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Leben & Glauben

In «Geld» we trust – oder doch in Gott?

19.10.2020
Reichtum ist grundsätzlich nichts Schlechtes, allein die Haltung gegenüber dem Geld zählt – sagt die Bibel. Und Gottvertrauen schadet nicht.

Was für eine schöne Ironie: «In God we trust, wir vertrauen Gott!» So steht es auf jeder Dollarnote, der globalen Leitwährung. Ja, was nun? Sollen wir Gott oder dem Geld vertrauen? 

Wer sich umhört bei Fachleuten für Finanzen und Religion, gewinnt rasch den Eindruck, dass Geld und Gott sich in etwa so zueinander verhalten wie ein älteres Ehepaar. Sie kriegen sich in die Haare und können doch nicht voneinander lassen. Als hätte die Finanzwelt etwas Religiöses und die Religion etwas Ökonomisches. Kein Zufall – versprechen doch beide das Gleiche: Sicherheit in Krisen, Erlösung vom Übel und das Paradies. Dafür braucht’s nur Credit. Oder Credo. So eine Art Vertrauensvorschuss. 

Lob des Reichtums

Die christliche Tradition zum Geld ist vielschichtig. Einerseits wird emotionsfrei vom Reichtum berichtet, wie etwa bei Abraham und Sara, die als Krösusse galten. Oder Hiob. Er wird von Gott mit Gold überschüttet, kriegt dazu 6000 Kamele und 1000 Eselinnen. Zehn Kinder gab’s noch obendrauf. Und die biblische Weisheit weiss, dass Gott die Arbeit des Fleissigen gut belohnt, eine Einsicht, die wohl irgendwann ihren Weg in die helvetische DNA fand. 

Im Neuen Testament stehen zwei Frauen für mondänen Luxus, jene Dame der Jerusalemer Haute Volée, die Jesus mit einem sündhaft teuren Eau de Toilette parfümiert. Dies nur wenige Stunden vor seinem Ableben, was Kritiker schon damals zur Schnappatmung zwang: «Wie sinnlos ist das denn? Hätte man das Geld lieber den Armen gegeben!» Ihr zur Seite steht Lydia, eine Frau, über die man gerne mehr erfahren würde. Sehr eigenständig, emanzipiert, eine spirituell Suchende – und richtig reich, diese selbstständige Purpurhändlerin, Handlungsreisende zwischen Orient und Okzident mit dem teuersten Farbstoff der Welt. Sie verkehrte in höchsten Kreisen und verdiente am Luxusgut hinlänglich.

Klage der Armut

Andererseits ist auch Armut ein Thema. Der bekannteste Beleg ist das scharfe Jesuswort, man könne nicht gleichzeitig Gott dienen und dem Geld. Der gelernte Zimmermann war denn auch eher mittellos unterwegs, mit Frauen und Männern, die sich seinem Armutsideal anschlossen und vorderhand im Hier und Jetzt lebten, weil sie damit rechneten, dass Gott sie schon versorgt. Als einmal ein Reicher dazustossen wollte, forderte Jesus ihn auf, dem Besitz zu entsagen. Fehlanzeige. Jener ging traurig weg. Schliesslich kommt eher ein Kamel durchs Nadelöhr als ein
Reicher in den Himmel.

«Wenn viel Geld wirklich glücklicher machen würde, würde man diese Leute doch auf der Strasse erkennen!»
Paul Zumbühl

Das alles knüpft nahtlos an ans Zinsverbot des Alten Testaments. Und an die Forderung zum Schuldenerlass, einer Sozialklausel, damit die Unterschiede nicht zu gross würden. Psalmen erzählen von der Nähe Gottes zu den Armen: Er verschaffe ihnen Recht, rette sie vor den Räubern und helfe ihnen, aufzustehen. Propheten kritisieren die Ausgrenzung: Die Reichen hätten ihnen die Häuser geraubt, verkauften sie um ein paar Schuhe und an ihren Kleidern hänge das Blut der Armen. Ein Diktum, das merkwürdig aktuell tönt, da der Westen doch heute allzu oft seine Kleider und Hosen aus den Händen asiatischer Näherinnen so gedankenlos trägt wie wegschmeisst. Die aber haben oft kaum mehr als einen Dollar am Tag. Und auf dieser Note steht dann «In God we trust». 

