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Kirche

«Das fasziniert mich an der St. Galler Kirche»

26.11.2020
Erstmals präsidiert mit Rita Famos eine Frau die Evangelische Kirche Schweiz (EKS). Im Interview erläutert die 54-Jährige ihre theologischen Position und erzählt, was sie an der St. Galler Kirche fasziniert.

Frau Famos, in ihrer neuen Verfassung benennt die Evangelische Kirche Schweiz (EKS) ihren Auftrag: «Die EKS verkündigt das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat.» Wo haben Sie das letzte Mal das Evangelium in Wort und Tat verkündet?

Rita Famos: In Worten – im engeren Sinn – im Fraumünster in Zürich. Ich mache dort ab und zu Gottesdienstvertretungen und habe grosse Freude daran. In Taten: Gestern hat mich eine Spitalseelsorgerin ganz aufgelöst angerufen, sie komme total an ihre Grenzen. Sie zu ermutigen und zu unterstützen, das ist ein Beispiel einer Tat.

Sie sprechen die zweite Corona-Welle an. Was raten Sie Pfarrerinnen und Pfarrern, die bei den Menschen sein möchten, zum Schutz vor dem Virus aber Abstand halten müssen? 

Famos: Die Kirche war bereits während der ersten Welle kreativ: Da waren all die Online-Angebote, die Briefwechsel mit einsamen Menschen, die Kinder, die für Senioren Geschenke bastelten, die diakonischen und seelsorgerlichen Dienste. Ich habe viele Rückmeldungen von der Basis erhalten, das hat sie sehr berührt. Ich hoffe, dass unsere Gemeinden die Kraft haben, im Advent diese Kreativität noch einmal zu wecken. Die Weihnachtsbotschaft geht ja nicht verloren. Im Gegenteil, vielleicht kommt sie umso mehr zur Geltung, wenn der ganze Weihnachtsrummel ausfällt. Sie lautet: Gott wird Mensch, er ist uns nahe. Wir sind nicht allein.

Sie sind seit fast dreissig Jahren für die reformierte Kirche tätig. Was fasziniert Sie daran? 

Famos: Ich habe persönlich erlebt, wie die Kirche den Menschen Möglichkeiten bietet, mitzuwirken, in jeder Lebensphase: Zuerst war ich in der Jugendarbeit engagiert, als junge Pfarrerin in der Erwachsenen- und Familienarbeit. Die Kirche lädt alle Menschen ein, sich zu engagieren, nicht nur die Angestellten. Zudem schafft es die reformierte Kirche seit 500 Jahren, mit der Zeit zu gehen – damit meine ich nicht, sich einfach dem Zeitgeist anzupassen, sondern sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinanderzusetzen und theologisch darauf zu reagieren. Das macht mich zuversichtlich, dass wir Wege finden, unsere Kirche lebendig zu halten.

Wo ist Ihre theologische Heimat? 

Famos: Meine Jugendzeit habe ich im Berner Pietismus verbracht. Bis heute nehme ich aus dieser Zeit das persönliche Engagement, die persönliche Andacht als Teil des Glaubenslebens mit. Später, im Studium, waren für mich die Theologen Karl Barth und Paul Tillich wichtig.

 

«Die Weihnachtsbotschaft geht ja nicht verloren. Im Gegenteil, vielleicht kommt sie umso mehr zur Geltung, wenn der ganze Weihnachtsrummel ausfällt.»

 

Die feministische Theologie gab mir als Frau im Pfarramt Orientierung. Heute habe ich eine «Theologie der Seelsorge»: Auch im Schwachen, im Fragilen ist Gott zu finden: «Meine Kraft ist im Schwachen mächtig» (2. Korinther 12,9). Das ist wichtig für die Seelsorge, aber auch für unsere Kirche, die zur Minderheitskirche wird.

Von 2011 bis 2014 waren Sie bereits einmal im Rat des damaligen SEK (heute EKS). Weshalb sind Sie 2014 zurückgetreten?

