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Kirche

Religionsunterricht digital

27.02.2021
Kreative Ideen für alternative Formen für den Religionsunterricht sind gefragt. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie digitale Methoden und Medien für den Fernunterricht entwickelt und genutzt werden.

Es war während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020. Anja Kornfeld, Pfarrerin in Triengen, durfte den Religions-Unterricht, der jeweils samstags einmal im Monat stattfindet, nicht mehr physisch vor ihrer Klasse abhalten. Auf Fernunterricht reduziert, sandte sie ihren Schülern Arbeitsunterlagen, ein Heft, Blätter, um mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Da jedoch der Religionsunterricht freiwillig ist, reagierten die Lernenden kaum darauf.

Ganz anders verhielt es sich bei ihrer Tochter, die die Kantonsschule in Sursee besucht. Sie wurde vom ersten Tag des Lockdowns an online unterrichtet. «Ich realisierte die Vorteile dieser Art von Unterricht», erinnert sich Anja Kornfeld. «Die Kinder hatten eine Struktur während des Tages und wurden angeleitet.» Diese Form von Unterricht wollte sie ebenfalls testen. Im Juni machte sie einen Probelauf. Im Januar dieses Jahr stellte sie dann ganz auf Online-Unterricht um.

Online Gäste einladen
Zuerst mit den üblichen technischen Anfangsschwierigkeiten. «Es gibt immer zwei, drei Schüler, die sich nicht einloggen können, etwas nicht verstehen und anrufen, wodurch sich der Unterrichtsbeginn verzögert.» Doch auch im normalen physischen Unterricht gebe es Dinge, die nicht klappen würden, auch dort kämen Schüler zu spät. Wichtig sei, die Schüler von Beginn an zu involvieren, wofür es viele Möglichkeiten gäbe. Via Zoom etwa erhält die Lehrerin die Namen der Schüler eingeblendet, die sie aufruft, ihre Online-Präsenz abfragt, Fragen stellt und sie im Unterricht integriert.

Das Arsenal an Möglichkeiten ist gross. So kann sie über Kahoot ein Online- Quiz erstellen, beispielsweise über Zwingli, bei dem die Schülerinnen und Schüler am eigenen PC oder Handy teilnehmen und gegeneinander antreten. Oder es können Gäste ohne zusätzliche Anreisezeiten zu einer Online-Stunde eingeladen werden. So war beispielsweise Synodalratspräsidentin Lilian Bachmann von der Evangelisch-reformierten Landeskirche bei Anja Kornfeld zu Gast und diskutierte mit den Schülerinnen und Schülern über das Thema «Kirche im Dialog» im Vorfeld der Grossgruppenkonferenz.

Das Feedback indes der Schüler ist positiv. «Der Online-Unterricht zusammen mit dem Einsatz der vielen digitalen Hilfsmittel gefällt mir», sagt Benito Morreale, 14, Schüler von Anja Kornfeld. «Zudem muss ich in der Früh nicht aufstehen und in die Schule gehen. » Klar, der soziale Kontakt mit den anderen Schülern fehle ihm. Und doch sei der Online-Unterricht eine gute Alternative.

Auch die Reformation bediente sich moderner Medien
Die Landeskirche unterstützt den Einsatz digitaler Medien. «Wir wollen Unterrichtspersonen für die Nutzung von digitalen Medien und Methoden motivieren und Hilfestellungen bieten», erklärt Tobias Hoenger, Fachbereichsverantwortlicher Ökumene und Bildung. Anfang Februar wurde eine Impulsveranstaltung angeboten, an der über zwanzig Unterrichtspersonen teilgenommen hatten. Auf der Website der Landeskirche gibt es Links für die Umsetzung des digitalen Unterrichts.

«In Kirchenkreisen gibt es teils Vorbehalte gegen Technik», sagt Anja Kornfeld. Wir konnten jedoch feststellen, dass diese Medien Vorzüge haben und wir andere, oftmals jüngere Menschen damit erreichen können. Durch die räumliche Distanz fällt es gewissen Menschen einfacher, sich zu öffnen.»

Im Online-Religionsunterricht bei ihr gab es den Nebeneffekt, dass Eltern ihre Kinder für den Religionsunterricht wieder anmeldeten, nachdem sie diese zuvor aufgrund von Sicherheitsbedenken wegen Corona abgemeldet hatten. «Die Reformation hat sich unter anderem nur durchgesetzt, weil moderne Medien benutzt wurden. Ohne den Buchdruck und die Flugblätter hätte es wohl nicht diesen internationalen Erfolg gegeben.»

Carmen Schirm-Gasser