnen können, mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, dass wir einander verstehen können, dass ich es schaffen werde, unsere Botschaft zu vermitteln. Denn diese Begegnung ist das Samenkorn für die Zukunft, verbunden mit der Hoffnung, dass die Projekte und Initiativen zum Schutz des traditionellen Saatguts in den verschiedenen Ländern weiterhin viel Gutes bewirken können. Das ist es, was ich will: Freundschaft, Verständnis, Liebe, Zuneigung und die Zusammenarbeit stärken.

Interview: Michael Kohli, Brot für alle | Foto: Brot für alle

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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