Auf die Haltung kommt es an

Die grosse spirituelle Tradition der Christenheit steht zum Geld also insgesamt eher nüchtern: Es kommt ihr nicht so sehr darauf an, Reichtum und Armut zu beurteilen, als wäre das eine immer gut und das andere immer schlecht. Oder umgekehrt. Viel wichtiger ist ihr die Haltung gegenüber dem Zaster: Erwartet man von Scheinen und Münzen Glück, Erfüllung und Sicherheit – also mehr, als alles Geld der Welt leisten kann – und rafft so viel, wie es geht? Oder ist man in der Lage, loszulassen und zu geben, was man kann? «Gier» hiess das Raffen früher und meinte «den Hals nicht vollkriegen». Sie kann Arme wie Reiche treffen, Banker und «Büezer», und Sprungbrett werden für Hochmut und Gottvergessenheit. Das Gegenteil wäre Gottvertrauen. Jesus mahnte denn auch: «Was würde es einem Menschen helfen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber Schaden nähme an seiner Seele?» Nichts. Und Paulus pflichtet ihm bei: «Ich kenne beides, Entbehrung und Überfluss, Sattsein und Hungern und halte beides aus durch Gott, der mir Kraft gibt.» Wie nüchtern, wie gelassen doch Gottvertrauen sein kann! Also: Die Haltung macht’s, und nicht der messbare Stand auf dem Konto. 

«Gier steckt das Hirn an»

«Geld ist ein Tauschmittel, sonst nichts», erklärt denn auch Paul Zumbühl, und er wirkt dabei ebenso locker wie nüchtern, mit spürbarer christlicher Bodenhaftung. Der Mann muss es wissen. Sein Leben lang hat er mit Geld gearbeitet, im Finanz- und Kreditsektor, auch als Anlageberater und zuletzt als Regionalleiter der hiesigen Kantonalbank. Und er hat doch in all den Jahrzehnten nie seinen Kompass verloren, blieb stets emotionsfrei dem Papier und den Talern gegenüber, die das Material nicht wert sind, das ihr Aufdruck verheisst. «Gier steckt das Gehirn an, und dann funktioniert es nicht mehr», kann er sich fast lustig machen über allzu blinden Glauben ans Materielle.

«Geld ist nur ein Zahlungsmittel und bedeutet eine gewisse Freiheit, doch wirkliche Freiheit haben wir nur, wenn der Geist frei ist.»

Oswald Grübel

Wenn die Grundbedürfnisse gestillt seien, führe mehr Geld selten zu mehr Glück, findet er. Und kann es beweisen: «Wenn viel Geld wirklich glücklicher machen würde, würde man diese Leute doch auf der Strasse erkennen!» Doch Fehlanzeige. Mehr Wohlstand führe eher zu mehr Neid und Stress. Auch bei Lottogewinnern. Eine Studie zeige, dass 75 Prozent von ihnen nach vier Jahren ärmer seien als zuvor. «Nichts betäubt die Sinne mehr als leicht verdientes Geld.» Deswegen sei Vererben auch oft so heikel, so Zumbühl. Plötzlich stehe viel Geld im Raum, aber auch eine Familiengeschichte. «Nichts ist dann schlimmer, als das Erbe ungleich zu verteilen», rät er. Sonst vererbten sich die «offenen Rechnungen» zwischen den Erben gleich mit. Das passt ganz gut zum Volksmund, der weiss, dass das Totenhemd keine Taschen hat. Also, loslassen und raus damit. Mitnehmen kann sowieso keiner was, dann lieber gleich Gutes damit tun. 

«Schotter» nicht überbewerten

In die gleiche Richtung zielt der langjährige Banken-Chef Oswald Grübel. Im Interview mit dem Pfarrblatt meint er: «Geld ist nur ein Zahlungsmittel und bedeutet eine gewisse Freiheit, doch wirkliche Freiheit haben wir nur, wenn der Geist frei ist.» Und er bricht eine Lanze dafür, mit Geld Gutes zu tun: «Vor hundert Jahren hatten wir achtzig Prozent hungernde Menschen auf der Welt, heute sind es zehn Prozent. In fast jedem Land zahlen zwanzig Prozent achtzig Prozent der Steuern, ohne Reiche würden die Demokratien kollabieren.»

