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Spiritualität

Hat Gott eine Mama und einen Papa?

Fünf Fragen von Kindern nach Gott.

Samuel, 11 Jahre: «Ist das wirklich wahr?»

Lieber Samuel, die Kinderfrage «Ist das wirklich wahr?» höre ich als Religionslehrerin am meisten. Etwa, wenn ich den Drittklässlern die Mose-Geschichte erzähle. Die jüngeren Kinder sagen diesen Satz ehrfürchtig staunend, die älteren wohl eher altklug, lächelnd, herausfordernd. Kinder lieben Geschichten, und eine Religionsstunde ohne Geschichte ist für sie keine richtige Religionsstunde. 

Lieber Samuel, mir ist es wichtig, dass ihr gleich zu Beginn wisst, um was für eine Geschichte es sich handelt; ist es eine Legende, eine erfundene Geschichte, die gut zu unserem Thema passt, oder eben eine biblische Geschichte mit einem ganz anderen Wahrheitsanspruch. Ich persönlich glaube, dass biblische Geschichten wahr sind und dass mit mir wohl über zwei Milliarden Christen auf der Welt der gleichen Meinung sind. Manchmal sind die biblischen Geschichten ganz aktuell. Zurzeit wütet beispielsweise eine Heuschreckenplage in Ostafrika, wohl ähnlich beeindruckend wie zu Zeiten von Mose. Oder wir erleben ansteckende Krankheiten, die viele Menschen «plagen». 

Lieber Samuel, du selber hast da sicher vieles erlebt. Etwa den Hagelsturm, der Schäden an der Natur und sogar an Autodächern verursacht hat. Es gibt viele solcher Fakten, die zum  Nachdenken anregen. Aber letztendlich entscheidest du selber. «Ja, ich glaube, es ist wahr!» oder eben nicht. Und das ist auch gut so.

Beantwortet von Beatrice Mahler-Fischer, Religionslehrerin am Bruderholz-Schulhaus, Basel

 

Estelle, 9 Jahre: «Wo wohnt Gott?»

Liebe Estelle, das ist eine uralte Frage, die du da stellst, eine Frage, die Menschen schon immer beschäftigte. – Vielleicht hast du dich sogar schon gefragt, ob Gott eine Adresse hat, wie beispielsweise Paradiesweg 3, 4037 Himmelreich. Bei dieser Frage fallen mir zwei alte Geschichten ein. Die eine geht so:

Ein kleiner Junge ging zu seinem Rabbi und sagte zu ihm spitzbübisch: «Ich gebe dir 100 Schekel, wenn du mir sagst, wo Gott wohnt.» Der Rabbi antwortete ihm: «Und ich gebe dir 200 Schekel, wenn du mir sagst wo ER nicht wohnt.»

Auf die Frage, wo Gott wohnt, wurden schon viele verschiedene Antworten gegeben: Gott wohnt im Himmel – aber in welchem? Gott wohnt in der Natur. Gott wohnt in der Schöpfung. Gott wohnt im Tempel oder in der Kirche. Und zugleich war den Menschen bewusst, dass ein Gebäude viel zu klein für Gott ist, weil Gott doch viel grösser sein muss. Auch die Bibel gibt auf diese Frage interessante Antworten: Die Erde ist voll von Gottes guter Gegenwart. Gott will bei seinem Volk, bei seinen Menschen wohnen.

Wer Gott liebt, zu dem will Gott kommen und bei ihm wohnen.

Und schliesslich bedeutet Gottes Name «Ich bin da» und «Gott ist mit uns».

Diese Antworten kommen bei uns Menschen ganz unterschiedlich an. Die einen freuen sich darüber, dass Gott so nah und persönlich sein möchte; für andere ist das vielleicht zu nah. Aber keine Angst. Gott drängt sich nicht auf und zügelt nicht einfach ungefragt in das Leben von einem Menschen. Auch dazu gibt es eine alte Erzählung:

Ein Rabbi fragt seinen Schüler: «Weisst du denn überhaupt, wo Gott wohnt?» Als der verblüfft verstummt, fährt er fort: «Ich werde es dir sagen: Gott wohnt dort, wo man ihn einlässt.»

Gott wohnt dort, wo man ihn einlässt. Wo wir Menschen uns für Gott öffnen, ihn in unser Leben bitten, ihm unsere Türen öffnen, auch die inneren Türen von Kopf und Herz, dort wohnt Gott. Ja, und dann kannst du deine eigene Adresse angeben, wenn die Frage kommt, wo wohnt Gott? 

Beantwortet von Sabine Herold, Pfarrerin in Wohlen

 

Kevin, 7 Jahre: «Wie lang ist das Telefonkabel von Gott?»

Lieber Kevin, nach dem kleinen Lied «Hallo-Hallo, schön, dass Du do bisch» begrüssen wir den lieben Gott. Dazu rufen wir ihn im Himmel an und das geht so: wir falten unsere Hände – sie sind jetzt quasi unser Gottes-Handy, denn sie bewirken, dass es oben im Himmel bei Gott klingelt. Wenn alle ganz ruhig sind, kann man das ferne Klingeln sogar hören. Gott nimmt dann den Hörer ab und wir können ihm alles erzählen, was uns auf der Seele liegt.