Famos: Erstens hatte ich eine neue Stelle angenommen und war zeitlich überlastet. Zweitens fand der Zürcher Kirchenrat damals, es sei besser, wenn ein Mitglied des Zürcher Kirchenrates im Rat des SEK Einsitz nehme.

Was verbindet Sie mit der St. Galler Kirche?

Famos: Ich kenne einzelne Pfarrerinnen und Pfarrer sehr gut und habe einst sogar in Betracht gezogen, meine erste Pfarrstelle in Hemberg anzutreten, als mein Mann in St. Gallen studierte. Später habe ich die Fusionsbewegungen von St. Galler Kirchgemeinden beobachtet. Ich hatte den Eindruck, die St. Galler Kirche hat das geschickt gemacht. Sie hat eine Grösse, mit der sie etwas gestalten kann, aber trotzdem noch beweglich ist. Das fasziniert mich an der St. Galler Kirche.

Interview: Stefan Degen | Foto: EKS – Kirchenbote SG, Dezember 2020

Virtuelle EKS-Synode

Die Synode vom 2. November fand wegen der Pandemie virtuell statt. In der Wahl um das Präsidium setzte sich Rita Famos mit 47 von 78 Stimmen gegen die Waadtländer Pfarrerin Isabelle Graesslé durch. Als weiteres Mitglied wurde die methodistische Pfarrerin Claudia Haslebacher in den EKS-Rat gewählt. Die Sitze waren vakant, da Präsident Gottfried Locher und Ratsmitglied Sabine Brändlin im Zuge von Grenzverletzungsvorwürfen gegen Locher zurückgetreten waren. Eine externe Anwaltskanzlei untersucht die Vorwürfe. (sd)

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Von Fredy Rechsteiner erfasst am 29.09 2020 20:41

Vorsicht, Rücksicht und Zuversicht

Frank Sachweg unterstellt den Corona-Massnahmenkritikern, sie seien assoziale, unverschämte Egoisten und kennen weder Vorsicht noch Rücksicht. Dabei erkennt er nicht, das diese Personen gerade aus Nächstenliebe die übertriebenen Massnahmen ablehnen. Niemand hat etwas gegen Händewaschen usw. Dies ist der Blitzableiter, der schon immer angewandt wurde. Einfach und wirkungsvoll. Die neuen Massnahmen, die nun aber die physische und psychische Gesundheit angreifen und die Abwehrkräfte schwächen, werden mehr Opfer fordern als die sogenannte Pandemie selbst. Das Coronavirus wird Opfer fordern wie jede schwere Grippewelle bisher, aber es ist keine alles dahinraffende Seuche. Wer das um jeden Preis verhindern will, nimmt auch in Kauf, dass für seine Sicherheit 100tausende Kinder verhungern, hunderte Millionen Menschen ihre existenzielle Lebensgrundlage verlieren oder Tausende in den Suizid getrieben werden. Auch die Folgen von Sauerstoffmangel durch Maskentragen (Förderung von Demenz) oder von gentechnisch hergestellten Impfstoffen werden nicht spurlos an uns vorbeigehen. Wenn nun auch noch das Argument aufgegriffen wird, man dürfe niemanden gefärden, muss grundsätzlich alles verboten werden. Autofahrer gefärden, Alkohol gefärdet, sogar ein Bienenstich kann das Leben bedrohen. Vorsichtig, rücksichtsvoll und zuversichtlich wollen wir alle sein. Die Frage ist, was ist unsere Motivation? Ist es die Liebe oder die Angst? Die Bibel sagt dazu: Wirkliche Liebe ist frei von Angst. Ja, wenn Gottes vollkommene Liebe uns erfüllt, vertreibt sie sogar die Angst. Wer sich also fürchtet und vor der Strafe zittert, bei dem ist Gottes Liebe noch nicht zum Ziel gekommen. 1.Johannes 4:18

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