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Spiritualität, Kultur

«Du stellst meine Füsse auf weiten Raum»

02.03.2021
Das Hungertuch 2021 orientiert sich an einem Psalmvers und stammt von der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sánchez.

«Du stellst meine Füsse auf weiten Raum» (Ps 31,9) ist der Titel des diesjährigen Hungertuches. Erschaffen hat es die chilenische Künstlerin Lilian Moreno Sánchez. Weiter Raum und damit die Erfüllung der Psalmverheissung wird weltweit gefordert – sei es gegen soziale Ausgrenzung oder für eine Klimapolitik, die den weiten Raum auch künftigen Generationen offenhält.

Der gebrochene Fuss sticht in diesem dreiteiligen Bild ins Auge. Als Grundlage diente der Künstlerin Lilian Moreno Sánchez ein Röntgenbild. Es zeigt den Fuss eines Menschen, der im Oktober 2019 in Chile gegen die soziale Ungleichheit im Land demonstrierte und dabei verletzt wurde. Dieser Fuss steht für die Verletzlichkeit der Menschen, aber auch für die Verletzlichkeit der Systeme, in denen wir uns bewegen. 

Bedrohte Schöpfung

Die Coronakrise hat eindrücklich gezeigt, wie schnell das Fundament der Gesellschaft oder das, was wir dafür hielten, ins Wanken gerät. Die Schöpfung als Grundlage allen Lebens ist seit Längerem durch die Klimaerwärmung bedroht. Dabei zeigt sich, dass wir Menschen nebst unserer eigenen Verletzlichkeit auch andere verletzen können. Gerne geht vergessen, dass die Verwundbarkeit von Natur und Mensch in gegenseitiger Abhängigkeit steht und eine intakte Schöpfung die Voraussetzung für gesundes Leben ist. Im Bild kommt mit den goldenen Blumen und Nähten zum Ausdruck, dass wir nicht im Leiden verharren sollen, sondern gerufen sind, Wege in den Raum der Solidarität, der Hoffnung und der Liebe zu gehen.

Die Künstlerin aus Chile

Lilian Moreno Sánchez wurde 1968 in Buin, Chile, geboren und studierte Bildende Kunst in Santiago de Chile. Mitte der Neunzigerjahre erhielt sie ein Stipendium in München. Seither lebt und arbeitet sie in Süddeutschland. Ihre Kunst kreist um Leid und dessen Überwindung durch Solidarität und verarbeitet die Erfahrungen während der chilenischen Militärdiktatur.

Text: Jan Tschannen, bfa, Andrea Gisler, Fastenopfer | Foto: Dieter Härtl / MISEREOR – Kirchenbote SG, März 2021

 

«Hab mich gern»

Zum Hungertuch ist ein Meditationsheft erschienen. Darin befinden sich Texte von Veronika Jehle. Als Seelsorgerin begleitet sie Menschen am Kantonsspital Winterthur.

Hab mich gern
liebe Natur
ich fresse Dich weg
beute Dich aus

Hab mich gern
liebe Natur
bitte verzeih mir, flehend
ich bitte Dich

www.sehen-und-handeln.ch/hungertuch


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