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Gesellschaft

Juana Vasquez Arcon aus Guatemala setzt sich für den Erhalt der Maya-Traditionen ein

Die Maya – Kinder des Maises

18.02.2020
«Saatgut ist Leben», sagt Juana Vasquez Arcon aus Guatemala und versucht, das traditionelle Saatgut der Maya zu erhalten. Sie wehrt sich gegen die Diskriminierung der indigenen Bevölkerung und koordiniert die Organisation Komon Ajq’ijab’.

Was bedeutet Komon Ajq’ijab’?
Juana Vasquez Arcon: «Komon Ajq’ijab’» ist ein ganzheitliches Prinzip, das sich auf alle Aspekte des Lebens bezieht. Das Materielle und das Spirituelle werden als integrale Bestandteile des Lebens verstanden. «Komon» heisst, sich zu vereinen, eine Gemeinschaft zu bilden; dies ist die Basis für das gute Leben. Die «Ajq’ijab’» üben die Spiritualität der Maya aus, führen Zeremonien durch und sind die Hüterinnen und Hüter der Maya-Kalender. Ajq’ijab’ sind Frauen und Männer gleichermassen, weil sie in der Kosmovision der Maya gleichgestellt sind.

Was ist die Arbeit der Vereinigung Asociación Maya para el Buen Vivir Komon Ajq’ijab’?
Juana Vasquez Arcon: Die Weltanschauung und Lebensweise der Maya wurde während 500 Jahren Kolonialismus stark in Mitleidenschaft gezogen. Unser Ziel ist es, die Bildung, die Sprachen und die Glaubenssätze wiederzuerlangen, die wir verloren haben. Die Unterdrückung, Diskriminierung und Marginalisierung der indigenen Bevölkerung ist in Guatemala allgegenwärtig. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Rechte als Indigene kennen, um gegen die Diskriminierung vorzugehen.

«Das traditionelle Saatgut ist durch das eingeführte genmodifizierte Saatgut bedroht.»

Die Arbeit von Komon Ajq’ijab’ bezieht sich also nicht nur auf das Spirituelle, sondern auch auf Fragen des Zusammenlebens und der politischen Beteiligung. Ein anderes Beispiel ist die Förderung der traditionellen Medizin. Wir wollen den Zusammenhalt zwischen den indigenen Gemeinschaften fördern, um ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln. 

Welche Bedeutung hat das Saatgut in der Kultur der Maya?
Juana Vasquez Arcon: Saatgut ist Leben. Ohne Saatgut gibt es keine Keimung, weder pflanzliches, tierisches noch menschliches Leben. Deshalb wachen wir über den Erhalt und die Pflege unseres traditionellen Saatguts, wie Mais, Bohnen, Amarant und unsere Heilpflanzen. Dies ist zurzeit eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, weil das traditionelle Saatgut durch die Einführung und Verbreitung von genmodifiziertem Saatgut bedroht wird.

«Wir wurden aus gelbem und weissem Mais erschaffen.»

Die Pflanzensamen haben natürlich auch eine spirituelle Bedeutung – insbesondere das Maiskorn. Laut der Kosmovision der Maya wurden die ersten vier Frauen und die ersten vier Männer aus gelbem und weissem Mais erschaffen. Deshalb sagen wir auch, dass wir Kinder des Maises sind. 

Was wünschen Sie sich für die kommenden Generationen und vor allem für die indigene Bevölkerung von Guatemala?
Juana Vasquez Arcon: Ich wünsche mir, dass die 22 Sprachgruppen der Maya zusammenkommen und sich ein gestärktes Bewusstsein für die Gemeinschaft entwickelt. Doch es braucht neben dem Bewusstsein auch die Umsetzung dieser Werte. Wissen ohne Praxis bringt keine Veränderung mit sich. Zudem wünsche ich mir vertiefte Beziehungen auf internationaler Ebene. Ich habe viel von diesem Austausch gelernt und die internationale Zusammenarbeit ist notwendig, um Probleme wie den Klimawandel anzugehen. Wir brauchen ganzheitliche Veränderungen, um die Erhaltung des Lebens der Menschen, Pflanzen und Tiere zu gewährleisten.

Was erwarten Sie von Ihrer Reise in die Schweiz?
Juana Vasquez Arcon: Ich erhoffe mir, dass wir uns begegnen können, mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, dass wir einander verstehen können, dass ich es schaffen werde, unsere Botschaft zu vermitteln. Denn diese Begegnung ist das Samenkorn für die Zukunft, verbunden mit der Hoffnung, dass die Projekte und Initiativen zum Schutz des traditionellen Saatguts in den verschiedenen Ländern weiterhin viel Gutes bewirken können. Das ist es, was ich will: Freundschaft, Verständnis, Liebe, Zuneigung und die Zusammenarbeit stärken.

Interview: Michael Kohli, Brot für alle | Foto: Brot für alle

 


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