Nicht dass damit alle Ungerechtigkeiten aus der Welt sind! Es gibt noch viel zu tun, klar. Aber mit missionarischem Übereifer alles Heil von monetärer Gleichheit zu erwarten scheint nur eine Form der religiösen Hyperventilation zu sein, eine übererregte Aufladung des Geldes mit mystischer Erlöserkraft, die es doch nie hat. Wie will man für Arme sorgen, wenn man selbst nichts hat? Besser scheint es, nüchtern zu bleiben und Gutes zu tun. Und gut ist es, ab und zu einen Dollar anzuschauen und zu lesen, was draufsteht: «In God we trust!»

Text: Reinhold Meier, BR-Journalist und Psychiatrie-Seelsorger, Wangs | Fotos: Pixabay (Dollar), Hansjörg Walter – Kirchenbote SG, November 2020

Immer mehr Millionäre in der Schweiz

Anfang des Jahres 2020 war Ernesto Bertarelli (Waypoint Capital) mit einem Vermögen von rund acht Milliarden US-Dollar der reichste Schweizer. Auf Platz zwei folgen Gianluigi Aponte, der Gründer des italienischen Reedereiunternehmens Mediterranean Shipping Company (MSC), und seine Frau Rafaela Aponte, mit einem gemeinsamen Vermögen von 6,5 Milliarden US-Dollar. Rang drei belegt Hansjoerg Wyss (Synthes) mit 5,5 Mia. Dollar, gefolgt von Magdalena Martullo-Blocher (Ems-Chemie Holding) mit 5 und Rahel Blocher (CA Technologies) mit 4,9 Mia. Dollar Vermögen. Die weiteren reichsten Schweizer sind Dona Bertarelli, Margarita Louis-Dreyfus und Familie (Louis Dreyfus Company), Thomas Schmidheiny (Lafarage Holcim), Martin Haefner (CA Technolgies) und Rudolf Maag (Investor). 

In der Schweiz stieg 2019 die Zahl der Dollar-Millionäre um 13,9 Prozent auf 438 000. Ihr Gesamtvermögen stieg um 14,1 Prozent. An der Spitze des Clubs der Reichen stehen die USA, gefolgt von Japan, Deutschland und China. Diese Länder stehen zusammen für nahezu 62 Prozent der Vermögenden weltweit. Die Schweiz belegt den siebten Rang. (Quelle: Forbes) 


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Von Fredy Rechsteiner erfasst am 29.09 2020 20:41

Vorsicht, Rücksicht und Zuversicht

Frank Sachweg unterstellt den Corona-Massnahmenkritikern, sie seien assoziale, unverschämte Egoisten und kennen weder Vorsicht noch Rücksicht. Dabei erkennt er nicht, das diese Personen gerade aus Nächstenliebe die übertriebenen Massnahmen ablehnen. Niemand hat etwas gegen Händewaschen usw. Dies ist der Blitzableiter, der schon immer angewandt wurde. Einfach und wirkungsvoll. Die neuen Massnahmen, die nun aber die physische und psychische Gesundheit angreifen und die Abwehrkräfte schwächen, werden mehr Opfer fordern als die sogenannte Pandemie selbst. Das Coronavirus wird Opfer fordern wie jede schwere Grippewelle bisher, aber es ist keine alles dahinraffende Seuche. Wer das um jeden Preis verhindern will, nimmt auch in Kauf, dass für seine Sicherheit 100tausende Kinder verhungern, hunderte Millionen Menschen ihre existenzielle Lebensgrundlage verlieren oder Tausende in den Suizid getrieben werden. Auch die Folgen von Sauerstoffmangel durch Maskentragen (Förderung von Demenz) oder von gentechnisch hergestellten Impfstoffen werden nicht spurlos an uns vorbeigehen. Wenn nun auch noch das Argument aufgegriffen wird, man dürfe niemanden gefärden, muss grundsätzlich alles verboten werden. Autofahrer gefärden, Alkohol gefärdet, sogar ein Bienenstich kann das Leben bedrohen. Vorsichtig, rücksichtsvoll und zuversichtlich wollen wir alle sein. Die Frage ist, was ist unsere Motivation? Ist es die Liebe oder die Angst? Die Bibel sagt dazu: Wirkliche Liebe ist frei von Angst. Ja, wenn Gottes vollkommene Liebe uns erfüllt, vertreibt sie sogar die Angst. Wer sich also fürchtet und vor der Strafe zittert, bei dem ist Gottes Liebe noch nicht zum Ziel gekommen. 1.Johannes 4:18

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