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Kultur

Kleine Schätze entlang der Thur

22.07.2020
Der Kirchenweg von Weinfelden nach Bischofszell bietet historische Schwergewichte und interessante Erkenntnisse.

Ausgangspunkt ist Weinfelden. Die katholische Kirche St. Johannes liegt gleich neben dem Friedhof, unweit des Bahnhofs. Sie strahlt aussen weiss und barock. Innen ist sie dagegen in Beige gestrichen. Viele Statuen «möblieren» die Kirche. Leise Musik hilft zur Ruhe zu kommen. Die bunten Glasfenster aus den 1930er-Jahren haben überwiegend Themen aus der hebräischen Bibel: Moses, David, die Vertreibung aus dem Paradies etc. und zwei beeindruckende Erzengel. Das Neue Testament ist mit Maria und Jesus am Ölberg vertreten. Diesmal fielen mir die Angaben zu den Spender*innen der Fenster besonders auf. Sie sind integrierter Bestandteil der Scheiben. Was mag Menschen dazu bewogen haben, sich dort so prominent zu verewigen? Wollten sie sich als gute Christen ausweisen? Den Weg zum Himmel ebnen? Gäbe es etwas, das ich mit meinem Namen so entschieden mir zuordnen wollte? Die Katholiken bauten erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine eigene Kirche. Die bauliche Ökumene dauerte recht lange!

Auf dem Berg
Die beiden Sulgener Kirchen liegen vom Bahnhof her kommend oben im Dorf. Mir kommt der Psalm-Vers in den Sinn «Wir ziehen hinauf zum Berge des Herrn». Die katholische Kirche ist sofort sichtbar, ein Betonbau, massiv mit kleinen Fenstern, die das Licht filtern. Dies gibt dem Innenraum eine Atmosphäre der Besinnung. Die Modernität wird durch eine alte Madonna mit Kind kontrastiert. In Corona-Zeiten standen viele Kerzen vor ihr. Der Raum war coronamässig vorbereitet, mit rotweissen Bändern jede zweite Bank abgesperrt, selbst die Gesangbücher sind in Quarantäne! Irritierend, aber notwendig. Der Altar liegt übrigens im Raum weit hinten an der Rückwand – für mich ein bisschen weit weg vom Volk! Nach einem kurzen Spaziergang kommt man im alten Dorfkern zur reformierten Kirche. Sie ist eher pragmatisch gestaltet. Dafür lädt die Umgebung mit einem kleinen Park inmitten alter Riegelhäuser zum Verweilen ein, inklusive Restaurants. Die Sulgener Kirche ist historisch ein Schwergewicht, sie hat eine mehr als 1000 Jahre alte Geschichte: Mutterkirche für Berg, Erlen, Bürglen und Neukirch. Die Kirche war bis 1961 paritätisch. Sehr berührt hat mich der Bericht der grossen Nöte um 1700, als der Pfarrer wegen Pest und Hungersnöten allein in Berg 150, in Sulgen 814 Opfer bestatten musste.

Hinabsteigen zu Kirchen und Rosengärten
In Bischofszell liegen die beiden Kirchen nicht weit vom Bahnhof entfernt. Man geht hier nach unten. Die evangelische Johanneskirche, ein moderner zweckmässiger Bau aus Beton, ist nur wenige Schritte entfernt. Das Innere vermochte mich nicht «anzuheimeln», wobei die technischen Installationen für die Übertragung der Gottesdienste wegen der Corona-Zeit sicher ihren Teil dazu beitrugen. Ist die Kirche geschlossen, kann man sich im Sekretariat melden. Der Vorplatz aber bietet eine prächtige Sicht auf die Altstadt, die man geniessen sollte! Ein kleiner Weg nach unten führt zum barocken Rosengarten, den ich in Blüte erlebte. Dahinter liegen die Gassen der Altstadt. Die katholische Kirche St. Pelagius diente seit dem 13. Jahrhundert als Pfarrkirche, bis 1968 paritätisch. Der Chor der drei Schiffe wird mit je einer Seitenkapelle erweitert. Die Kirche bietet viele Stile und Kunstwerke aus der Vorreformation sowie eine neugotische prächtige Marienkapelle. Das Schiff ist karg mit schlichten Bänken fürs Volk, der Chor dagegen Barock mit allem Glanz und prächtigem Gestühl. Es lohnt sich, Zeit und Ruhe mitzubringen für diesen Raum. Ganz nah liegt die Michaelskapelle (14. Jahrhundert) und die Kirchenwiese, früher ein Friedhof, auf der heute die Kinder spielen. Sie ist von wunderbaren alten Häusern eingerahmt, ein Platz wie aus der Zeit gefallen. Die Gassen der Altstadt mit Orten wie «Süsser Winkel», «Verlorenes Loch» oder «Zitronengässchen» sowie das prachtvolle Rathaus sind einen Spaziergang wert.

Gemeinsam genutzte Kirchen
Bei dieser Reise fiel mir auf, wie lange die Kirchen in diesem Raum paritätisch genutzt wurden – durchaus nicht immer friedlich. Aber man musste miteinander einen Weg finden, mindestens bei der Gottesdienstzeit. Ich bin per Bahn gereist, aber man kann auch den Bus oder das Velo nehmen, durchs Thurtal an Industrieanlagen und idyllischer Natur vorbei. Es lohnt sich bestimmt, für Bischofszell mit seiner reichen Geschichte einen ganzen Tag zu reservieren!


(Christiane Faschon)


Flyer zum Herunterladen


Weitere Thurgauer Kirchenwege entdecken.


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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