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Gesellschaft

Mit dem Problem nicht alleine bleiben

24.10.2020
Seit fünf Jahren sind Marco Hämmerli und Romy Baumann als Jugendkontaktpolizei Ansprechpartner für Jugendliche, aber auch für Schulen und Institutionen. Ein immer wieder aktuelles Thema ist dabei Mobbing.

Die Zeit der Pubertät ist unter anderem geprägt durch die Entwicklung und Findung der eigenen Identität. Dies geht immer auch einher mit einer Art der Abgrenzung. In diesem Zusammenhang werden laut Marco Hämmerli häufig Personen, die nicht dem eigenen Selbstbild entsprechen, verbal oder körperlich angegangen. Zusammen mit Romy Baumann ist er seit fünf Jahren als Jugendkontaktpolizei im Kanton Glarus im Einsatz und hat in dieser Tätigkeit immer wieder mit diesem Phänomen zu tun. «Wir wollen frühzeitig Ansprechpersonen für die Jugendlichen sein. Wenn immer möglich nicht erst dann, wenn eine Straftat bereits geschehen ist.»

Häufigste Themen seien hier Betäubungsmittel oder das Verhalten im Ausgang, aber auch immer Mobbing. Per Definition sei dies ein wiederholtes Schikanieren oder ein Quälen durch mehrere Personen und als solches nicht als Straftat definiert. «Einzelne Methoden wie Beleidigung oder Körperverletzung jedoch ganz klar.»

Zudem fallen die Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr noch nicht unter das Erwachsenen-Strafrecht, gelten aber schon ab dem 10. Lebensjahr als strafmündig, heisst, sie sollten wissen, was richtig oder falsch ist. «Grundsätzlich wissen die Täter in diesem Zusammenhang ganz genau, was sie machen, Aber auch wie sie die Opfer erreichen können.» 

Andere Intensität durch soziale Medien

Hier spürt Marco Hämmerli auch die neuen technischen Möglichkeiten. Das Problem selber sei bei weitem nicht neu, mit den sozialen Medien könne es aber eine ganz andere Intensität erreichen. «Während man früher wenigstens zu Hause seine Ruhe hatte, ist man heute über das Smartphone rund um die Uhr angreifbar.» Ganz wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass man zum Beispiel einen Chatverlauf nicht lösche, sondern speichere, damit man einen eindeutigen Beweis habe, was geschehen sei. Wichtig auch, dass das Opfer aufzeigt, dass ihm die Situation zu weit gegangen ist und es, falls es weiter anhält, Hilfe sucht.

Erste Anlaufstellen seien hier sicher die Eltern oder Lehrpersonen. «Es gibt aber eine weitere Reihe an Institutionen. Neben uns, der Jugendkontaktpolizei, gibt es den Schulsozialdienst, aber auch die Opferhilfe.» Sie alle arbeiten jeweils eng und im Sinne des Jugendlichen zusammen. 

Den Eltern rät Hämmerli, dass sie das Anliegen des Kindes ernst nehmen, aber nicht gleich selber aktiv werden und zum Beispiel andere Eltern mit dem Problem konfrontieren. «Geschieht dies zum Beispiel im schulischen Umfeld, ist das Gespräch mit der Lehrperson sicher der richtige Schritt.» Denn vielleicht ist das Problem schon bekannt und zuständige Stellen sind schon involviert. Häufig avisieren dann die Schulen auch die Jugendkontaktpolizei, damit die Schülerinnen und Schüler mittels eines Referats über das jeweilige Thema aufgeklärt und über die strafrechtlichen Konsequenzen orientiert werden.

«Wenn die Jugendlichen das von jemandem in der Uniform hören, hat das schon ein etwas anderes Gewicht.» Und sie merken, dass dies nicht nur ein kleiner Spass ist.

Jürg Huber