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Gesellschaft

Uniformen machen Leute

01.07.2021
Eine Uniform ist mehr als ein Kleidungsstück. Sie ist wie eine zweite Haut. Ein Schweizergardist, eine Flugbegleiterin und ein Heilsarmist erzählen.

Vom Adrian zum Gardisten

«Seit Anfang 2020 leiste ich meinen Dienst im Vatikan, bei der ältesten und kleinsten Armee der Welt. Wir arbeiten mit drei Uniformen: mit der blauen Exerzieruniform an unseren Ausbildungstagen, dem «Tenü F», welches einer Polizeieinsatz-Uniform gleicht, und der wohl bekanntesten Uniform, der Galauniform. Blau-Rot-Gelb sind die Traditionsfarben des Hauses Medici. In dieser Uniform dienen wir Gardisten an diversen Posten. Obwohl sie mit ihren vielen Bändern und dem Schwert immer etwas umständlich ist, erfüllt es mich trotzdem mit grosser Freude, diese Uniform fast täglich anziehen zu dürfen. Wenn ich vor dem Dienst noch kurz in den Spiegel schaue, um zu kontrollieren, ob alles korrekt sitzt, kann ich einen gewissen Stolz nicht leugnen, Teil dieser über 500-jährigen Tradition zu sein.

Sobald ich den Weg zu meinem Dienstposten antrete, muss es mir bewusst sein, dass ich nicht mehr einfach nur Adrian bin, sondern ein Schweizergardist. Es wird grosser Wert auf Disziplin und das Verhalten gegenüber Aussenstehenden gelegt, da diese vielfach nur einen Gardisten oder ein Fotosujet vor sich sehen. So muss man auch bei weniger freundlichen Personen immer mit schweizerischer Höflichkeit antworten. Für mich ein unbeschreibliches Gefühl war die Vereidigung im Oktober 2020 in Gran Gala (Galauniform mit Rüstung und Helm), den Eid ablegen zu dürfen. Eben auf diesen Schwur besinne ich mich bei «langweiligeren» Diensten im Palast, und dies hebt dann meine Motivation an.»

Adrian Brändle, Schweizergardist, Bütschwil

 

Eine Einheit bilden

«Mir hat das Fliegen und das Entdecken der Welt schon immer grosse Freude bereitet. Bereits als Kind flog ich immer gerne mit der Swissair. In ein Swissair-Flugzeug zu steigen, löste bei mir ein Gefühl von Heimat aus. Schon damals war es mein Traum, dieses Gefühl als Flugbegleiterin an die Passagiere weiterzugeben.

Nach dem Aufnahmeverfahren und der Einarbeitungszeit war es dann so weit. Ich durfte das erste Mal das Gelernte anwenden und meine Gäste auf dem Flug des Airbus A320 von Zürich nach London begleiten. Da konnte ich erstmals mit Vorfreude und Stolz die Uniform als Flugbegleiterin der Swiss in der Kabine präsentieren. Ich schätze es, dass wir alle gleich gekleidet sind und somit eine Einheit bilden. Dadurch sind wir für die Passagiere gut erkennbar.

Wir Flugbegleiterinnen können zwischen zwei Varianten wählen: die Uniform mit Hose oder mit Jupe – je nachdem, wie wir uns wohler fühlen. Ich habe mich für die Variante mit Hose entschieden. Meine Uniform verbindet mich mit 727 Landungen und 4127 Flugstunden voller schöner Erinnerungen.»

Nadia Bernet, Flugbegleiterin, Au SG

 

Bekenntnis zum Glauben

«Unsere Uniform stellt ein sichtbares Zeichen nach aussen dar: Man ist als Mitglied der Heilsarmee erkennbar. Sobald ich die Uniform anziehe, bin ich nicht mehr als Privatperson unterwegs, sondern als Vertreter der Heilsarmee. Sie ist auch ein Bekenntnis zum christlichen Glauben. Die Heilsarmee ist die einzige Armee, die für den Frieden und gegen die Not kämpft. Als Träger dieser Uniform bin ich auch Ansprechpartner für Menschen, die in seelischer, geistlicher oder materieller Not sind. Sie ist ein Türöffner und durch sie bekomme ich oft Kontakt zu Menschen, die mich sonst nie ansprechen würden.

Die Uniform der Heilsarmee wird auch als Zeichen der Einheit getragen. Egal, ob Arm oder Reich, man stellt alle Personen auf den gleichen Stand, und die soziale Herkunft und Schicht ist nicht mehr sichtbar. Die gesellschaftlichen Unterschiede verschwimmen. Jede und jeder hat so die Möglichkeit, anerkannt zu werden. Die Uniform dient auch als Schutz, zum Beispiel bei der Arbeit auf der Gasse, im Rotlichtmilieu oder unter suchtkranken Menschen.

Leider ist die Heilsarmee nicht mehr ganz so bekannt und ich werde immer mal wieder mit einer amtlichen Person verwechselt (Polizei, SBB) und angesprochen – was ich aber mit Humor nehme.»

Ruedi Odermatt, Heilsarmee Rheineck SG

Texte zusammengestellt von Katharina Meier und Stefan Degen | Fotos: zVg – Kirchenbote SG, Juli-August 2021


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