So beginnen wir jeweils eine Relistunde und die Kleinen sind mittlerweile schon richtige Gebets-Profis. Ausser du, lieber Kevin. Bei dir will es nicht so recht gelingen. Als du an die Reihe kommst, mit Gott zu telefonieren, kommt nichts. Du presst deine Lippen fest aufeinander und  schüttelst den Kopf. Dann offnest du deine Hände und rufst: «Frau Dölöwe (so heisse ich bei den meisten Kindern), das got gar nit.» Du meinst, dass kein Telefonkabel der Welt so lange sein kann, dass es bis in den Himmel reichen würde. «Und e Handy het au kei Empfang bis dört uffe.»

Es wurde eine gute Stunde. Denn durch deine vermeintliche Störung hast du, Kevin, uns ins Herz des Glaubens geführt. Wir redeten darüber, wie wir mit Gott in Kontakt kommen können – dass es eben keine Technik, keine Zwischeninstanzen, keine Öffnungszeiten und keinen bestimmten Raum braucht, um mit Gott zu reden. Dass Gott immer für uns da ist. Dass niemand zu klein und kein Anliegen zu gering ist für den lieben Gott. Wichtig ist nur, dass wir Gott etwas erzählen möchten – dass wir unser Leben mit ihm teilen möchten, dass er ganz selbstverständlich Teil unseres Fühlens, Denkens und Handelns wird. Dann leben wir in Gott und er in uns.

Beantwortet von: Florence Develey, Pfarrerin in Reinach

 

Tina, 7 Jahre: «Wieso musste Oma sterben? Ist sie jetzt im Himmel?»

Liebe Tina, Gott hat unsere Welt ganz wunderbar geschaffen. Aber alles auf der Welt ist vergänglich. Das ist für uns manchmal schwer zu verstehen. Ich glaube fast, je kürzer etwas lebt, desto besser gefällt es uns. Stell dir vor, wir hätten jeden Tag einen Regenbogen am Himmel. Denkst du, dass wir ihn dann noch so bestaunen würden? Ich glaube, wenn etwas immer da ist, verlieren auch die bunten Farben mit der Zeit ihren Reiz. Im Frühling freue ich mich zum Beispiel jeweils ganz besonders über die ersten Schmetterlinge, weil ich den ganzen Winter über keinen gesehen habe. 

Auch alle Menschen müssen sterben. Stell dir einmal vor, wie eng es würde, wenn du mit deinen Gross-, Urgross- und Ururgrosseltern im gleichen Haus wohnen müsstest. Das Schöne am Leben ist, dass Kinder geboren werden, dass junge Tiere auf die Welt kommen und dass Bäume, Sträucher und Wiesen blühen und später Früchte tragen. Das Traurige daran ist, dass wir immer wieder Abschied nehmen müssen: Im Winter erfrieren einige Pflanzen im Garten, weil sie den Frost nicht ertragen. Die meisten Haustiere leben nur ein paar Jahre, dann müssen wir sie gehen lassen. Und auch liebe Menschen müssen einmal sterben. 

Du bist traurig, weil deine Oma nicht mehr da ist. Ich schenke dir darum ein Buch. Es heisst: «Ich habe DICH im Herzen, Trauer- und Erinnerungsalbum für Kinder». Die vielen Seiten sind fast leer. Nur eine kleine Maus macht dir darin ein paar Vorschläge, wie du die Blätter gestalten kannst. Schreib vorne den Namen deiner Oma rein, notiere ihre Augenfarbe, ihre Lieblingsmusik, was sie gern gemacht hat, was du alles mit ihr erlebt hast … Du darfst zeichnen, Bilder einkleben oder notieren, was dir durch den Kopf geht. So entsteht mit der Zeit ein buntes Buch, das nur dir und deiner Oma gehört – und immer, wenn du darin blätterst oder daran arbeitest, ist sie dir nah, weil du fest an sie denkst. 

Ich weiss nicht, wo deine Oma jetzt ist. In der Bibel hat es verschiedene Hinweise auf den Ort, an den wir später kommen. Da steht, die Kranken werden gesund und die Traurigen werden getröstet. 

Ich glaube ganz fest, dass sie jetzt bei Gott und gut aufgehoben ist. Und was denkst du?

Beantwortet von Andrea Roth, Katechetin reformierte Kirchgemeinde Willisau-Hüswil

 

Miriam, 8 Jahre: «Wie kann Gott alle Gebete gleichzeitig hören? Hat er so viele Ohren?»

Gott ist kein Mensch. Wir haben nur zwei Ohren, aber Gott ist grösser als alles, was wir uns vorstellen können. Deshalb ist das für Gott möglich. 

Weisst du, beten ist wie telefonieren, aber es geht kabellos. Die Menschen brauchten Kabel, bis sie das WLAN erfunden haben. 

Mit Gott konnte man schon immer ohne Kabel telefonieren. Darum hört er alle Gebete gleichzeitig und zu jeder Zeit. Deshalb kannst du auch zu jeder Zeit beten. Gott ist wie ein Freund, der immer da ist. Du kannst Gott alles anvertrauen, er sagt es nicht weiter. Es gibt nichts, was du Gott nicht sagen kannst. Gott antwortet dir auch. 

Was denkt ihr? Wie und wo antwortet Gott? Hat jemand schon eine Antwort erhalten? Richtig, wir spüren seine Antwort im Herzen. 

Beantwortet von Conny Gfeller, Katechetin im Kanton Schaffhausen