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Kultur

Auf Schatzsuche

22.07.2020
Der Kirchenweg von Frauenfeld nach Gerlikon hält als Geocache-Weg, eine moderne Art der Schatzsuche, manch eine überraschende Aus- und Einsicht bereit.

Das fängt ja gut an! Seit 15 Minuten irre ich mit dem Handy im archäobotanischen Garten des Naturmuseums Frauenfeld herum und suche einen Schatz, einen Cache, wie er in der Welt der GPS-Schnitzeljagd genannt wird. Dieser soll sich in einem 35 Millimeter grossen Filmdöschen verstecken, was sich angesichts des üppigen Pflanzenwachstums als echte Herausforderung herausstellt. Belustigte Blicke von Passanten helfen auch nicht weiter, ebenso wenig die Online-Hinweise, wo sich der Cache nicht befindet. Nach weiteren zehn Minuten breche ich die Suche ab; meine Gedanken sind zusätzlich durch die starke Bise verwirrt. Zuflucht finde ich in den beiden Stadtkirchen, die nebst den Caches ebenfalls zum Aufsuchen einladen. Die katholische Stadtkirche St. Nikolaus, erstmals seit Wochen für den Pfingstgottesdienst mit Absperrbändern bei jeder zweiten Kirchenbank hergerichtet, besticht durch ihre neubarocke Raumgestaltung und eine freundliche Atmosphäre. Auch die evangelische Stadtkirche empfängt zum ersten Mal wieder Gottesdienstbesucher, unter Schutzmassnahmen. In diesem schlichten Kirchenraum ist mein Blick ganz auf das Farbfenster von Augusto Giacometti gerichtet, durch welches das Sonnenlicht strömt. 

Kappellen mit Geschichte
Nächster Halt ist das Klösterli Frauenfeld. Auch der Weg dorthin ist mit Schwierigkeiten verbunden: Wegen der Baustelle an der St. Gallerstrasse ist der direkte Zugang versperrt, ich muss einen Umweg machen. Wie das wohl weitergeht, frage ich mich, als ich begleitet von lautem Baulärm und heftigen Windböen die Treppe hoch zum Klösterli steige. Doch kaum betrete ich die Kirche: Ruhe, sowohl vom Wind als auch vom Lärm. Der Geist der Kapuziner, die früher hier lebten, ist in der schlichten Ausstattung ersichtlich. Hier tanke ich neue Energie, um den Weg hinaus aus der Stadt, hin zur nächsten Kapelle und zum nächsten Cache anzugehen. Vorbei am Walzmühleareal wird es abseits des Verkehrs ruhiger, umso mehr vernehme ich meinen Atem im steilen Anstieg des Heerenbergwegs. Am Waldrand angekommen sehe ich bereits die Bruderklausen-Kapelle. Ich suche zuerst nach dem Cache – vorerst wieder Fehlanzeige – dann beschliesse ich mein Picknick zu geniessen. Eigentlich sollte ich gemäss Hinweis vom beschriebenen «Bänkli» aus eine tolle Aussicht haben. Direkt vor der Nase habe ich hingegen eine wuchtige Eibe. Na klar, denke ich, die KirchenWege wurden vor etwa acht Jahren lanciert, da verändert sich in der Natur einiges. An der Eibe vorbei blicke ich aus einem mir unbekannten Winkel auf Frauenfeld. Dominant stechen die Kirchtürme der beiden Stadtkirchen hervor. Um mir Unterstützung «von oben» für meine Suche zu - zusichern, betrete ich die Kapelle, die eine Privatperson in den 1950er-Jahren als Dank für ihre Genesung erbauen liess, und dies allein durch den Verkauf von eigenen Grusskarten. 

Sinn nicht erschlossen
Mit der Cache-Suche ist es wirklich zum Haare raufen, was ich wegen des Windes nicht mal selber machen muss. Schnell noch den Abfall entsorgen und da, unter einem Busch, entdecke ich eine verwitterte Metallschachtel. Ich öffne die Schachtel, in der sich eine Plastikfigur und einige Zettel befinden, die ich nicht genauer untersuchen mag. Irgendwie hat sich mir weder der Inhalt noch der Sinn dahinter erschlossen. Da finde ich endlich einen Schatz und dann: Zweifel, Ernüchterung? Wie oft ist mir das in meinem eigenen Leben schon passiert? Oder liegt es daran, dass ein für jedermann geltender Schatz für mich nicht gleich wertvoll erscheint? Mit diesen Gedanken steige ich im Wald hoch nach Gerlikon. Dort angekommen konsultiere ich das Handy, doch das nächste Versteck ist nicht eingezeichnet. Umso wertvoller erscheint mir der Innenraum der Kapelle St. Georg aus dem 13. Jahrhundert mit den schönen Wandmalereien. Auf dem Weg zurück wären zwar noch einige Caches im Wald versteckt, doch ich verzichte darauf, durchs Unterholz zu streifen, und wandere beherzt zurück nach Frauenfeld. Ich habe «meinen» Schatz dann doch noch gefunden: Rote Mohnblüten in einem Getreidefeld, umrahmt von Vogelgezwitscher und Schäfchenwolken. Herrlich! 

PS: Den ersten Cache im Museumsgarten habe ich zwei Tage später entdeckt. Gut’ Schatzsuche will Weile haben!


(Claudia Koch)


Flyer zum Herunterladen.


Weitere Thurgauer Kirchenwege entdecken.


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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