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Spiritualität

Glauben heute

Unsere Seele ist die Kraft, die alles zum Erblühen bringt. Hildegard von Bingen.

31.05.2021

Meine Sicht auf den Glauben…
Wann hat mein Glaube angefangen und wie hat er sich entwickelt, so dass ich heute etwas darüber schreiben kann?
Wenn ich an meine Kindheit in Holland zurückdenke, bin ich jeden Sonntag mit unserer Familie zur Kirche gegangen. Das war, wie auch das Beten vor und nach jeder Mahlzeit, selbstverständlich. Unsere katholische Kirchgemeinde war sehr liberal und offen für das in den Sechzigern aufkommende ökumenische Denken. Bereits mit 12 Jahren schloss ich mich einer Meditationsgruppe an und durfte so die Vielfalt im Glauben kennen lernen. In unserer Gruppe waren verschiedenen Glaubensrichtungen vertreten und das war sehr interessant. Neben unserer wöchentlichen Meditations- und Gebetsrunden hielten wir auch regelmässig Gesprächsabende zu verschiedenen weltlichen- und Glaubensthemen. Hier erlebte ich auch Retraite-Wochenenden in einem Kloster für Zen-Meditation.
All diese Erfahrungen haben meine Sicht auf den Glauben geprägt. Als ich dann meine Ausbildung als Pflegefachmann angefangen habe, kam ich als 18-Jähriger zum ersten Mal mit dem Tod in Berührung. Angst habe ich da nie gehabt. Doch die Gedanken, was gibt es nach dem Leben, kamen mir sehr nah.
Bei meiner heutigen Arbeit im Pflegeheim rede ich viel mit den Betagten in deren letzter Lebensphase über den Tod und die Zeit danach. Ich selbst glaube, dass es etwas gibt nach dem Tod, auch wenn ich nicht weiss, was es ist. Gibt es einen Himmel, wo man sich wieder begegnet? Oder eine Reinkarnation, einen Übergang der Seele eines Menschen in einen neuen Körper und eine neue Existenz? Für mich tönt und fühlt das viel natürlicher und auch logischer als ein Himmel, wo man sich wieder begegnet. Ich glaube nicht, dass es eine Hölle gibt.
Ich glaube aber, dass die Seele eine sehr wichtige Rolle spielt, während unseres Lebens und auch danach und dass sie unsterblich ist. Ja ich glaube, dass die Seele eines verstorbenen Menschen weiterlebt und einen neuen Platz einnimmt. Wo, was und wie, das weiss ich nicht. Wenn bei mir im Pflegeheim eine Bewohnerin gestorben ist, lasse ich im Zimmer immer ein Fenster auf, damit die Seele selbst ihren Weg gehen kann, wohin sie will.

 

Von Anton Coevets. Er ist freiwilliger Mitarbeiter der Ref. Kirchgemeinde Glarus Riedern und begleitet das Konflager