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Kirche

Ostern in Zeiten der Corona-Krise

02.04.2020
Gottesdienst im Fernsehen, Kreuzweg im Internet und Abendmahl daheim. Social Distancing verändert das wichtigste evangelische Kirchenfest. Kerzen werden zum Zeichen der Hoffnung und der Verbundenheit angezündet.

Ostern heisst in diesem Jahr ein Verzicht auf gewohnte Rituale wie den Gottesdienstbesuch, den Osterbrunch oder das grossangelegte Ostereiersuchen mit Familie und Freunden. Dennoch wollen die Kirchen in Zeiten des Social Distancing am wichtigsten Fest des evangelischen Kirchenjahres Nähe schaffen. Sie rücken als Institutionen gar näher zusammen.

Die Aktion «Lichtblick» ist ökumenisch. Sie wird von der evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), der Schweizer Bischofskonferenz SBK, der Christkatholischen Kirche, der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA und dem Verband freikirchlicher Gemeinden VFG lanciert. Diese Form der Zusammenarbeit habe es noch nie gegeben, schreibt die EKS und zitiert ihren Präsidenten Gottfried Locher: «Suchen wir neue Wege zueinander in dieser ungewissen Zeit.» Zum Lichtblick Ostern seien die Gläubigen gemeinsam unterwegs. Zentrales Element für das Osterfest in unsicheren Zeiten: Die brennende Kerze.

Eine Gemeinschaft um das Licht
Einen Teil der Osteraktion hatten die Kirchen bereits unmittelbar nach dem Beginn des Notstandes Mitte März kommuniziert. Sie laden ihre Mitglieder seitdem dazu ein, Donnerstags, vorerst bis zum Gründonnerstag um 20 Uhr eine Kerze ins Fenster zu stellen und für alle Erkrankten, ihre Angehörigen, für durch die Isolation vereinsamte Menschen sowie medizinisches Personal zu beten.

Doch auch am Osterfest selbst sollen Kerzen vor den Fenstern ein Signal setzen: Am Karsamstag laden die Kirchen die Gläubigen dazu ein, sie um 20 Uhr anzuzünden, gleichzeitig sollen Kirchgemeinden im ganzen Land draussen Osterlichter entfachen. Die Idee dahinter: Die Gläubigen bilden eine Gemeinschaft rund um das Licht, wie die EKS schreibt. Das Licht wiederum symbolisiere die Auferstehung Jesu Christi.

Auch hörbar soll die christliche Oster-Gemeinschaft sein. Am Gründonnerstag um 20 Uhr und am Ostersonntag um 10 Uhr werden schweizweit alle Kirchenglocken läuten.  Weil die Kirchenräume leer bleiben, dürfte es Gläubige vermehrt vor den Fernseher oder ins Internet ziehen. Am Sonntag vor Ostern (5.4. 10 Uhr) hat das SRF deshalb einen zusätzlichen ökumenischen Gottesdienst ins Programm aufgenommen, der reformierte Pfarrer Niklaus Peter und sein katholischer Amtskollege Alfred Böni gestalten ihn gemeinsam.

Am Karfreitag kommt die reformierte Kirche Bruggen in St. Gallen zum Zug, den Gottesdienst am Ostersonntag überträgt das SRF aus Martigny. Viele Pfarrer stellen ihre Predigten zudem als Video ins Internet.

Das Internet gewinnt in diesen Zeiten auch bei der spirituellen Begleitung an Bedeutung. Der Ökumenische Zürcher Kreuzweg etwa darf am Karfreitag nicht als Umzug durch die Stadt stattfinden. Texte und Gebete aller sechs Stationen werden aber als Audio- und Video-Dateien auf der Seite des Kreuzwegs Online geschaltet.

Nicht Pfarrpersonen vorbehalten
Die aussergewöhnliche Lage vor der Tür könnte zu ungewohnten Szenen in den eigenen vier Wänden führen. Die EKS hat umfangreiche Ressourcen zum Thema Ostern auf ihrer Webseite aufgeschaltet, etwa Lieder, Gebete und Ostersegen. Auch einzelne Gemeinden geben ihren Mitgliedern Inputs. Die Kirchgemeinde Langenthal lädt etwa ihre Mitglieder dazu ein, daheim im Familienkreis oder gar alleine das Abendmahl zu feiern. «Bis vor einigen Tagen wäre mir dieser Gedanke nicht einmal gekommen, aber es ist ein schöner Vorschlag», sagt der Vorsitzende des Pfarrkonvents Zürich, Matthias Reuter.

Er vermutet zwar eine «mystisch, magische Hürde» bei manchen Gläubigen. Mit dem in der reformierten Kirche verankerten Verständnis des Priestertums aller Gläubigen seien die Einsetzungsworte nicht dem Pfarrer vorbehalten, sondern könnten von jedem Christen gesprochen werden. «Auch so stellen wir uns in die Glaubensgemeinschaft.»

Cornelia Krause, reformiert.info, 2. April 2020