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Gesellschaft

Mit Mangroven gegen Wind und Wellen

02.03.2021
Indonesiens Inseln sind vom Klimawandel stark betroffen. Walhi, eine Partnerorganisation von Brot für alle, entwickelt Strategien zur Anpassung an die veränderten Bedingungen.

Zwei Stunden nur dauert die Überfahrt von der lärmigen Metropole Jakarta. Dann tuckert die kleine Fähre in den Hafen der Insel Pari, und man taucht ein in eine ganz andere Welt: In Palmenhainen verstecken sich die kleinen Häuser der rund 1000 Menschen, die hier leben; es hat keine Autos, dafür locken idyllische weisse Sandstrände und türkisfarbenes Wasser.

Noch gibt es etwas Fischerei hier. Doch die meisten Menschen auf Pari leben von den Besuchern aus Jakarta, die an Wochenenden zu Hunderten auf die Insel strömen. In praktisch allen Häusern gibt es Gästezimmer; die sandigen Wege sind gesäumt von Restaurants, und an den Stränden versorgen kleine Läden die Touristinnen und Touristen mit allem, was man halt so braucht.

 

«Dann steigen die Fluten so stark an, dass sie in unser Haus eindringen»

 

Direkt am Seesternestrand steht das Haus von Ibu Deli. Davor hat auch sie einen Kiosk gebaut, in dem sie Snacks, Süssigkeiten und Kaffee verkauft. Reich wird man dabei nicht. Aber die 33-jährige Frau, ihr Mann Fauzi und ihre beiden Söhne können in Würde leben. Und sie lieben das beschauliche Leben auf der Insel.

Wasser im Haus

Doch die Idylle ist bedroht. Im Winter staut der Wind das Wasser und lässt den Meeresspiegel noch mehr ansteigen. «Dann steigen die Fluten so stark an, dass sie in unser Haus eindringen», erzählt Ibu Deli. Das sei früher nur selten passiert, aber jetzt, mit dem Klimawandel, müsse man jedes Jahr damit rechnen. 2020 wurde ihr Haus sogar zweimal überflutet und das Wasser stieg so hoch wie nie zuvor, setzte den ganzen Strand unter Wasser und erreichte selbst das etwas höher gelegene Strässchen.

Ganz ohne Gegenwehr nehmen die Menschen auf Pari den Klimawandel allerdings nicht mehr hin. Sie schützen die Küste, indem sie Mangroven pflanzen und sorgfältig pflegen. Diese sollen die Wellen brechen und die Fluten zurückhalten. Zudem pflanzen sie Bäume, um die fortschreitende Erosion des sandigen Bodens zu bremsen. Gelernt haben sie diese Schutzstrategie in einem von Walhi veranstalteten Workshop.

Anpassen und schützen

Walhi setzte dabei ein von Brot für alle entwickeltes Instrument ein: die partizipative Analyse von Klima- und Katastrophenrisiken. Dabei wird zuerst zusammen mit der betroffenen Bevölkerung die Lage analysiert, danach werden Massnahmen ausgearbeitet und umgesetzt. Der erste Klima-Workshop in Indonesien fand im Sommer 2019 auf Pari statt, danach folgten drei weitere auf der Insel Java und einer im «Wilden Osten» Indonesiens, den Inseln der Provinz Nusa Tenggara Timur. 

Auf Pari war auch Ibu Deli dabei. Für sie ist klar: Der Workshop kam gerade zur richtigen Zeit. Auf ihrer Insel kann man den steigenden Fluten kaum ausweichen – der höchste Punkt liegt nur eineinhalb Meter über Meer. Und nach Jakarta ziehen will die energische Frau auf keinen Fall: «Da landen wir bloss in den Slums. Also müssen wir uns anpassen und uns irgendwie schützen.» Sagt’s und watet durch das seichte Wasser hinaus, um ihre Mangroven vom Seetang zu befreien.

Text | Foto: Lorenz Kummer, Brot für alle – Kirchenbote SG, März 2021


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