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Kirche, Kultur

Offene Kirche in St. Gallen wird abgerissen

04.05.2021
Nun ist es definitiv: Das Gebäude, in dem die Offene Kirche St. Gallen untergebracht ist, muss dem neuen Uni-Campus weichen. Die Betreiber des ökumenischen Projektes sehen darin aber auch eine Chance.

Vielen St. Gallerinnen dürfte das Gebäude an der Böcklinstrasse 2 wegen des Graffiti an seiner Fassade aufgefallen sein: Das Gesicht einer brasilianischen Frau, das die gesamte Höhe einnimmt und 2019 eine Kontroverse ausgelöst hat. Damals liess der Kanton verlauten, dass das Graffiti nach Ablauf der bewilligten zweijährigen Frist entfernt werden muss, weil es «keinerlei Respekt gegenüber dem historischen Gebäude» zeige. Nach einem eingereichten Baugesuch wurde die Bewilligung erteilt, dass das gemalte Gesicht auf der Fassade der Offenen Kirche in St. Gallen bis 2021 bleiben darf. 

Liegenschaft muss Campus weichen
Dieses Bild wird nun verschwinden – zusammen mit der ganzen Liegenschaft. Auf dem Areal soll ein neuer HSG-Campus entstehen, und im Siegerprojekt des entsprechenden Architekturwettbewerbs ist der Erhalt des Baus nicht vorgesehen.

Gemischte Gefühle
Beim Verein Wirkraum Kirche, der an der Böcklinstrasse die Offene Kirche betreibt, nimmt man den Entscheid mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. «Einerseits hätten wir uns gewünscht, dass das Gebäude erhalten bleibt», sagt Intendant Theodor Pindl gegenüber ref.ch. «Es ist ein historischer Ort, der eine Brücke schlägt zur Gesellschaft und eine Verbindung von Altem und Neuem schafft.» Andererseits sei schon vor dem Architekturwettbewerb klar gewesen, dass die Offene Kirche würde umziehen müssen. Zwar habe es Entwürfe gegeben, die das Gebäude integriert hätten, sagt Pindl. Umgenutzt worden wäre es aber auf jeden Fall.

Spiritueller Hotspot
Pindl sieht in einem Wegzug denn auch eine Chance für einen Neuanfang. Der Verein Wirkraum Kirche sei im Gespräch mit der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Centrum wegen einer möglichen Nutzung der Kirche St. Mangen. Für Pindl ein idealer Standort: Durch den geplanten Campus werde die Altstadt erweitert, die Studenten würden neues Leben in die Gegend bringen. «Mit St. Mangen hätte die Offene Kirche die Möglichkeit, sich zu einer Art spirituellen Hotspot am Rande der Altstadt zu entwickeln.»
Noch ist der neue Standort aber nicht definitiv. Die Gespräche liefen noch, sagt Pindl. Klar ist lediglich: Spätestens 2025 fahren an der Böcklinstrasse die Bagger auf.

Mehr zum Projekt mit Ausführungen von Theodor Pindl


Text: ref.ch, Fotos: Screenshots – Kirchenbote SG, 4. Mai 2021 


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